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Gelsenkirchen - Mit dem 3:0-Erfolg über St. Pauli hat der FC Schalke 04 den ersten Heimsieg der Saison geschafft und einen wichtigen Schritt aus der Krise gemacht. Grund zur Euphorie gibt s aber noch nicht, meint Christoph Metzelder.

Nach der Partie sprach der Schalker Innenverteidiger über Selbstvertrauen, Sicherheit und Druck, den zweifachen Torschützen Raul, die Rolle der Fans - und seinen Geburtstag.

Frage: War der erste Heimsieg der Saison endlich die lang ersehnte Wende?

Christoph Metzelder: Es war ein wichtiger Sieg für unser Punktekonto. Aber auf der Haben-Seite steht immer noch nicht richtig viel. Es war aber auch gut für unser Selbstvertrauen. Das waren drei ganz, ganz wichtige Punkte für die Schalker Seele. Das ganze Umfeld hat unheimlich gelitten in den letzten Wochen. Wir sind einen kleinen Schritt vorangekommen, aber es gibt keinen großen Grund, jetzt in Euphorie auszubrechen.

Frage: War die Stimmung vor dem Spiel besonders angespannt?

Metzelder: Natürlich hat man den Druck gespürt. Wir haben zuletzt kaum Punkte geholt, wir stehen ganz unten im Tabellenkeller - deswegen war es auch für den Spielverlauf sehr wichtig, so früh in Führung zu gehen.

Frage: War die frühe Führung der Schlüssel zum Erfolg?

Metzelder: In den wenigen Spielen, in denen wir bislang gewonnen haben, sind wir immer in Führung gegangen. Gerade in so einer Situation mit wenig Selbstvertrauen war es für uns diesmal ganz wichtig, dass wir so früh in Führung gegangen sind und auch nach der Pause direkt so früh das zweite Tor nachlegen konnten.

Frage: Man hatte nach dem zweiten Tor das Gefühl, dass die Mannschaft vor allem darauf bedacht war, sicher zu stehen und keinen Gegentreffer zu kassieren.

Metzelder: Man darf nicht vergessen, dass wir in den letzten Tagen ein hartes Programm hatten. Das war nicht einfach eine englische Woche - die Abstände waren extrem kurz und die Reise nach Tel Aviv war auch nicht gerade ein Trip mal eben um die Ecke. Deswegen hat man in der einen oder anderen Phase im Spiel gemerkt, dass wir das Tempo auch mal herausnehmen und durchatmen müssen. Da die Tore zu so günstigen Zeitpunkten fielen, konnten wir das Spiel auch besser kontrollieren.

Frage: In den letzten Tagen hatte es eine Diskussion über Rauls Rolle und vermeintliche Extrawürste für ihn gegeben. Waren die beiden Tore seine Antwort darauf?

Metzelder: Ich glaube nicht, dass er Extrawürste bekommt. Er ist ein erfahrener Spieler. Mit 33 Jahren muss man nicht mehr alles machen, was ein 20-Jähriger macht. Das habe ich zu meinen Anfangszeiten mit anderen Spielern auch so erlebt und das ist auch völlig in Ordnung. Raul ist ein Spieler mit unglaublicher Qualität. Er ist ein Mannschaftsspieler, der sich hier absolut integriert hat. Gegen St. Pauli war die Order, ihn ein bisschen mehr nach vorne zu ziehen, dass er näher in den Strafraum kommt. Da hat er dann ja auch zweimal zugeschlagen.

Frage: Hat im Spiel auch die Anfeuerung der Fans geholfen, die von Beginn an hinter der Mannschaft standen?

Metzelder: Die Unterstützung in den letzten Wochen war immer da - auch in Phasen, in denen es auch während einzelner Spiele sicher schwierig war, Ruhe und Optimismus zu bewahren. Trotzdem kamen eigentlich nie Pfiffe von den Rängen. Einen kleinen Teil konnten wir jetzt mit dem Sieg zurückgeben.

Frage: Sie selbst hatten am Anfang einen schweren Stand bei den Anhängern, inzwischen gibt s sogar Szenenapplaus. Sind Sie etwa auf dem Weg zum Publikumsliebling?

Metzelder: Ich glaube, so etwas ist immer auch ein Zusammenspiel von Publikum und Spieler. Ein Tor oder auch ein gewonnener Zweikampf wird honoriert und das gibt wiederum mir persönlich natürlich auch Sicherheit und Selbstvertrauen. Und das gilt für die gesamte Mannschaft, wenn es Szenenapplaus gibt. Es gehört zum Wesen des Ruhrgebietes, dass hier nicht nur die tollen Individualisten aus der Offensive mit Beifall bedacht werden, sondern auch diejenigen, die hinten die Zweikämpfe gewinnen.

Frage: Ihnen darf man zusätzlich zum Sieg noch zum Geburtstag gratulieren. Sie gehören jetzt auch zum Club der 30-Jährigen.

Metzelder (lacht):) Das stimmt, ich bin jetzt ein alter Spieler. Vielleicht darf ich jetzt nachmittags auch mal zuhause bleiben. Das macht der Trainer bei älteren Spielern ja schon mal so.

Frage: Eine letzte Frage zum weiteren Programm: Peilt Schalke als nächstes einen Auswärtssieg in Wolfsburg an?

Metzelder: Es gibt in der gesamten Bundesliga eigentlich kaum noch eine Partie, von der man sagen kann, da nehmen wir die Punkte einfach mal mit. Natürlich möchten wir gerne drei Zähler holen. Aber gerade auswärts ist das nicht selbstverständlich. Ich weiß nicht, ob wir schon die Stabilität haben, sagen zu können, wir fahren dorthin und holen drei Punkte. Es geht generell darum, bis zum Winter weiter Punkte zu sammeln - auswärts und zuhause. Dass wir so weit unten stehen, hat ja vor allem auch damit zu tun, dass wir zuhause so wenige Punkte geholt haben.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte