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Bremen - Mit Stolz geschwellter Brust führte Zlatko Junuzovic sein Team erstmals im eigenen Stadion gegen den FC Schalke 04 auf dem Platz. Die etatmäßigen Spielführer Clemens Fritz und Sebastian Prödl fehlten grippegeschwächt.

Vorbildlich ackerte und rackerte der kleine Österreicher, doch am Ende nützte sein starker Auftritt als Werder-Kapitän nichts, denn die Norddeutschen verloren mit 0:3 und bleiben damit auch nach dem 5. Spieltag ohne Sieg.

"Es war eine große Ehre für mich"

"Ich war sehr motiviert. Es war eine große Ehre für mich, das Team als Kapitän anzuführen. Leider haben wir uns heute wieder einmal nicht für unseren großen Aufwand, den wir betrieben, belohnt. Trotzdem bleibt mir dieser Tag als Werder-Kapitän in guter Erinnerung", erklärte der 26-Jährige geknickt.

Besonders in der ersten Halbzeit hatten die Bremer mehr vom Spiel ohne sich jedoch richtig gute Tormöglichkeiten heraus zu spielen, dass sah auch Junuzovic so: "Wir sind super in die Partie gestartet und haben die erste Halbzeit dominiert. Wenn wir dann in Führung gegangen wären, glaube ich schon, dass wir diese auch bis ins Ziel gebracht hätten."

Der Werder-Kapitän beeindruckte in den ersten 45 Minuten mit großem Einsatz und hoher Laufbereitschaft. Der 1,72m große Mittelfeldstratege hatte in Halbzeit eins die meisten Ballaktionen bei Werder (33), gab die meisten Bremer Torschüsse ab (2) und legte die zweitmeisten Kilometer der Bremer zurück (6.10).

Werder mit schwächstem Start seit 38 Jahren

"Nach Wiederbeginn machen wir uns das Leben dann selbst schwer und kassieren in nur fünf Minuten zwei Gegentore. Das war der Knackpunkt in der Partie", analysierte Junuzovic. Den guten Willen, das Spiel noch einmal umzubiegen, was zu Beginn der Saison dreimal sehr eindrucksvoll klappte, war den Werderanern nicht abzusprechen, doch nach den beiden Gegentreffern musste Gästekeeper Ralf Fährmann fast keine brenzliche Situation vor seinem Kasten entschärfen.

"Schalke hat sicherlich nicht brilliant gespielt, aber sehr effektiv. Wir haben viele kleine Fehler gemacht, die eiskalt von den Schalkern ausgenutzt worden sind. Jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da", ärgerte sich der österreichische Nationalspieler.

Hinten anfällig und in der Offensive zu harmlos. Schalke 04 reichte am Dienstagabend eine durchschnittliche Leistung um den ersten Dreier zu holen, auf den die Bremer weiter warten müssen. Die Grün-Weißen bleiben erstmals seit 38 Jahren sieglos in den ersten fünf Bundesliga-Spielen einer Saison (Topdaten zum Spiel). 1976/77 war dies letztmals der Fall, damals gab es den ersten Saisonsieg sogar erst am 8. Spieltag. Mit drei Punkten nach fünf Partien ist der Fehlstart perfekt, das gab auch Junuzovic unumwunden zu: "Optimal ist das sicherlich nicht, da muss ich auch nichts Schönreden. Wir können guten Fußball spielen, aber es fehlt das gewisse Etwas. Unser Aufwand ist riesig, Punkte haben wir zu wenig. Der Start ist nicht geglückt. Wir sind nicht da, wo wir hin wollten."

Nächster Anlauf in Wolfsburg

Die Achillesferse ist wie schon der vergangenen Saison die wacklige Defensive. Bremen kassierte bereits 13 Gegentore - so viele waren es nach dem fünften Spieltag zuvor nur einmal für Werder (1967/68, damals sogar 15). "Wir dürfen diese Partie nie und nimmer verlieren. Es ist paradox, aber das war eine unserer besseren Leistungen in dieser Saison. Im Endeffekt waren wir nicht aggressiv und nicht entschlossen genug vor dem Tor", erklärt Junuzovic.

Die Grippewelle, die einige Werderaner ans Bett fesselte, will Junuzovic auch nicht als Ausrede gelten lassen. "Natürlich hätten wir mit den verhinderten Spielern bessere Alternativen gehabt. Aber das ist jetzt egal. Wir müssen uns aufrappeln und aus unserem Loch herauskommen."

Viel einfacher wir es am kommenden Samstagabend jedoch nicht. Die Bremer reisen zum VfL Wolfsburg. "Gegen die Wölfe wird es nicht leichter, aber ich überzeugt, dass wir auch dort unsere Chance haben werden. Wir müssen uns einfach mal für unsere Bemühen und unseren kämpferischen Einsatz belohnen. Dann gewinnen wir auch wieder", ist sich Junuzovic sicher.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage