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München - Eine große blaue Schlinge um die lädierte Schulter, doch mit einem Lächeln auf den Lippen stellte sich Bastian Schweinsteiger am Mittwoch den Medienvertretern. Kein Wunder: Der Nationalspieler hat einen äußerst entspannten Abend hinter sich. Zuerst sah er als VIP-Gast die Basketballer des FC Bayern siegen, danach die aufgezeichnete DFB-Gala gegen die Niederlande.

Thema Nummer eins war aber natürlich seine Verletzung. "Es geht mir ganz gut. Ich habe keine Schmerzen, heute werden dann auch die Fäden gezogen" berichtete Schweinsteiger. Überstanden ist es damit aber natürlich noch nicht. Schweinsteiger behält eine etwa 20 Zentimeter lange Narbe ("Ich dachte nicht, dass die so lang ist") und eine Platte in der Schulter zurück.

Ein Jahr mit Platte

"Die bekomme ich erst in einem Jahr raus", erklärt der Mittelfeldspieler. Der Schlüsselbeinbruch aus dem Neapel-Spiel zwingt ihn bis zur Winterpause zum Zusehen, doch bei dem, was seine Nationalmannschafts-Kollegen gegen den Vizeweltmeister, auf den Rasen zauberten, muss sich Deutschlands Vizekapitän keine Sorgen machen.

"Ich hätte nicht gedacht, dass es so deutlich wird", gesteht der 27-Jährige, verweist aber gleichzeitig darauf, "dass es aber immer noch Unterschiede zwischen einem Freundschaftsspiel und dem Turnier gibt". Besonders über das "Superspiel" von Miroslav Klose habe er sich aber gefreut.

"Seit dem 1:3 hat sich viel verändert"

Auch beim Top-Duell am Samstag gegen Dortmund muss Schweinsteiger zuschauen. Seine Kollegen wollen den letzen Vergleich der beiden Spitzenmannschaften, Dortmunds 3:1-"Meisterstück", endgültig vergessen machen.

"Damals hatten wir nicht unseren besten Tag, dazu keine richtige Vorbereitung, weil wir unter der Woche in Mailand gespielt hatten", weiß Schweinsteiger und erklärt, warum es in dieser Saison anders laufen wird: "Seitdem hat sich viel verändert. Wir sind qualitativ besser besetzt, stehen viel kompakter als in der letzten Saison. Auch die Offensiven arbeiten nach hinten mit."

Dass Dortmund der härteste Konkurrent für die Meisterambitionen der Bayern ist, daran besteht für Schweinsteiger kein Zweifel. "Sie haben eine sehr laufstarke Mannschaft, sind in der Offensive super besetzt", meint der Mittelfeldspieler, doch weiß einen Vorteil im Vergleich zum letzten Duell auf der Seite der Münchner. "Diesmal sind sie in der Tabelle hinter uns. Sie werden kommen müssen, das entspricht auch ihrer Spielweise."

Fragezeichen hinter Robben

Fünf Punkte beträgt der Vorsprung der Münchner auf den Deutschen Meister, der sich ebenso wie der FCB in blendender Verfassung befindet. Ähnlich wie die Dortmunder, die die Favoritenrolle ganz klar an den Rekordmeister abgeben, ist sich auch Schweinsteiger sicher, dass es keine Wiederholung des 1:3 geben wird. "Wir haben sehr viel Selbstvertrauen und sind qualitativ besser besetzt. Zudem haben wir eine sehr gute Bilanz und zuhause immer klar gewonnen. Ich gehe davon aus, dass es eng wird, wir aber gewinnen werden", fasst der Rechtsfuß zusammen.

Die Trumpfkarte im Duell mit dem BVB könnte Arjen Robben sein. Der niederländische Superdribbler befindet sich auf dem Weg der Besserung und brennt auf einen Einsatz. Die große Frage ist, ob es für Samstag reicht. "Er trainiert, es sieht gut aus. Aber man weiß nicht, was bei Arjen bis Samstag noch alles passieren kann", verweist Schweinsteiger mit einem Augenzwinkern auf die Verletzungsanfälligkeit des Offensivstars.

Wichtig wäre es aber allemal, wenn man mit Robben noch eine Option mit Extraklasse auf der Bank hätte. "Ich glaube nicht, dass er von Beginn an spielt. Aber wenn er dabei ist, bin ich persönlich noch siegessicherer. Er kann den Unterschied machen", weiß Schweinsteiger.

Dominanz von FCB und BVB über Jahre hinweg?

Die Dortmunder scheinen im Moment sowieso der einzige echte Konkurrent für die Bayern zu sein, die bis auf wenige Ausnahmen die Bundesliga bisher nach Belieben dominierten. Schon in den Neunzigern kämpften die "Schwarz-Gelben" gemeinsam mit dem FCB in der Bundesliga über Jahre hinweg um die Spitze - ein Szenario, dass für Schweinsteiger auch in den kommenden Jahren durchaus vorstellbar ist.

"Es sieht so aus. Die Verantwortlichen in Dortmund haben sehr konsequent und gut gearbeitet, wenn man bedenkt, wo der Verein vor einigen Jahren noch stand. Doch ich glaube auch, dass noch zwei, drei andere Vereine eine Rolle spielen können", sagt Schweinsteiger auf Nachfrage von bundesliga.de.

Verletzung als Plus am Saisonende?

Die Qualität in der Bundesliga sei allgemein gestiegen, meint der Nationalspieler: "Die deutschen Teams werden auch international bald weiter kommen". Doch - bei aller Qualität der Konkurrenz - die Vormachtstellung der Bayern sieht er nicht in Gefahr. "Keiner wird so häufig Meister werden wie der FC Bayern", sagt Schweinsteiger.

Ein Plus für die mögliche Meisterschaft in diesem Jahr könnte dabei - so paradox es klingt - Schweinsteigers Verletzung werden. Denn jetzt bekommt der vielbeschäftigte Nationalspieler eine unverhoffte Pause, kann regenerieren - und könnte dann am Saisonende noch Extrareserven haben. So sieht es auch der Vizekapitän: "Natürlich möchte ich immer spielen. Aber ich bin lieber jetzt verletzt, als bei den vielleicht entscheidenden Spielen in der Rückrunde, wenn wir auswärts in Dortmund und Bremen antreten müssen."

Vom FC Bayern berichtet Christoph Gschoßmann