ANZEIGE

Köln - Borussia Mönchengladbach hat sich im Topduell ein 0:0 gegen den FC Bayern München erkämpft. Die Borussen waren taktisch hervorragend eingestellt und hatten den FCB sogar am Rande einer Niederlage. Eine Analyse, wie die Fohlen gegen den FC Bayern gespielt haben.

Lucien Favre war im Interview nach dem Spiel am Sonntag Abend sichtlich zufrieden. Das sieht man bei dem perfektionistischen Taktikfuchs selten. Aber im Gespräch merkte man, dass sein Matchplan aufgegangen ist. "Wir haben in der erste Halbzeit nicht so gut gespielt, aber die Ruhe behalten. In der zweiten Hälfte haben wir mehr mitgespielt und das gut gemacht. Das hat mir gefallen", sagte Favre. Bei "Sky" gab er außerdem zu Protokoll, dass er im Training an fünf Phasen des Spiels arbeiten ließ. Dass die Spieler immer wussten, was sie zu tun hatten, sah man dann auch auf dem Feld.

Starke Abwehr ist die Grundlage

Der wichtigste Schlüssel gegen die Bayern ist, das eigene Tor sauber zu halten. "Du darfst die Aufgabe gegen Bayern keine Sekunde vergessen. Sonst schießen sie ein Tor, können so weiterspielen und es ist sehr, sehr gefährlich", so Favre. Die Borussen waren zweikampfstark (107 von 206 gewonnen) und dosierten ihre Duelle clever.

Während der FCB das Zentrum weitgehend beherrschte, legten die Gladbacher ihren Fokus auf die Außen und den eigenen Strafraum. In der Grafik (hier geht es zur Spielmatrix) sieht man die verlorenenen Zweikämpfe der Bayern, die sich besonders in diesen Zonen ballen.

Schnelles Umschalten über Diagonalbälle

Lucien Favre scheint sich die Spiele der Bayern sehr genau angeschaut zu haben. Die Idee, nach einer ersten Angriffswelle den zweiten, gefährlichen Angriff zu starten, unterband die Borussia, indem sie ihre Bälle aus der Abwehr fast immer diagonal spielte. Im Bild sieht man, dass sehr wenige Pässe durch die Zentrale gespielt wurden, wo der FC Bayern immer stark steht und sein Gegenpressing startet.

Keeper Yann Sommer spielte fast ausschließlich auf die Außenbahnen. Der Gedanke dahinter ist, dass die weit aufgerückten Außenspieler der Bayern dort Lücken lassen, in die die Gladbacher starten. Die Innenverteidiger des FCB wurden von Max Kruse und Raffael gebunden, die ihre Positionen im Angriff hielten und den Abwehrspielern damit die Möglichkeit nahmen ungestört, den direkten Gegenangriff einzuleiten.

Nicht nur hinten reinstellen

In den Heatmaps der beiden Borussen-Stürmer erkennt man, dass Mönchengladbach darauf setzte, zwei Anspielstationen bei Kontern zu haben. Die beiden schnellen Flügelspieler Patrick Herrmann und André Hahn rückten bei Ballgewinn rasch auf, Kruse und Raffael waren anspielbereit und durch ihre technischen Fähigkeiten auch in der Lage, die Bälle zu halten und weiterzuleiten.

Dadurch waren die Bayern nicht in der Lage, den zweiten Angriff zu starten sondern befanden sich weit aufgerückt in der Situation den Gladbachern hinterherzulaufen. Eine sehr unangenehme Situation.

Angriffe zu Ende spielen

Alle Torschüsse der Mönchengladbacher wurden innerhalb des Strafraums abgegeben. Die Borussen spielten ihre Angriffe zu Ende, schlossen nicht aus aussichtslosen Positionen ab. Das zeigt zum einen, dass ihre Taktik gut funktionierte. Und es sorgte dafür, dass die Bayern auch hier keine schnellen Konter - beispielsweise durch Abwürfe von Manuel Neuer - starten konnte.

Was muss Dortmund gegen Bayern tun?

Jürgen Klopp und der BVB werden sich das Spiel der Gladbacher ganz bestimmt genau anschauen. Daran tun sie gut, denn auch Borussia Dortmund hat - unabhängig von der aktuellen Krise - die Spieler und die Anlagen, um den Bayern gefährlich zu werden. Konkret muss die Abwehr stabiler stehen als zuletzt. In keinem Spiel dieser Saison blieben Mats Hummels und Co. ohne Gegentreffer. Das gegen den FCB zu ändern, ist schwer, aber notwendig.

Wichtig dabei ist auch, dass der BVB zur richtigen Zeit und an den richtigen Stellen attackiert. Den Bayern das Zentrum zu überlassen, mag zwar auf den ersten Blick riskant aussehen. Da die Münchner ihre meisten Angriffe aber über Außen aufbauen, ist diese Maßnahme bis kurz vor den Strafraum durchaus sinnvoll.

Darüber hinaus würde Klopp gut daran tun, sprintstarke Spieler einzusetzen und im Angriff großen Wert auf Ballsicherung zu legen. Diese Kombination kann dem Tabellenführer durchaus weh tun.

Sebastian Stenzel