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München - Im Existenzkampf zeigen sich die Unterschiede. Die einen ziehen ins Kloster, die anderen verdrängen die Favoritenrolle. Doch eines haben die Kellerkinder der Bundesliga gemeinsam: das Ziel Klassenerhalt.

Hannover, Freiburg, Stuttgart, Hamburg, Nürnberg und Braunschweig stecken mittendrin im engsten Abstiegskampf aller Zeiten. Am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker) stehen richtungsweisende Duelle für die Kellerkinder an - vier der Konkurrenten treffen sogar direkt aufeinander. Alle Infos zu den Samstagsspielen:

Für Hannover ging es unter der Woche darum, Ruhe zu schaffen vor dem extrem wichtigen Spiel gegen den Hamburger SV. Wo könnte man das besser als in einem Kloster? Deshalb zogen Trainer Tayfun Korkut und seine Mannen am Mittwoch ins Trainingslager in die Hotel-Residence Klosterpforte in der Nähe von Gütersloh. "Wir wissen alle, dass wir in keiner guten Situation sind", sagte Korkut, dessen Team vier Pleiten in Folge hinnehmen musste.

Wie es um das Nervenkostüm bestellt ist, bewies der Tritt von Andre Hoffmann beim Derby in Braunschweig. Dafür wurde der Defensiv-Allrounder gleich für fünf Spiele gesperrt. Damit ist die Saison für den 21-Jährigen vorzeitig beendet. Mit Szabolcs Huszti fällt ein weiterer Topmann der 96er wegen der zehnten Gelben Karte aus. Die Vorzeichen stehen also schlecht, zumal auf der Trainerbank des Gegners mit Mirko Slomka ein Mann sitzt, der die Niedersachsen hervorragend kennt.

Mit 27 Punkten liegen Slomkas Hamburger auf Platz 16 nur noch zwei Zähler hinter Hannover. Ein Sieg und die Hanseaten ziehen am Nordrivalen vorbei. Unter Slomka holte der Bundesliga-Dino allerdings noch keinen einzigen Auswärtspunkt. Für den ehemaligen 96-Coach ist das zweitrangig. "Das ist für uns ein Überholspiel. Wir können mit einem Sieg an Hannover vorbeiziehen und sie in den Abstiegsstrudel hineinziehen." Für den 46-Jährigen ist es "ein besonderes Spiel, klar. Aber kein Freundschaftsspiel." Slomka muss erneut auf Torjäger Pierre-Michel Lasogga verzichten.

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Freiburg und Braunschweig befinden sich in einer untypischen Phase für Abstiegskandidaten. Freiburg verlor nur eines der vergangenen fünf Spiele und steht auf Rang 14. Braunschweig verlor nur eine der letzten sieben Begegnungen. Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht sieht den Druck trotzdem bei den anderen Clubs.

"Wir sind und bleiben der Underdog", sagt er: "Wir haben uns von Beginn an diesem einen großen Ziel mit Haut und Haaren verschrieben - und dafür werden wir weiter alles erdenklich Mögliche versuchen und über unsere Schmerzgrenze hinausgehen." Der Aufschwung der letzten Wochen hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt verstärkt. Eng verknüpft ist der Aufschwung mit der Leistungssteigerung von Domi Kumbela. Der Deutsch-Kongolese traf in der Rückrunde bereits sieben Mal. 

Auf der anderen Seite steht ebenfalls ein Torjäger im Mittelpunkt. Das Bangen um den Einsatz von Admir Mehmedi ist zu Ende. Der Schweizer ist rechtzeitig zum Abstiegs-Duell fit geworden. Von Freiburgs Coach Christian Streich gab es vor dem Nerven-Gipfel nochmals Lob für den Kontrahenten. "Die sind wie wir, sie geben nie auf."

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Die einen wollen weit nach oben, die anderen einfach weg von unten. Während Wolfsburg noch über die Bundesliga und den DFB-Pokal die Chance auf das internationale Geschäft hat, geht es für den "Club" nur um eines: das nackte Überleben.

