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Köln - Berti Vogts hat einmal gesagt, dass in der Bundesliga "der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann." Trotz seines Versprechers, der einen Platz in jeder Zitatesammlung der Liga gefunden hat, war die Intention des ehemaligen Bundestrainers klar: Die Bundesliga ist sportlich extrem ausgeglichen und jede Mannschaft muss ans Limit gehen, um zu gewinnen.

Wie sehr diese Aussage, gerade auch in dieser Saison, zutrifft, demonstrieren die Partien des 15. Spieltages eindrucksvoll. Fünf der neun Spiele endeten unentschieden. So viele Remis gab es in der Bundesliga seit dem 23. Spieltag der Saison 2009/10 nicht mehr.

Stuttgart und Köln läuferisch vorne

In Mönchengladbach schlug in gewisser Weise der Tabellenerste den Spitzenreiter, weil nur das Remis der beiden punktgleichen Mannschaften den Weg für den Rekordmeister frei machte. Maßgeblichen Anteil am Erfolg der Bayern hatte der unermüdliche Franck Ribery, der nicht nur zwei Tore erzielte und den Elfmeter zum 4:1 herausholte, sondern bis zu seiner Auswechslung 80 Ballkontakte hatte - die meisten eines offensiven Außenspielers. Darüber hinaus riss er 30 Mal im Sprint die Abwehr der Bremer auseinander. Nur Stuttgarts Shinji Okazaki (31 Mal) und Wolfsburgs Mario Mandzukic (32 Mal) waren noch häufiger in vollem Tempo unterwegs.

Neben Okazaki spurteten noch drei weitere Schwaben in die Top 10 des Spieltages und sorgten dafür, dass der VfB in dieser Kategorie mit 203 Teamsprints die beste Leistung des Wochenendes zeigte. Dieser Spurtfreude setzten die Gäste aus Köln eine hohe Laufbereitschaft entgegen: 121,3 km legten die Akteure des FC in der Mercedes-Benz Arena zurück. Der beste Wert des Spieltages. Stuttgarter Sprinter gegen Kölner Dauerläufer - kein Wunder, dass die Teams sich am Ende die Punkte teilten. Dem ersten Bundesliga-Doppelpack von Christian Gentner setzte der rheinische Dauerheld Lukas Podolski ebenfalls zwei Treffer entgegen.

Leverkusens Flügelzange überzeugt

Nach den Kölnern war Hertha BSC mit 120,1 km am lauffreudigsten und stellte auch einen den eifrigsten Kilometerfresser des Spieltages: Peter Niemeyer hatte mit einer Laufleistung von 12,6 km großen Anteil am Punktgewinn der Berliner beim 1. FC Kaiserslautern.

Schon Freitagabend gewann Bayer Leverkusen gegen 1899 Hoffenheim und konnte dabei vor allem auf die agile Flügelzange Sydney Sam und Andre Schürrle bauen. Sam erzielte das entscheidende 2:0 und Schürrle bereitete den ersten Treffer durch Eren Derdiyok mit einem fulminanten Freistoß vor. Darüber hinaus sprinteten die beiden gemeinsam 55 Mal - der beste Wert eines Flügelpärchens. Bei dieser Sprintstärke war selbst der schnellste Spieler der Bundesliga machtlos: Isaac "Usain" Vorsah war mit 34,8 km/h Höchstgeschwindigkeit nicht zum ersten Mal der Tempokönig des Spieltages.

Nächster Führungswechsel am 16. Spieltag?

Auch Berti Vogts wird gespannt verfolgen, ob es am nächsten Wochenende an der Tabellenspitze den vierten Führungswechsel in Folge gibt. Dazu dürfte der FC Bayern nicht beim VfB Stuttgart gewinnen. Nach der Erfahrung dieses Spieltages scheint ein Unentschieden immer möglich - egal, ob gegen den Tabellenersten oder den Spitzenreiter.

Florian Reinecke

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