ANZEIGE

München - Dorge Kouemaha ist angekommen. Beim 1. FC Kaiserslautern gehört der Mann aus Bafang seit Wochen zu den Leistungsträgern und geht nun auch wieder für Kameruns Nationalteam auf Torejagd. bundesliga.de stellt den 28-Jährigen und seine beachtliche Karriere, die ihn bereits in vier verschiedene Länder führte, näher vor.

Wurzeln

Dorge Rostand Kouemaha wurde am 28. Juni 1983 in Bafang geboren, einer 60.000-Einwohner-Stadt im Westen Kameruns. Fußballerisch war er eher ein Spätzünder: Während andere afrikanische Talente schon als Teenager ins Visier großer europäischer Clubs geraten, spielte der spätere Nationalstürmer überhaupt erst ab seinem 14. Lebensjahr in einem Verein.

Erste Schritte

Nach Lehrjahren bei Lumiere de Banka und Diap Banja erhielt Kouemaha 2004 seinen ersten Profivertrag beim Erstligisten Victoria United de Limbe - und sorgte schon in seiner Premierensaison für Furore: Trotzdem sein Team den Klassenerhalt nicht schaffte, ballerte sich der damals 21-Jährige mit 16 Treffern zum Torschützenkönig und wurde am Saisonende als "bester Nachwuchsspieler" Kameruns ausgezeichnet.

Ochsentour

Danach sollte seine Karriere aber schnell ins Stocken geraten. Kouemaha musste sich außerhalb Kameruns erst einmal einen Namen machen und gewissermaßen "Klinken putzen" gehen: Im Winter 2005 wagte der Torjäger erstmals den Sprung ins Ausland zu Aris Thessaloniki. In der griechischen Super League ging es erneut nur gegen den Abstieg - und wieder verpasste sein Team das Klassenziel. Für sein Europaabenteuer bedeutete es das vorläufige Ende nach bloß sechs Monaten.

Durchbruch im zweiten Versuch

Wieder daheim in Kamerun gab Kouemaha seinen Traum von der großen Fußballbühne aber nicht auf. Im Winter 2006 nahm der Stürmer erneut Anlauf, dieses Mal verschlug es den "Wandervogel" nach Ungarn zum Aufsteiger FC Tatabanya, bei dem er sich mit 14 Treffern für einen Wechsel zum Meister VSC Debrecen zu empfehlen vermochte. Als zweitbester Torschütze seines Teams und frischgebackener Pokalsieger folgte im Sommer 2008 dann der nächste Schritt. Der MSV Duisburg sicherte sich die Dienste des 1,88-Meter-Manns, der wenig später sogar Nationalspieler wurde.

Faszination Betzenberg

Mit den "Zebras" war Kouemaha am vorletzten Spieltag der Saison 2008/09 dann auch erstmals beim 1. FC Kaiserslautern zu Gast - und steuerte beim 5:3-Sieg sogar einen Treffer bei. "Damals wusste ich ja nicht, dass ich irgendwann einmal hier beim FCK spiele. Aber ich fand das Stadion damals schon faszinierend", meint der 28-Jährige heute. Bevor es für ihn in die Pfalz ging, sammelte der "Groundhopper der anderen Art" aber erst einmal einen weiteren Länderpunkt in Belgien.

"Lion King"

Beim Traditionsclub FC Brügge schoss sich Kouemaha 2009/10 in seiner ersten Saison in der Jupiler League mit 13 Toren sofort in die Herzen der Fans, die ihm eigens eine Facebook-Seite mit dem Titel "Lion King" widmeten. Der Spitzname bezog sich übrigens auf seine Haarpracht, denn wo sich mittlerweile ein Hauch von Irokese befindet, wurde sein Haupt damals von einer echten Löwenmähne eingehüllt.

"Nemec-Double"

"Die Bundesliga war schon immer ein Traum für mich, den ich jetzt verwirklicht habe", strahlte Kouemaha im Juli diesen Jahres dann schließlich bei seiner Unterschrift beim FCK. Allerdings war das Glück des Kameruners eigentlich erst durch das Pech seines neuen Kollegen Adam Nemec ermöglicht worden: Der Slowake hatte sich nur wenige Tage nach dem Trainingsauftakt bei einem Sturz vom Kirschbaum im heimischen Garten schwer verletzt, die "Roten Teufel" brauchten dringend einen ähnlichen Sturmtank - und entschieden sich für das 88 Kilo schwere Kraftpaket.

Volltreffer

Nach Konditionsrückstand und einer mehrwöchigen Verletzungspause stand Kouemaha am 7. Spieltag erstmals in Kaiserslauterns Startelf - und eroberte sich seitdem mit zwei Treffern und einer Vorlage einen Stammplatz. Die wuchtige Direktabnahme zum 1:1 bei 1899 Hoffenheim wählten die User von bundesliga.de sogar zum "Tor des 12. Spieltags". Seine Stärken liegen dennoch nicht nur im Abschluss: Trotz seiner eindrucksvollen Statur und entsprechender Athletik (beinahe 40 Prozent gewonnene Zweikämpfe) glänzt der beidfüßige Angreifer mit beachtlicher Schnelligkeit und Technik, gepaart mit einem guten Auge (über 80 Prozent der Pässe kamen beim Mitspieler an).

Turnier-Träume

Mit seinen starken Auftritten in der Bundesliga hat sich Kouemaha nach längerer Abstinenz gerade wieder in Kameruns Nationalteam gespielt. Mit den "Unbezähmbaren Löwen" hat er nun einiges vor: "Wir sind bei der WM 2010 in Südafrika bereits in der Vorrunde ausgeschieden und haben alle drei Spiele verloren. Das war für unser Land eine große Enttäuschung", sagte der Rückkehrer im Gespräch mit bundesliga.de. "Derzeit befindet sich das Nationalteam mitten in einer Findungsphase, aber wenn die Mannschaft weiter so konstant spielt, werden wir auch die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien schaffen."

Stilles Wasser

Kouemaha musste sich in seiner Karriere alles hart erarbeiten - und erweist sich wohl auch deshalb als absoluter Musterprofi. Auf dem Platz gibt der Angreifer immer 100 Prozent. Daneben erscheint der verheiratete Vater zweier Töchter zwar immer mit einem Lächeln im Gesicht, zählt jedoch nicht zu den Lautsprechern. Das könnte sich aber schon bald ändern: Französisch und Englisch spricht der Neuzugang schon, nun werden auch zwei Mal wöchentlich die Deutschkenntnisse aus seinem Engagement in Duisburg aufgefrischt. Mit Kapitän Christian Tiffert und Olcay Sahan hat er am Betzenberg zudem zwei alte Bekannte aus MSV-Zeiten um sich, die die Integration erleichtern.


Stefan Missy