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Unterm linken Arm trug Aaron Hunt einen Kasten Mineralwasser, in der anderen Hand Lutschpastillen gegen Halsschmerzen. Doch die gute Laune des Bremer Stürmers konnte das nicht schmälern, als er aus dem Kabinengang trat und in Richtung der wartenden Journalisten marschierte.

Schließlich hatte Werder gerade den FC Bayern München mit 5:2 in dessen eigenem Stadion abgefertigt und Hunt nach Verletzung und gerade halbegs überstandener Grippe sein zweites Bundesliga-Spiel in dieser Saison absolviert.

Im Gespräch mit bundesliga.de analysiert Hunt den Bremer Sieg, bewertet seine eigene Leistung, spricht über die Reaktion der Mannschaft auf die Kritik von Kapitän Frank Baumann und blickt optimistisch voraus auf die kommenden Aufgaben.

bundesliga.de: Herr Hunt, wenn Ihnen jemand vor dem Spiel gesagt hätte, dass Sie mit einem 5:2-Sieg im Gepäck zurück nach Bremen fahren werden, was hätten Sie demjenigen erzählt?

Aaron Hunt: Das Angebot hätte ich natürlich gerne angenommen! (lacht). Nein, Spaß beiseite: Der Spielverlauf hat dieses Ergebnis einfach hergegeben. Die Bayern waren nicht so stark und wir haben die sich uns bietenden Chancen eiskalt genutzt. Daher geht der Sieg auch in dieser Höhe in Ordnung.

bundesliga.de: Die zuletzt gelobte Dreierkette der Bayern haben Sie fünf Mal geknackt. Welche taktischen Tipps hat Ihnen Trainer Thomas Schaaf mit auf den Weg gegeben?

Hunt: Ach, eigentlich nichts Besonderes. Die ganze Mannschaft hatte etwas gut zu machen nach dem 0:0 im Champions-League-Spiel zuhause gegen Famagusta. Das wollten wir nicht so stehen lassen, da wir wissen, dass wir besser spielen können. Uns war klar, dass viele auf dieses Spiel bei den Bayern schauen, deshalb waren wir von Anfang heiß auf diese Partie und haben die Herausforderung gut angenommen.

bundesliga.de: Woher kam denn das Selbstvertrauen nach dem eher mäßigen Bundesliga-Start und der Nullnummer in der "Königsklasse"?

Hunt: Wir wissen, was wir können und dass wir super Einzelspieler haben, die jederzeit ein Spiel entscheiden können. Wenn wir dann als Mannschaft erstmal ins Rollen, dann gibt's nur wenige, die uns noch aufhalten können.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie Ihre persönliche Leistung nach der Einwechslung zur zweiten Halbzeit?

Hunt: Nach meiner Wadenverletzung bin ich erst seit einer Woche wieder im Training. Daher bin ich noch nicht fit genug für einen Einsatz von Beginn an. Außerdem war ich am Mittwoch und Donnerstag noch krank. Das hat man im Spiel in München gesehen, mir hat einfach noch die Kraft gefehlt. Auch wenn ich erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, war es schwer für mich, das Tempo mitzugehen. Aber unterm Strich haben wir 5:2 gewonnen und das ist das Wichtigste.

bundesliga.de: Phasenweise haben Sie die Münchener ja sogar vorgeführt mit Außenrist-Staffetten über drei, vier Stationen. Gab's dafür einen Rüffel vom Trainer?

Hunt: Nein. Ich denke, so etwas kommt ganz automatisch, wenn man 3:0 oder 4:0 führt. Außerdem haben wir nun mal Spieler, die gut mit der Kugel umgehen können. Und die Pässe sind ja angekommen! (lacht)

bundesliga.de: Ihr Kapitän Frank Baumann hat in der Woche vor dem Spiel einige aufrüttelnde und kritische Worte an die Mannschaft gerichtet. Wie kam das bei Ihnen und Ihren Kollegen an?

Hunt: Frank ist der Kapitän und hat daher das Recht, so etwas zu tun. Es war ja auch nicht so verkehrt, was er gesagt hat. Er wollte die Mannschaft wachrütteln, und wenn das dann so klappt wie gegen die Bayern, war's wohl richtig.

bundesliga.de: Als nächste Aufgabe wartet am Dienstag das Pokalspiel beim Drittligisten Erzgebirge Aue. Ein komplett anderes Spiel,oder?

Hunt: Klar! Wir wollen gegen Aue eine Runde weiterkommen, sind der absolute Favorit und müssen in Aue auch so auftreten.

bundesliga.de: Und wie lautet die Zielvorgabe für die anstehenden Aufgaben in der Bundesliga?

Hunt: Bereits vor der Saison haben wir unseren Anspruch formuliert, ganz oben mitspielen zu wollen. Durch den Sieg gegen Bayern sind wir wieder oben dran, dort, wo wir hingehören, und jetzt schauen wir mal, was die nächsten Spiele gegen Hoffenheim und Stuttgart bringen.

bundesliga.de: Nicht gerade leichte Gegner. Außerdem steht noch die schwere Aufgabe in der Champions League bei Inter Mailand an...

Hunt: Ja, sicher. Aber punkten wollen wir gegen jeden Gegner, daher ist es uns eigentlich relativ egal, gegen wen wir spielen.

Das Gespräch führte Denis Huber