Wie stark die Wolfsburger aktuell sind, bekam Borussia Dortmund zuletzt zu spüren. Lange lief der BVB einem Rückstand hinterher und drehte erst ganz zum Schluss das Spiel. Umso wichtiger ist es für die Wölfe, die Punkte gegen vermeintliche Abstiegskandidaten einzufahren. Die nächsten Gegner nach Nürnberg lauten Hamburg, Freiburg und Stuttgart, ehe es zum Saisonabschluss gegen Gladbach möglicherweise um das Ticket für die Champions-League-Qualifikation gehen könnte. Gegen Nürnberg stehen Trainer Dieter Hecking bis auf den verletzten Torhüter Diego Benaglio und Stürmer Bas Dost wieder alle Spieler zur Verfügung.

Bei den Gästen entspannte sich die Personalsituation ebenfalls. Die zuletzt gesperrten Emanuel Pogatetz und Niklas Stark sind nach abgesessener Gelbsperre wieder ein Thema für Coach Gertjan Verbeek (zum Interview). Der FCN muss den Negativtrend mit sechs Niederlagen aus den vergangenen sieben Spielen dringend beenden, um nicht zum Rekord-Absteiger der Bundesliga zu werden.

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Europa-Hoffnung trifft auf Abstiegsangst: Sowohl die Borussia als auch der VfB siegten zuletzt mit 2:0. Gladbach gewann in Nürnberg, Stuttgart im Derby gegen Freiburg. Beide hegen nun die Hoffnung, dass sie ihre Saisonziele im Endspurt noch erreichen. 

Bei den Gastgebern hat Coach Lucien Favre vor dem Duell der beiden Trainer-Oldies - Favre ist 56, Stevens 60 und damit ältester aktueller Bundesliga-Coach - einige Personalsorgen in der Abwehr. Mit Filip Daems, Oscar Wendt und Martin Stranzl fallen drei potenzielle Stammspieler aus. Dennoch soll die starke Heimbilanz mit dem elften Heimsieg der Saison fortgeführt werden.

Stevens und Stuttgart haben natürlich etwas dagegen. Einblicke in seine personellen Planungen gewährt der Niederländer nicht. Nur so viel: "Jeder muss um seinen Platz kämpfen." Einer musste dieses Unterfangen vorzeitig beenden. Daniel Didavi plagen muskuläre Probleme. "Ich habe meine Bedenken", sagte Stevens deshalb. Für Didavi dürfte Alexandru Maxim in die Startelf rücken.

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Nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben einmal mehr die Mainzer. Im Gegenteil: Die Elf von Thomas Tuchel kämpft trotz des Rückschlages durch die Niederlage in Frankfurt (0:2) noch um die Europa-League-Qualifikation.

Egal, ob es klappt oder nicht - ein Mann wird nächste Saison nicht mehr in Mainz spielen. Zdenek Pospech verzichtet auf eine Vertragsverlängerung. Der 35-Jährige kehrt nach drei Jahren in Mainz in seine tschechische Heimat zurück. Gegen Bremen wird der verlässliche Routinier aber wohl trotzdem auflaufen. Stefan Bell fehlt hingegen wegen seiner fünften Gelben Karte. Nicolai Müller und Joo-Ho Park fallen verletzungsbedingt aus. Für Tuchel alles halb so schlimm. "Ich bin überzeugt, dass uns die Ausfälle nicht entscheidend ins Hintertreffen bringen."

Vor einem entscheidenden Schritt steht Werder. Die Weser-Kicker haben sich mit 33 Punkten vom Tabellenende abgesetzt, mit einem Dreier könnten sie einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Der zuletzt starke Franco di Santo muss wegen einer Gelbsperre passen. Sehr wahrscheinlich rückt Nils Petersen in die Anfangsformation. Im Hintergrund laufen derweil die Personalplanungen für die kommende Saison. Nach dem Abgang von Ersatzkeeper Sebastian Mielitz hat Manager Thomas Eichin den Vertrag mit dem österreichischen Torwart-Talent Richard Strebinger bis zum Sommer 2017 verlängert. Der 21-Jährige wird als Nummer 2 in die neue Saison gehen.

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