ANZEIGE

Hoffenheim - Die Vergangenheit hat Tim Wiese hinter sich gelassen. Nach seinem Wechsel zum Bundesligisten 1899 Hoffenheim bezog der Nationalkeeper in diesen Tagen mit Ehefrau Grit und Töchterchen Alina das neue Zuhause im idyllischen 8000-Einwohner-Ort Rauenberg nahe Heidelberg.

Und Wiese möchte am liebsten auch diese wenig einladenden Plakate aus seinem Gedächtnis streichen. Einige Hoffenheim-Fans hatten den Ex-Bremer mit eindeutigen Botschaften vom Wechsel in den Kraichgau abhalten wollen. Doch trotz der "Wiese - Betreten verboten"-Slogans betrat der 30-Jährige selbstbewusst wie gewohnt unbekanntes Terrain.

"Wir können hier Großes erreichen"



Seine forsch formulierten Zielsetzungen dürfte auch den kritischen und zuletzt wahrlich nicht verwöhnten Anhängern geschmeckt haben. "Wir können hier Großes erreichen und wollen international spielen. Ich versuche dabei, mit absolutem Siegeswillen voranzugehen", sagte Wiese und sprach sogar davon, "irgendwann" die Champions League erreichen zu wollen. Gemäß dem Barack-Obama-Motto "Yes, we can". Da passt es ins Bild, dass der Torhüter davon träumt, für einen Tag mit dem amerikanischen Präsidenten zu tauschen.

Die offensiven Wiese-Töne hört man gerne bei dem Club, der in seine fünfte Bundesliga-Saison geht und nach furiosem Start irgendwie zur grauen Maus im Niemandsland geworden ist. Da kommt ein Wiese, einer mit Ecken und Kanten, gerade recht. "Er ist ein positiv Bekloppter und gehört zu den Typen, die auch etwas erreichen wollen. Die jungen Spieler wissen jetzt, da ist einer da, wenn es brennt", beschreibt Markus Babbel seinen "Feuerwehrmann", der dem 1899-Trainer und -Manager bei seiner Mission helfen soll: "Ich will raus aus dem Grau!"

Babbel war es auch, der Wiese von einem Engagement in der Rhein-Neckar-Region überzeugen konnte. Der Ex-Nationalspieler sei "einfach ein cooler Typ", sagte Wiese dem "kicker": "Er hat mir seine Ziele verraten. Nur so viel: Er hat Großes vor." Gut möglich, dass Babbel den Wunsch-Neuzugang auch gleich zum Kapitän macht.

Kampfansage an die Jungen



Aus Sicht von Wiese muss sich sein neuer Arbeitgeber nicht vor seinem einstigen Stammverein Werder Bremen verstecken. Schon gar nicht in Sachen Defensive: Während sich die Norddeutschen in der vergangenen Saison 58 Gegentore einfingen, kassierten die Kraichgauer "nur" 47 Treffer. Einen kleinen Seitenhieb auf die offensive Spielweise der Bremer konnte sich Wiese ("Da sind immer alle nach vorne gerannt") nicht verkneifen.

Nicht zurückstecken will der EM-Teilnehmer von 2012 auch in Sachen Nationalmannschaft (bislang 6 Einsätze). "Ich werde den Jungen nicht kampflos das Feld überlassen, die müssen erst mal an mir vorbeikommen. Ich bin vier Jahre dabei, so soll es bleiben. Da ist es umso besser, je erfolgreicher wir mit Hoffenheim sind", sagte Wiese, der am ersten Spieltag (25. August) mit Hoffenheim gleich bei Borussia Mönchengladbach antreten muss. Dort wartet gleich die erste Bewährungsprobe auf den 30-Jährigen, denn bei der Überraschungself der vergangenen Runde steht einer der angesprochenen "Jungen" im Tor: Marc-Andre ter Stegen.

In den heimischen vier Wänden lässt Wiese aber offenbar gerne mal den Jüngeren den Vortritt. Vor allen Dingen wegen seiner bald schulpflichtigen Tochter Alina schlug er ein Angebot von Real Madrid aus. Nach eigenen Angaben hatte der gebürtige Bergisch Gladbacher sogar mit Madrids Coach Jose Mourinho gesprochen. Wohlwissend, dass er bei den Königlichen hinter Real-Ikone Iker Casillas nur auf der Bank sitzen würde. Dann lieber Hoffenheim - und mit forschen Tönen die Zukunft einläuten.