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Gelsenkirchen - 4:0 gegen Bremen, zweiter Heimsieg in Folge, seit drei Spielen ohne Niederlage, das Mittelfeld der Liga wieder im Blick - bei Schalke 04 scheint es aufwärts zu gehen. Und Magaths Personalpolitik trägt erste Früchte.

Ein "Dreierpack" von Raul und ein Kopfballtreffer von Christoph Metzelder - es war kein Zufall, dass ausgerechnet jene beiden Spieler sich beim nie gefährdeten 4:0-Erfolg über Werder Bremen in die Torschützenliste eintrugen.

Endlich Tore statt Diskussionen

Beide hatte Felix Magath vor der Saison als neue Säulen seiner Elf auserkoren. Zwei "Königliche", die etwas Glanz von Real Madrid auch zu den "Königsblauen" bringen sollten. Das klappte lange nicht so, wie es sollte. Metzelder zeigte sich formschwach und war als Ex-Dortmunder der perfekte Sündenbock für die Schalker Krise. Raul rieb sich zumeist im Mittelfeld auf und sorgte damit für mehr Diskussionen als Tore.

Doch Magath hielt an beiden fest und kann sich jetzt selbst dafür auf die Schulter klopfen. "Raul hat eine Gala gezeigt. Genial, wie er das gemacht hat - das zeigt Weltklasse!" Vor allem der dritte Treffer hatte es dem Übungsleiter angetan, als der 33-Jährige mit gutem Auge und viel Gefühl im Fuß den Ball über Werder-Keeper Wiese ins Netz gelupft hatte.

Dabei offenbarte Schalkes Topstürmer einmal mehr, wie wichtig er mit seinen Qualitäten in vorderster Front ist. Und Magath nutzte die Gelegenheit, "Senor Raul" diese Position mit Blick auf die nächsten Aufgaben noch einmal galant schmackhaft zu machen. "Man hat gesehen, dass Raul weiter vorne seine Fähigkeiten am besten entfalten kann. Da ist er richtig stark."

Spielball als Souvenir

Der Spanier selbst, der den ersten Bundesliga-"Dreierpack" seiner Karriere mit dem schwächeren rechten Fuß geschnürt hatte, hielt sich wie immer aus allen Diskussionen heraus. Er schnappte sich lieber den Spielball, signiert von allen Mannschaftskollegen - ein schönes Souvenir von einem besonderen Tag.

Solch handfeste Erinnerungen nahm Christoph Metzelder zwar nicht mit nach Hause, doch die Zufriedenheit war dem Verteidiger ins Gesicht geschrieben. Er verbuchte nicht nur die beste Zweikampfbilanz gegen Werder - ausgerechnet sein Treffer ebnete auch den Weg zum 4:0-Sieg. Denn zunächst hatte sich Schalke schwer getan, weil Kritik und Druck Wirkung gezeigt hatten, gestand Metzelder ein: "In der Anfangsphase hat man gesehen, dass wir in keiner guten Situation sind. So etwas belastet jede Mannschaft. Das Tor war dann eine Befreiung."

Dass der hohe Sieg in der Folge auch ein Ergebnis der erschreckend schwachen Bremer Leistung war, dürfte weder Metzelder noch Magath entgangen sein. Doch Schalke ist offenbar gewillt, die Gunst der Stunde zu nutzen und bessere Zeiten auszurufen. Schließlich sei es der Mannschaft gelungen, "ihre spielerischen Möglichkeiten zu zeigen", lobte der Trainer. Für Metzelder eine fast logische Entwicklung: "Wir haben uns gefunden, uns Schritt für Schritt verbessert, im Spiel gegen den Ball zugelegt und sind personell eingespielt."

Lyon vor der Brust

Schalke lässt keinen Zweifel, dass man den Schwung von sieben Punkten aus drei Spielen jetzt mitnehmen will - in der Bundesliga und in der Champions League. "Ich hoffe, dieser Sieg gibt uns Vertrauen in die Art und Weise, wie wir Fußball spielen möchten. Wenn wir als Mannschaft auftreten und einer für den anderen kämpft, können wir auch erfolgreich sein", stellt Peer Kluge fest.

Christoph Metzelder hat keinen Zweifel, dass Schalke sich in der Liga "weiter Stück für Stück nach vorne arbeiten und noch ein paar Mannschaften einsammeln wird". Zunächst aber richtet auch er den Fokus auf den Mittwoch, wenn Olympique Lyon in Gelsenkirchen gastiert: "Da müssen wir unbedingt gewinnen. Wir stehen in der Champions League unter Zugzwang."

Aus Gelsenkirchen berichte Dietmar Nolte