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Vor zwei Jahren begann er in der Regionalliga, der Siegeszug von 1899 Hoffenheim. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Nach den ersten sieben Bundesliga-Spielen der Badener in ihrer Vereinsgeschichte steht der Club auf einem sensationellen 2. Platz.

Ein visionärer Trainer, jede Menge Selbstbewusstsein und eine junge und hungrige Mannschaft sind "Schuld" am Erfolg. Einer der "jungen Wilden" bei Hoffenheim ist Marvin Compper. Erst 23 Jahre alt ist er einer der Führungsspieler unter Trainer Ralf Rangnick und ein wichtiger Bestandteil im Abwehrverbund des Aufsteigers.

bundesliga.de nutzte die Länderspielpause, um mit Compper über seinen und den steilen Aufstieg des "Dorfclubs" Hoffenheim zu sprechen. Der Verteidiger erklärt sich zu seinem Wechsel zu 1899, dem gelungenen Saisonstart und den kommenden Gegnern in der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Compper, 1899 Hoffenheim steht nach 7 Spieltagen auf dem 2. Platz der Bundesliga. Sensation, Glück oder gute und harte Arbeit?

Marvin Compper: Es ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber in der Tat eine sehr schöne, wenn man auf die Tabelle schaut. Wir arbeiten hier auch tatsächlich sehr gut und intensiv und wir haben eine Menge Feuer und Euphorie in uns. Schon in der vergangenen Saison sind wir zu einem echten Team gewachsen und man merkt jetzt auch, dass wir uns auf dem Platz und außerhalb richtig gut verstehen.

bundesliga.de: Sie sind erst im Winter von Borussia Mönchengladbach nach Hoffenheim gekommen. Was waren die Gründe für den Wechsel?

Compper: Ich hatte das Gefühl, dass in Mönchengladbach nicht mehr mit mir geplant wurde. Als die Chance für einen Wechsel nach Hoffenheim kam, wollte ich auch unbedingt hierher, die Verantwortlichen haben sich extrem um mich bemüht. Es war eine schöne Zeit in Gladbach, jetzt bin ich aber sehr froh, hier in Hoffenheim der Mannschaft helfen zu können.

bundesliga.de: Sie kennen Ralf Rangnick ja noch aus Ihren Anfängen beim VfB Stuttgart. Ist er dort bereits auf Sie aufmerksam geworden und welchen Einfluss hat er auf Ihre Laufbahn?

Compper: Ich war damals noch in der Jugend und glaube nicht, dass er wirklich einen Blick auf mich hatte. Wenn ich die Zeit jetzt Revue passieren lassen, dann ist er natürlich ein wesentlicher Bestandteil für meine und unsere Leistungen. Er gibt einem das Selbstvertrauen, um gute Leistungen zu bringen. Dass ich zuletzt sogar in den Mannschaftsrat gewählt wurde, hat mich zusätzlich stolz gemacht.

bundesliga.de: Rangnick hat Sie vom Links- zum Innenverteidiger umgeschult. Wie kam es dazu?

Compper: Die Position ist ja nicht neu für mich, hier wurde ich in der Vergangenheit auch ausgebildet. Es hat sich letztlich auch so ergeben, dass die Außenpositionen sehr gut besetzt waren und sind und ich in der Innenverteidigung zum Einsatz gekommen bin. Das hat gut geklappt und dann blieb es auch dabei.

bundesliga.de: Mit 35 Bundesliga-Einsätzen gehören Sie trotz Ihres jungen Alters zu den erfahrenen Profis im Kader von 1899. Wie gehen Sie damit um, eine Führungsrolle inne zu haben?

Compper: Ob das alleine an der Anzahl der Bundesliga-Einsätze liegt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch von Vorteil, dass man das Spiel auf dem Platz vor sich hat als Abwehrspieler. Wir verstehen uns aber immer als Mannschaft, da darf und muss jeder Kommandos auf dem Platz geben. Einer allein reicht da nicht. Wir haben so ein intensives Spiel, da muss die Kommunikation insgesamt passen.

bundesliga.de: Hoffenheim schaffte den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga. Dabei setzte Trainer Ralf Rangnick vor allem auf Konstanz und junge Spieler. Dennoch herrscht in der Bundesliga eine ganz andere Gangart als zwei Ligen tiefer. Wie erklären Sie es sich, dass Ihr Team dennoch scheinbar mühelos die Umstellung von Liga zu Liga meistert?

Compper: Wir müssen schon noch viel lernen. Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Mannschaft der letzten Saison weitestgehend zusammen geblieben ist. Wir spielen einen Fußball, der viel mit Laufarbeit und schnellem Passspiel zu tun hat. Da kommt uns die Bundesliga mit den technisch versierten Spielern vielleicht entgegen, während in der 2. Bundesliga die Räume sehr eng waren und vor allem der Kampf im Vordergrund stand. Wobei auch das in der Bundesliga einfach noch mal eine Qualitätsstufe höher ist.

bundesliga.de: Das kommende Bundesliga-Duell bestreitet Hoffenheim in Hannover. Die 96er sind bislang hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben und vor allem defensiv anfällig. Ist das ein guter Gegner für Hoffenheims Angriffsmaschine?

Compper: Ich glaube, dass sich die Zuschauer auf ein interessantes Spiel freuen dürfen. Wir haben viel Respekt vor Hannover, fahren aber dorthin, um zu zeigen, dass wir auch auswärts so spielen können wie zu Hause. Das ist unsere Mentalität. Die Fans dürfen aber nicht immer erwarten, dass Hoffenheim viele Tore schießt. Wir haben gegen Frankfurt gezeigt, dass wir mit mannschaftlicher Geschlossenheit und Kampfeswillen gewinnen können. Das ist neben unseren spielerischen Qualitäten enorm wichtig.

bundesliga.de: Danach kommt der Hamburger SV zu Gast. Ein echtes Spitzenspiel. Meist sind Aufsteiger bei Duellen gegen die vermeintlich Großen mit einem Punkt zufrieden. Warum ist das in Hoffenheim nicht der Fall?

Compper: Zum einen ist ein Heimspiel. Und warum sollen wir uns verstecken? Für uns ist jedes Spiel in der Bundesliga neu, wir freuen uns riesig darauf. Das hat schon was, wenn man einläuft und sieht auf der Anzeigetafel, dass wir vor ausverkauftem Stadion gegen einen Top-Club wie Hamburg spielen. Dafür spielen wir Fußball!

bundesliga.de: Alle Welt lobt vor allem die Offensive Ihres Teams. Stört Sie das als Abwehrspieler?

Compper: Überhaupt nicht. Dass unsere Stürmer aber auch mit uns Abwehrspielern rechnen müssen, hat mein Tor in Bremen gezeigt (lacht).

Die Fragen stellte Sebastian Stolz