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Bremen/Köln - 33 Spiele in seiner ersten Bremer Saison sprechen eine deutliche Sprache. Luca Caldirola ist bei Werder Bremen auf Anhieb eine feste größe geworden. Jetzt will er mehr: Bei Werder und in Italiens Nationalelf.

Drei ganz miese Spiele hat Luca Caldirola gerade hinter sich. Zum Glück musste der Verteidiger von Werder Bremen sie sich nur am TV anschauen. „Es war sehr enttäuschend, was Italien bei der WM gezeigt hat. Ich habe keine Ahnung, warum die Mannschaft in jedem Spiel nach 70 Minuten müde war."

Auf Anhieb Führungsspieler

Übrigens: Der Italiener spricht im Gespräch mit bundesliga.de  deutsch. „Das ist eine wirklich schwere Sprache, aber ich will sie unbedingt lernen. So ist es leichter, auf dem Spielfeld zu kommunizieren“, sagte Caldirola. In Bremen besucht er daher nicht nur die italienischen Restaurants, sondern geht auch in bürgerliche Gaststätten. „Ich fühle mich sehr wohl in der Stadt.“ Ein Jahr ist der 23-Jährige nun bei Werder und dabei auf Anhieb eine feste Größe geworden. „Ja, das war eine gute erste Saison. Ich habe viele Spiele gemacht.“

Viele? Lediglich eine Gelbsperre verhinderte, dass der im Sommer 2013 von Inter Mailand bzw. vom dorthin ausgeliehenen Brescia Calcio an die Weser gewechselte Caldirola alle 34 Bundesliga-Partien bestritt. Damit aber würde er nie prahlen. Von der Arroganz  ist beim Abwehrspieler nichts zu spüren. Zurückhaltend und höflich spricht er mit eher leiser Stimme, so dass Manager Thomas Eichin den Wert des Lombarden deutlicher herüber bringen muss. „Luca ist ein hochintelligenter Spieler und wir sind sehr zufrieden, dass wir ihn bekommen konnten. Es war nie eine Frage, dass er spielt. Er ist bei uns eine Konstante", sagte Eichin, der für den 25-maligen U21-Nationalspieler trotz Sparkurs 2,25 Millionen Euro locker machte und Caldirola gleich mit einem Vertrag bis 2017 ausstattete.


Erstaunlich ist, wie schnell der Mann mit der Nummer drei das Spiel in der Bundesliga adaptiert hat, auch wenn ihm besonders in der Hinrunde ein paar Fehler unterlaufen sind und er zudem einige Male auf der für ihn ungewohnten Linksverteidiger-Position aushelfen musste. „In Italiens Serie A wird sehr langsam agiert und vorrangig darauf geachtet, nicht zu verlieren. Catenaccio eben", sagte Caldirola mit einem Grinsen und ergänzte: "In Deutschland will jede Mannschaft gewinnen und das Tempo ist viel höher. Daher muss ich noch besser werden. Schließlich möchte ich, dass wir in der neuen Saison erfolgreicher sind.“

Traum von der Squadra Azzura

Die fehlende Konstanz Werders hat Luca Caldirola nicht gefallen, das Wort „Achterbahn“ ist ihm dafür auf deutsch noch zu schwer. Leichtfüßig hingegen erledigt er seinen Job auf dem Feld. Mit Ruhe, Umsicht und erstaunlich abgeklärt. Qualitäten, die schon bei der U21-EM 2013 zu beobachten waren. Damals verlor Italien mit ihm sowie dem Neu-Dortmunder Ciro Immobile erst im Finale gegen Spanien. Noch ist Caldirola ohne A-Länderspiel, doch Italiens enttäuschendes Vorrunden-Aus bei der WM könnte dies bald ändern und macht die nächste Saison für Caldirola daher auch persönlich zu einer ganz wichtigen. Schließlich ist Andrea Barzagli bereits 33 und haben Leonardo Bonucci sowie Giorgio Chiellini bei den Toren von England, Costa Rica und Uruguay alles andere als gut ausgesehen. „Mein Traum war es immer, für die Squadra Azzura zu spielen", sagte Luca Caldirola. Vielleicht, weil er für Brasilien nicht nominiert wurde, hat Italien früh die Heimreise antreten müssen.

Thomas Schulz