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Düsseldorf - Nach drei Jahren beim SC Freiburg stürmt Stefan Reisinger seit diesem Sommer für Fortuna Düsseldorf. Dort soll der Angreifer mit seiner Erfahrung aus 72 Bundesliga- und 194 Zweitligapartien dabei helfen, den rheinischen Traditionsverein nach 15 Jahren Abstinenz wieder in der Bundesliga zu etablieren. Im Interview mit bundesliga.de spricht er über die Gründe für seinen Wechsel, den Spielabbruch gegen Benfica und ein Duell mit seinem Ex-Verein.

bundesliga.de: Herr Reisinger, mit 30 Jahren sind Sie erstmals zu einem Verein nördlich des Weißwurstäquators gewechselt. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?

Stefan Reisinger: Geographisch musste ich mich schon umstellen. Aber das ist okay. Der Wechsel ging relativ schnell über die Bühne. Ich habe mit dem Trainer gesprochen, die Chemie passte. Ich musste nicht großartig überzeugt werden und wollte es machen. Dann habe ich meine Sachen gepackt und bin gleich nach Düsseldorf gekommen. Hier bin ich jetzt einer von relativ vielen neuen Spielern.

bundesliga.de: Warum sind Sie zur Fortuna gewechselt?

Reisinger: Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Die Fortuna nimmt in der Bundesliga so ein bisschen die Außenseiterrolle ein. Es wird eine schwierige und spannende Aufgabe, auf die ich mich freue. Wir haben ein tolles Stadion, tolle Fans. Wir werden alles tun, um den Klassenerhalt zu schaffen. Und wir haben auch die Qualität dafür.

bundesliga.de: Was macht Sie da so sicher?

Reisinger: Wir müssen ein verschworener Haufen werden und über die Teamleistung kommen. Was dann möglich ist, habe ich in der letzten Rückrunde mit dem SC Freiburg erlebt. Uns hatte auch niemand auf dem Zettel, doch wir haben es geschafft. Die Mannschaft muss sich jetzt finden und sich schnellstmöglich an die Bundesliga gewöhnen. Denn dort werden die Fehler sofort bestraft.

bundesliga.de: In Freiburg kamen Sie in den letzten beiden Jahren kaum über die Jokerrolle hinaus. In der letzten Saison standen Sie nur fünf Mal in der Startelf. Wie sehen Sie Ihre Chancen in Düsseldorf?

Reisinger: In Freiburg steckte ich in den letzten Jahren in dieser Jokerrolle. Das wollte ich ändern. Außerdem sind beim Sportclub ein paar Sachen passiert, die ich nicht akzeptieren konnte. In Düsseldorf stelle ich mich jetzt dem Konkurrenzkampf. Der Trainer hat mich schon auf verschiedenen Positionen eingesetzt, mal ganz vorne, mal rechts. Wir müssen jetzt die Abläufe einstudieren. Das braucht Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Jetzt hoffen wir auf einen guten Start beim Pokalspiel in Burghausen an meiner ehemaligen Wirkungsstätte.

bundesliga.de: Der letzte Test gegen Benfica endete unrühmlich mit einem Spielabbruch, weil ein Benfica-Profi den Schiedsrichter zu Boden gestoßen hatte. Keine optimale Vorbereitung auf den Ernstfall.

Reisinger: Es war sehr ärgerlich, dass dieses Spiel abgebrochen wurde. Bis dahin haben wir gegen Benfica sehr ordentlich gespielt.

bundesliga.de: Mit welchem Ziel geht die Fortuna in die Saison?

Reisinger: Es wäre für einen Aufsteiger vermessen, ein anderes Saisonziel als den Klassenerhalt auszugeben. Wir müssen auch in Phasen, in denen es einmal nicht so läuft, die Ruhe bewahren. Und wir müssen unsere Heimstärke beibehalten. Das wird ein Schlüssel zum Erfolg. Auswärts dürfen wir natürlich auch gerne das eine oder andere Spiel gewinnen.

bundesliga.de: Welche Rolle können Sie im Team übernehmen?

Reisinger: Ich gehöre schon zu den erfahrenen Spielern und stehe jedem Spieler gerne Rede und Antwort. Ein Führungsspieler wird man aber nicht durch Reden, sondern durch die Leistung auf dem Platz.

bundesliga.de: Das erste Pflichtspiel der neuen Saison haben Sie schon angesprochen. Die Fortuna gastiert im Pokal bei Ihrem Ex-Verein in Burghausen. Wie gut ist Ihr Draht zu Wacker und wie schwierig wird die Aufgabe?

Reisinger: Ich habe noch Kontakte zu Wacker Burghausen, zu Ronald Schmidt zum Beispiel, mit dem ich noch zusammen gespielt habe. Ich freue mich auf das Spiel. Dort werden viele Freunde und die Familie vorbeischauen, die in der Nähe in Landshut lebt. Ich hatte damals eine tolle Zeit in Burghausen in der 2. Bundesliga. Es wird auch ein schweres Spiel. Wacker ist schon in seinem Spielrhythmus. Aber wir sind der Bundesligist und nicht nur auf der Papierform Favorit. Diese Rolle müssen wir annehmen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski