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Gelsenkirchen - In dieser Saison ist einfach der Wurm drin. Der FC Bayern München kommt nicht voran, im Gegenteil. Nach der 0:2-Niederlage auf Schalke rückt das Saisonziel Titelverteidigung in weite Ferne. Selbst die Qualifikation für die Champions League wird kein Selbstläufer und noch ein hartes Stück Arbeit.

Die Fakten sind ernüchternd. Auch nach 15 Spieltagen steckt der deutsche Rekordmeister im gehobenen Mittelmaß fest. Auf Platz 7 rangieren die Münchener weit abgeschlagen von Spitzenreiter Borussia Dortmund (17 Punkte) und auch schon mit einem gehörigen Rückstand auf die Überraschungsteams aus Mainz (sieben Zähler) und Hannover (fünf Punkte). Und selbst der SC Freiburg und 1899 Hoffenheim zogen wieder am FC Bayern vorbei.

Van Gaal korrigiert das Ziel

Das ist, um es mit Louis van Gaal zu sagen, einfach "unglaublich". Dementsprechend hat nun selbst der niederländische Meistertrainer das Thema Titelgewinn vorerst zu den Akten gelegt. "Realistisch betrachtet sind wir sehr weit weg von der Meisterschaft", sagt van Gaal. "Es geht nur noch um die Champions-League-Qualifikation."

Wenn selbst der Daueroptimist van Gaal anfängt tiefzustapeln, ist die Sache ernst. Denn die Ergebniskrise zieht sich durch die ganze Vorrunde. Spielerisch ist das nett anzuschauen, die Bayern kombinieren flüssig und kreieren viele Torchancen.

Doch der letzte Biss fehlt. Und auf Schalke wieder einmal auch ein bisschen das Glück. Besonders der linke Torpfosten war am Samstag mit Schalke im Bunde. Während ein Schuss von Bastian Schweinsteiger ans Aluminium knallte und ins Feld zurücksprang, half der gleiche Innenpfosten bei beiden Schalker Toren nach. Es sind aber mehr als die wenigen Millimeter, die derzeit den Unterschied machen.

"Killerinstinkt" fehlt

Der Mannschaft fehlt die letzte Entschlossenheit und der "Killerinstinkt". Das ist speziell auswärts der Fall und zuletzt besonders im Westen der Republik. Die Partie in Schalke war ein Abziehbild der bayerischen 0:2-Pleite in Dortmund. Auch in Mönchengladbach und Leverkusen landere Bayern nicht den entscheidenden Treffer. Zehn bis zwölf Punkte waren möglich, zwei mickrige wurden es schließlich. Im Westen nichts Neues.

Selbst die Schadensbegrenzung hat nicht funktioniert. "Wenn man dann das Gefühl bekommt, dass nicht mehr drin ist, muss man eben 0:0 spielen. Das haben wir nicht gemacht", ärgerte sich Bayern-Kapitän Mark van Bommel. "Wir brauchen uns keine Gedanken mehr um die Meisterschaft zu machen", empfiehlt Philipp Lahm. "Wir müssen uns auf uns konzentrieren und um den Champions League-Platz kämpfen. Denn der FC Bayern gehört in die Champions League."

Sie waren in München auf eine schwierige Saison vorbereitet, vor allem auch auf einen diffizilen Saisonstart. Dass es aber auch im Dezember noch Probleme gibt, damit hatten sie nicht gerechnet. Dabei befindet sich der FC Bayern in guter Gesellschaft.

Bayern wie Inter

Der italienische Triple-Gewinner Inter Mailand kämpft haargenau mit den gleichen Sorgen und weist sogar beinahe eine identische Bilanz auf. In der Champions League vorzeitig fürs Achtelfinale qualifiziert, hat Inter nach 15 Spielen ebenfalls nur 23 Zähler auf dem Konto, belegt Platz 6, weist aber "nur" zehn Punkte Rückstand auf den Tabellenführer Milan auf.

Und noch eine Statistik macht den Bayern nicht gerade Mut. In ihrer Bundesliga-Geschichte haben die Münchener in der Saison nach einer Fußball-WM schon fast traditionell Mühe, in den Alltag zurückzufinden, zuletzt in der Saison 2006/07. Nach elf Weltmeisterschaften seit 1966 wurden die Bayern nur dreimal Meister.

Doch so ganz wollen sie die Flinte noch nicht ins Korn werfen. "Es wird sehr schwierig, aber wir sind immer in der Lage, Meister zu werden und eine Serie von 15 oder 20 Spielen ohne Niederlage hinzulegen", behauptet Mark van Bommel. "Letztes Jahr haben wir das auch gemacht." Eine Einschränkung gibt es allerdings. "Wir sind in der Lage, aber wir machen es einfach nicht", verzweifelt van Bommel.

So sieht es danach aus, als könne Borussia Dortmund schon die Meisterschaftsfeier planen. "Dortmund bekommt keinen Druck", ärgerte sich Louis van Gaal. "Mainz verliert, wir verlieren. Die Dortmunder fühlen keinen Druck." Und können so locker aufspielen. Das ist nur schwer zu ertragen in München.

Tobias Gonscherowski