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München - Eine schönere Kulisse hätte sich Bastian Schweinsteiger nicht aussuchen können. Seine Bayern hatten gerade den FC St. Pauli souverän mit 3:0 geschlagen und die Fans mit schönem Offensivfußball in vorweihnachtliche Stimmung versetzt.

Als die Reflektoren das Stadion kurze Zeit später in ein atemberaubendes Lichtermeer versenkten und Schmusebarde Leslie Mandoki mit einem Kinderchor schon auf seinen Auftritt wartete, schnappte sich der Star das Mikrophon und verkündete die frohe Botschaft. "Ich habe meinen Vertrag verlängert und bleibe bis zum Jahr 2016 beim FC Bayern. Hoch lebe Bayern!" Diejenigen, die sich bereits auf die Heimreise gemacht hatten, dürften sich verwundert umgedreht haben. Bei Schweinsteigers Worten ertönte das Stadion lauter als bei den drei Treffern zuvor - und das obwohl die Arena nur noch halbvoll war.

"Mein Herz schlägt rot!"

"Mein Herz schlägt rot. Und es ist für mich persönlich schöner mit Bayern München die Champions League zu gewinnen als mit Real Madrid", bekannte der 26-Jährige, der sich innerhalb eines Jahres zum unumstrittenen Weltstar entwickelt hat. Die Wertigkeit des Nationalspielers wird nicht zuletzt durch die Worte seines Trainers untermauert: "Die Unterschrift von Schweinsteiger war heute das Wichtigste", verriet Louis van Gaal nach dem Schlusspfiff. "Aber natürlich ist ein 3:0 gegen einen sehr guten Gegner auch sehr wichtig."

Dass Schweinsteiger nach Philipp Lahm, Thomas Müller, Holger Badstuber und Franck Ribery der fünfte Bayern-Spieler ist, der in jüngerer Vergangenheit seinen Vertrag verlängerte, macht es für den Rekordmeister leichter, über die enttäuschende Vorrunde hinwegzukommen. Denn trotz aller vorweihnachtlichen Stimmung - Euphorie löste der Auftritt der Bayern bei den Protagonisten keineswegs aus. Bei 17 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund können die drei gewonnen Zähler gegen St. Pauli nicht mehr als Initialzündung für die Aufholjagd Richtung Titelverteidigung gelten.

Ribery und Altintop wirbeln

"Es war wichtig zu gewinnen - auch wegen der Weihnachtsfeier", grinste Thomas Müller. Der Offensiv-Allrounder, der den kranken Mario Gomez in der Sturmzentrale vertrat, hatte - sinnbildlich für die gesamte Vorrunde - einen durchwachsenen Auftritt und vergab leichtfertig einige hochkarätige Chancen. Dass den FCB-Profis das abendliche Festmenü trotzdem schmeckte, lag vor allem an der Flügelzange mit Franck Ribery und Hamit Altintop. Die beiden machten ordentlich Betrieb und brachten mit sehenwerten Treffern ihr Team auf die Siegerstraße.

Doch bis zum vorentscheidenden 2:0, als Philipp Lahm einen Foulelfmeter versenkte und St. Pauls Keeper Thomas Kessler vom Platz flog, mussten die Münchner einige brenzlige Situationen überstehen. Entsprechend zollte van Gaal den Hamburger ein großes Lob: "Mein Co-Trainer hat mir berichtet, dass St. Pauli einer der meist attraktivsten und mutigsten Mannschaften in Deutschland ist. Das muss ich unterschreiben. Ich hoffe, dass sie in der Bundesliga bleiben. Ihre Art und Weise ist ein guter Beitrag für die Liga. Sie haben es uns sehr schwer gemacht. St. Pauli hätte das 1:0 schießen können, da hatten wir Glück."

Zufriedener Lahm fordert Auswärtssieg

Gegen zehn Mann nutzten die Gastgeber die Räume und hätten bei konsequenterer Chancenverwertung am Ende sogar noch einen Kantersieg einfahren können. Zwei Pfostentreffer und eine starke Parade von Ersatzkeeper Matthias Hain verhinderten eine höhere Ausbeute - was an diesem Nachmittag die Stimmung jedoch nicht trübte. "Mit den Heimspielen können wir zufrieden sein", zog Lahm schon mal ein erstes Fazit der Vorrunde: "Aber wir müssen endlich auch mal auswärts punkten - und da wäre nächstes Wochenende in Stuttgart ein guter Zeitpunkt."

Erleichtert zeigte sich der Bayern-Kapitän nicht nur aufgrund der sechsten Heimsiegs - sondern vor allem aufgrund Schweinsteigers Auftritt nach Spielschluss: "Dass Bastian verlängert hat, ist eine schöne Sache für die Mannschaft und für mich persönlich. Ich habe lange schon lange mit ihm zusammen gespielt und freue mich, dass wir lange Verträge haben."

Arjen Robben kehrt zurück

Bayerns Präsident Uli Hoeneß hofft bei so viel Glückseligkeit insgeheim sogar noch auf ein sportliches Wunder: "Wenn wir in Stuttgart gewinnen und Dortmund noch Punkte lässt, dann ja", antwortete er auf die Frage nach der möglichen Meisterschaft.

Die vorzeitige Bescherung an der Säbener Straße durchkreuzte der BVB mit seinem Sieg gegen Bremen zwar - die gute Laune bei der Weihnachtsfeier ließen sich die Bayern-Stars aber nicht mehr nehmen. Denn neben der frohen Botschaft von Schweinsteiger gab es am Sonntag noch eine weitere: Arjen Robben kehrt nach seiner langen Verletzungspause am Montag ins Mannschaftstraining zurück - dann allerdings ohne Lichtershow und Kinderchor.

Johannes Fischer