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Nicht nur in der realen Bundesliga, auch beim Offiziellen Bundesliga Manager, ist die Taktik der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb sprach bundesliga.de mit Erich Rutemöller über grundsätzliche taktische Erwägungen und wo die Vorteile bestimmter Systeme liegen.

Rutemöller war nicht nur Bundesliga-Trainer beim 1. FC Köln und Hansa Rostock, sondern bis Dezember 2007 Chef-Trainerausbilder des DFB.

bundesliga.de: In der Bundesliga oder auch international spielen Mannschaften kaum noch mit der Dreierkette. Warum hat sich die Viererkette als besonders wirksames Verteidigungsinstrument erwiesen?

Erich Rutemöller: Bei einer Viererkette ist man gegen jedes System des Gegners gewappnet, ohne umstellen zu müssen. Egal, ob er mit einem, zwei oder drei Spitzen kommt, man ist immer gut dagegen gestaffelt. Ein anderes Argument ist, dass man bei der Viererkette auch im Spielaufbau die breite des Platzes voll ausnutzen kann.

bundesliga.de: Im Mittelfeld sind die Möglichkeiten dann schon vielfältiger, oder?

Rutemöller: Da hängt viel von der Philosophie des Trainers und der Zusammenstellung des Kaders ab. Die Tendenz geht seit einigen Jahren insgesamt dahin, mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr und zwei äußeren Mittelfeldspielern zu spielen. Bei Ballbesitz schaltet sich dann einer der Defensiven mit nach vorne ein und kann wie ein Spielmacher am Aufbau teilhaben. Dadurch wird die Mitte kompakt gehalten und die äußeren Räume werden je nach Verschieben ein bisschen freier.

bundesliga.de: Inwiefern hat sich dadurch im Mittelfeld die Rollenverteilung verändert?

Rutemöller: Es geht jetzt ja schon seit einigen Jahren dahin, dass viel Verantwortung auf der Position des Sechsers, also des defensiven Mittelfeldspielers liegt. Der muss nicht mehr taktisch gut und im Zweikampf stark sein, sondern Spielmacherqualitäten besitzen, um bei Ballgewinn möglichst schnell umschalten und die Orientierungsphase des Gegners in der Abwehr nutzen zu können.

bundesliga.de: Europameister Spanien oder auch das Überraschungsteam aus Russland haben bei der EURO 2008 nur mit einem Stürmer gespielt. Wo liegt da der Vorteil?

Rutemöller: Meistens ist ja noch ein zweiter, extrem offensiver Spieler - bei Russland war das Arshavin - dabei, der aber sehr variabel spielt. Bei Spanien hat das perfekt funktioniert, weil sie extrem spielstarke Typen hinter der Spitze hatten. Deren Spiel war extrem flexibel, weil sie auf dem Weg nach vorne nur schwer auszurechnen waren. Auf der anderen Seite hatten sie durch diese Grundordnung defensiv auch eine enorme Kompaktheit.

bundesliga.de: Welche Rolle kommt einem einzelnen Stürmer in so einem System zu?

Rutemöller: Das ist schon eine extrem anspruchsvolle Position. Die Typen sind durchaus unterschiedlich wie Jan Koller als langer, kräftiger oder Fernando Torres als schneller, wendiger Typ. Der Spieler muss einerseits den Ball halten können, damit die anderen nachrücken können. Andererseits muss er auch in der Lage sein, sich Richtung Tor alleine durchzusetzen und den Abschluss zu suchen. Nicht zuletzt gehört Kopfballstärke dazu, weil gerade der einzelne Stürmer häufig über außen angespielt wird.

bundesliga.de: Welche Rolle spielen Stärken und Schwächen des Gegners bei der eigenen taktischen Ausrichtung?

Rutemöller: Der Gegner wird heutzutage ja bis ins kleinste Detail auf Stärken und Schwächen hin analysiert. Und da kann dann die Erkenntnis schon sein, sich auch personell, taktisch in der Grundformation oder zumindest Nuancen im Spiel darauf einzustellen. Dass manche Trainer behaupten, sich nicht nach dem Spiel des Gegners auszurichten, halte ich für höchst unwahrscheinlich - und es wäre auch fahrlässig.