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Es ist gute Tradition beim FC Bayern, dass Niederlagen nicht ohne Reaktion vonstatten gehen.

Und so haben die Bayern nur vier Tage nach dem 2:5 gegen Bremen einen ungefährdeten Achtelfinaleinzug gegen Nürnberg (2:0) im DFB-Pokal hingelegt.

Was ist jetzt Sache beim FC Bayern? bundesliga.de sprach mit Bayern-Berater Paul Breitner über den holprigen Start der Münchner in der Bundesliga, Franck Riberys Rückkehr und die Arbeit von Neu-Trainer Jürgen Klinsmann.

bundesliga.de: Paul Breitner, war der Pokalsieg gegen Nürnberg nach der vorherigen Heimpleite gegen Werder Bremen eine typische Antwort des FC Bayern?

Paul Breitner: Ganz ehrlich, von uns hat niemand eine Niederlage gegen Nürnberg erwartet. Von außen wurde zwar plötzlich nach dem 2:5 gegen Bremen alles in Frage gestellt - der Torwart, der Trainer, die gesamte Mannschaft. Und das alles nach nur einem Spiel. Drei Tage vorher hatten wir in der Champions League in Bukarest gewonnen, und es war nur von einer rosigen Zukunft die Rede. Also, ich bin jetzt seit 38 Jahren dabei und halte nichts von solchen Wasserstandsmeldungen. Natürlich hat das 2:5 weh getan. Aber bei Bayern München ist es eben kein Spruch, dass man aus Niederlagen lernt. Aus solch einer besonderen Situation hat die Mannschaft eben doch fast immer was Besseres gemacht.

bundesliga.de: Ist es denn für Sie auch normal, dass nach einer herausragenden Saison, in der der FC Bayern vom 1. bis zum 34. Spieltag auf Platz 1 stand, der Motor zum Auftakt ein wenig stottert?

Breitner: Wir sagen das doch schon seit Monaten, dass es in diesem Jahr nicht von Beginn an so gut laufen kann wie in der letzten Saison - spätestens seit der schweren Verletzung von Franck Ribery. Und schließlich haben ja die meisten Verantwortlichen bei uns auch schon bei einer WM oder EM mitgemacht - und wir wissen, dass es im Anschluss an ein solches Turnier immer schwer ist, wieder in den Trott zu kommen. Die Vorbereitung kann dann nicht so optimal sein wie noch im letzten Jahr. Das war uns bewusst, denn wir wissen, wovon wir reden. Und schaut man mal nach England zu Manchester United, von denen ich zuletzt einige Spiele gesehen habe: Da ist die Mannschaft doch auch nur gehobener Durchschnitt ohne Cristiano Ronaldo. Er macht den Unterschied aus so wie es heute bei uns Ribery und Toni tun - oder früher Beckenbauer und Müller oder Rummenigge und Breitner.

bundesliga.de: Welche Bedeutung hat denn insbesondere Franck Ribery für die Mannschaft? Allein sein Kurzauftritt gegen Nürnberg hat ja zumindest die Fans gleich wieder in Entzücken versetzt.

Breitner: Franck ist vom ersten Moment an beim FC Bayern zum Liebling der Fans geworden. Er verzaubert ganze Stadien, er ist das Sahnehäubchen. Für ihn allein lohnt es sich schon ins Stadion zu kommen - und von diesen Spielern gibt es auf der ganzen Welt nicht viele.

bundesliga.de: Wie sehen Sie die Arbeit von Jürgen Klinsmann und die Neuerungen, die er eingeführt hat?

Breitner: Ich denke, es ist immer Zeit etwas Neues zu probieren. Aber aus diesen Neuerungen sind gleich solche Sensationen gemacht worden - da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Allein diese unsägliche Geschichte mit den Buddhas. Das war einzig und allein eine Idee des Architekten. Und überhaupt finde ich die verschiedenen Veränderungen gut. Denn gerade der FC Bayern ist groß genug, um für Neuerungen offen zu sein. Schließlich müssen wir immer nach vorne denken. Andernfalls wäre dieser Verein nicht seit über 40 Jahren so erfolgreich gewesen.

bundesliga.de: Welche Bedeutung haben denn die kommenden Spiele in Hannover, gegen Lyon und gegen Bochum?

Breitner: Ich mag es nicht, einen Ausblick über ein oder zwei Spiele hinaus zu machen. Unser Ausblick richtet sich auf das Saisonende, und da bleiben wir bei unserer Zielsetzung, die da heißt: Wir wollen wieder Deutscher Meister werden und in der Champions League so weit kommen wie möglich. Daran hat sich gar nichts geändert. Und wenn wir jetzt gegen eine schwach in die Saison gestartete Mannschaft wie Hannover spielen, ist es wie fast immer. 96 ist der Außenseiter, wird engagiert ins Spiel gehen und für die Mannschaft ist gegen den FC Bayern das Spiel des Jahres. Das war so, das ist so, und das wird so bleiben.

bundesliga.de: Warum wird Ihrer Meinung nach der FC Bayern am Ende der Saison wieder die Nase vorn haben?

Breitner: Diese Frage stellt sich mir erst gar nicht. Wer wie ich ein Teil des FC Bayern ist, für den gibt es nichts anderes, als dass Bayern Meister werden soll und Meister werden muss.

Das Gespräch führte Thomas Mörs