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Köln - Der Weg auf Europas Fußball-Thron ist für die deutschen Weltmeister noch weit und steinig. "Im Moment haben wir nicht die einmalige Einheit wie bei der WM und sind von der Leistung her nicht auf diesem Niveau", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem ersten Länderspiel des Jahres am Mittwoch in Kaiserslautern gegen Australien (ab 20:15 Uhr im Liveticker), der nächsten Etappe auf der langen Reise in Richtung EM-Titel 2016 in Frankreich.

Löw wirkte deshalb nicht besorgt, er nannte die Situation sogar "normal". Doch er appellierte vor allem mit Blick auf die angespannte Lage in der EM-Qualifikation mit dem Spiel am Sonntag in Georgien an die Stars um Kapitän Bastian Schweinsteiger: "Wir müssen schauen, dass wir wieder eine Einheit werden, dahin kommen, wo wir hinwollen." Und das, betonte Löw, "geht nicht über Nacht, das ist ein Prozess von mehreren Monaten." In dieser Zeit sieht Löw auch sich selbst stark gefordert.

"Müssen uns ein Stück weit neu erfinden"

Es gelte schon jetzt, "nach und nach einen Kader zu finden" - für Frankreich, aber auch für die WM 2018 in Russland. Und, dieses Wort fiel immer wieder, spielerisch endlich flexibler zu werden. "Wir müssen uns ein Stück weit neu erfinden", mahnte Löw.

Erste Schritte sollen gegen Asienmeister Australien erfolgen. Neben dem neuen Spielführer Schweinsteiger, der erstmals seit dem WM-Finale zur Verfügung steht, will Löw die Rückkehrer Holger Badstuber und Ilkay Gündogan bringen. Badstuber wird sich wohl neben seinem Münchner Kollegen Jerome Boateng und Dortmunds Mats Hummels in einer Dreierkette versuchen dürfen, weil Löw diese Variante mit Blick auf die Zukunft erneut testen möchte. Hinter dem Trio steht diesmal nicht Stammkeeper Manuel Neuer, der an einer Schleimbeutelentzündung im Knie laboriert und für Georgien geschont werden soll. "Ich möchte gewährleistet haben, dass wir am Sonntag körperlich und geistig in sehr gutem Zustand sind", sagte Löw.

Zu wichtig ist das Spiel in Tiflis angesichts der drei Punkte Rückstand auf Polen, das die Qualifikationsgruppe D anführt. "Wir sind die Nummer 1 der Welt und haben den Anspruch, da voranzugehen", sagte Schweinsteiger. Deshalb erwägt Löw, gegen Australien den ein oder anderen zuletzt arg beanspruchten Profi zu schonen. Im Tor dürfte der Champions-League-erprobte Roman Weidenfeller an alter Wirkungsstätte den Vorzug vor Ron-Robert Zieler erhalten. 

Löw will "das ein oder andere ausprobieren"

Löw erwartet überdies, "dass wir uns als Mannschaft das notwendige Feuer holen" für Georgien. Zudem sollen die "Socceroos" als Blaupause herhalten für den "heißen Herbst" (Löw) mit Duellen in Irland und Schottland. "Wir spielen das ganze Jahr über gegen Mannschaften, die wahnsinnig defensiv orientiert sein werden. Da ist immer das Thema: Wie können wir so ein Bollwerk knacken", sagte Löw.

Die offensiv interpretierte Dreierkette soll dabei ebenso helfen wie eine mögliche Rückkehr zur Doppelspitze. "Es geht um die Systematik in unserem Spiel", sagte Löw, und kündigte an, im Laufe des Jahres "das ein oder andere ausprobieren" zu wollen. Dabei sei er "bereit, den Spielern Fehler zuzugestehen. Man darf sich nicht vorstellen, dass sich alles auf Knopfdruck ändert."

Letzteres gilt vor allem für das Personal. Noch 16 Weltmeister hat Löw in seinem 23-köpfigen Kader, darunter den formschwachen Lukas Podolski. Junge Spieler wie Emre Can, Kevin Volland, Max Meyer oder Leon Goretzka, die Löw explizit nannte, will er erst ab Sommer einbauen. Jetzt geht es erst einmal darum, Frankreich näher zu kommen. "Wir dürfen uns keine Punktverluste mehr erlauben", stellte Löw ultimativ klar.

DFB-Elf mit Trauerflor

Nach dem Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen wird auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Länderspiel gegen Australien der Opfer gedenken. Wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in Wien mitteilte, läuft die Elf von Bundestrainer Joachim Löw im ersten Länderspiel des Jahres in Kaiserslautern mit Trauerflor auf, vor dem Anstoß wird es eine Schweigeminute geben.

"Das nimmt einem jeden klaren Gedanken, das überschattet alles", sagte Niersbach: "Wir sind den Opfern und deren Familien schuldig, dass wir als Fußballfamilie Anteil nehmen."

Auch Löw drückte auf der Pressekonferenz in Frankfurt/Main seine Anteilnahme aus. "Das macht mich auch wahnsinnig betroffen. Das gibt einem persönlich ein ganz komisches, ein schlechtes Gefühl, wenn ein Flugzeug abstürzt, weil man weiß, dass es im Grunde genommen keine Chance gibt, dass die Menschen überleben", sagte Löw: "Das macht mich traurig und gibt mir kein gutes Gefühl."

SID

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