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Pünktlich zu Weihnachten hat Borussia den vierten Winter-Transfer perfekt gemacht. Im Interview spricht Sportdirektor Max Eberl über die neuen Spieler und die Hintergründe der Personalplanungen.

Frage: Borussia hat vier neue Spieler unter Vertrag genommen. Sind die Personalplanungen für die Rückrunde damit abgeschlossen?

Max Eberl: Ja, wir haben das umgesetzt, was wir machen wollten. Wir haben in der Hinrunde deutlich gesehen, wo wir Probleme haben, auch aufgrund der vielen Verletzungen. Darauf haben wir reagiert.

Frage: Auffällig ist, dass nur Defensivspieler geholt wurden: ein Torwart, ein Außenverteidiger, ein Innenverteidiger, ein defensiver Mittelfeldspieler. Das lässt deutliche Rückschlüsse zu, wo bei der Lösung der Probleme angesetzt werden soll.

Eberl: Dass wir im Spiel gegen den Ball zu viele Fehler gemacht haben, ist doch kein Geheimnis. 35 Gegentore in 17 Spielen sind einfach viel zu viel. Die gesamte defensive Ordnung hat nicht gestimmt, auch weil wir gerade in der Abwehr massive Verletzungsprobleme hatten. Es ist für uns eben schwer zu verkraften, wenn auf einmal vier Abwehrspieler ausfallen. Da wir nicht wissen, wie bald wir zum Beispiel mit Thomas Kleine oder Jean-Sébastien Jaurès rechnen können und wie schnell auch ein Jan-Ingwer Callsen-Bracker nach seiner langen Pause wieder in Form ist, mussten wir etwas tun.

Frage: Fangen wir mal im Tor an: Warum wurde Logan Bailly geholt?

Eberl: Wir haben in der Hinrunde drei Torhüter eingesetzt, das zeigt, dass wir auf dieser Position nicht hundertprozentig zufrieden sind. Eine verunsicherte Mannschaft braucht einen Rückhalt, das Gefühl, dass jemand hinten drin steht, der sich nicht scheut, sich ins Getümmel zu werfen, und der zur Not auch mal einen Unhaltbaren hält. Logan Bailly haben wir schon seit längerem im Auge. Er ist unseren Scouts aufgefallen, Torwarttrainer Uwe Kamps und unser Ex-Torwart Uli Sude haben ihn mehrfach gesehen und beide waren beeindruckt. Er ist für einen Torwart noch recht jung, aber ehrgeizig und auf dem Platz sehr präsent.

Frage: Paul Stalteri hat bei Werder Bremen und auch in England in der Viererkette auf beiden Außenbahnen gespielt. Wo ist er eingeplant?

Eberl: Das wird der Trainer entscheiden. Paul ist eigentlich eher ein Rechtsverteidiger, kann aber auch links spielen. Er ist ein sehr positiver Typ, der uns mit seiner Einstellung helfen wird. Hinzu kommt, dass er die Bundesliga aus sieben Jahren in Bremen kennt. Und was Abstiegskampf bedeutet, hat er in der Premier League mit dem FC Fulham erlebt - mit Erfolg.

Frage: Der Brasilianer Dante hat bei Standard Lüttich in dieser Saison Linksverteidiger gespielt. Borussia plant mit ihm aber im Abwehrzentrum.

Eberl: Da sieht er sich selber und da sehen wir ihn auch. Er hat das vorher auch jahrelang gespielt, ist nur in dieser Saison auf die linke Seite gerückt, weil Standard dort Probleme hatte. Dass wir ihn bekommen würden, hätte ich vor ein paar Wochen noch für unmöglich gehalten. Ich weiß, dass Clubs aus dem oberen Drittel der Bundesliga ihn für den Sommer auf der Rechnung hatten, doch er wollte aus persönlichen Gründen unbedingt schon jetzt wechseln, obwohl Lüttich seinen Vertrag erst vor kurzem per Option bis 2011 verlängert hat.

Frage: Brasilianer haben oft Probleme mit der Eingewöhnung. Ist das bei ihm zu befürchten?

Eberl: Das glaube ich nicht. Er spielt schon seit fünf Jahren in Europa, in Frankreich und in Belgien. Er spricht Englisch und fließend Französisch, das zeigt, dass er sich Mühe gegeben hat, sich bei seinen Clubs zurechtzufinden. Und in den Gesprächen, die wir mit ihm geführt haben, hat er sich sehr angenehm präsentiert. Er weiß, was er will.

Frage: Tomas Galasek haben die Boulevard-Zeitungen schon "Fußball-Opa" getauft.

Eberl: Mal sehen, ob sie das noch schreiben, wenn er seine ersten Spiele für uns gemacht hat. Tomas war bei allen seinen Clubs Führungsspieler. Er ist einer, der mit seinem Spiel und seinem taktischen Verständnis andere Spieler besser und wirkungsvoller macht, ohne dass er dabei besonders auffällt. Er ist topfit, hat für Banik Ostrau in der Hinrunde alle Spiele über 90 Minuten mitgemacht.

Frage: Borussia hat vier defensive Leute geholt, keinen für die Offensive, obwohl auch das Spiel nach vorne nicht immer zufrieden stellend war. Warum ist dort nicht angesetzt worden?

Eberl: Unser Problem war in der Hinrunde die fehlende Balance. Wenn wir kompakter stehen und hinten weniger Fehler machen, werden junge Spieler wie Marko Marin, Alex Baumjohann, Karim Matmour oder Michael Bradley automatisch effektiver. Wir haben genug kreative Qualität in der Mannschaft, wir müssen sie nur sinnvoller einsetzen. Im Angriff sind wir mit Rob Friend zufrieden, wir glauben an Roberto Colautti, der endlich mal ein paar Wochen am Stück verletzungsfrei war und wir setzen auf Oliver Neuville, der nach seiner Verletzungspause zurückkehren und der Mannschaft helfen wird.

Frage: Wo werden in der Vorbereitung die Schwerpunkte liegen?

Eberl: Ich habe unter Hans Meyer mehrere Vorbereitungen mitgemacht und weiß, dass er diese Zeit dazu nutzen wird, um seine Mannschaft zu bauen. Er legt Wert auf Struktur und eine gute Organisation und daran wird er im Januar in Ruhe mit der Mannschaft arbeiten können. Ab dem 3. Januar, wenn es wieder losgeht, müssen alle an einem Strang ziehen. Dann wird sich ein Gerüst bilden, mit dem wir in die Rückrunde gehen.

Frage: Werden noch Spieler den Verein verlassen?

Eberl: Wir haben ein paar Gespräche geführt und den Spielern ganz offen gesagt, wie ihre Situation ist. In der Hinrunde hatte jeder seine Chance und jetzt weiß jeder, woran er ist. Es gibt nur ein Ziel: Wir wollen in der Bundesliga bleiben und das werden wir schaffen.