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München - Vier Jahre lang hat Miroslav Klose seine Fußballschuhe für den FC Bayern München geschnürt. Seit Montag steht fest, dass der Nationalstürmer in der kommenden Saison nicht mehr im Trikot der "Roten" auflaufen wird.

Der FCB und der Stürmer, der am Donnerstag 33 Jahre alt wird, konnten sich nicht über eine weitere Zusammenarbeit einigen. "Leider haben die Gespräche mit Miroslav Klose zu keinem positiven Ergebnis geführt. Wir hätten gerne mit ihm verlängert, aber hinsichtlich der Vertragslaufzeit haben wir uns auf keinen gemeinsamen Nenner verständigen können", erklärte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Stets viel Konkurrenz für Klose

Seit 2007 ging Klose für den FC Bayern auf Torejagd, doch der Torschützenkönig der Saison 2005/06 durfte sich im Starensemble der Münchner nie seines Startelfplatzes sicher sein. War es in den ersten beiden Jahren Luca Toni, der sich durch mehr Treffer auszeichnete, übertrafen in den vergangenen beiden Spielzeiten unter anderem Thomas Müller und Mario Gomez deutlich die Torausbeute von Klose.

Seine Qualitäten als Stürmer stellte der 32-Jährige in den vergangenen Jahren vor allem in der deutschen Nationalmannschaft unter Beweis, für die er in bisher 109 Einsätzen 61 Tore erzielte. Für Bundestrainer Joachim Löw gab es nie einen Zweifel, Klose nicht als Stürmer Nummer eins zu nominieren, seine Tore zuletzt während der WM und in der aktuellen EM-Qualifikation geben dem Coach recht.

Nur einen Saisontreffer

Doch beim FCB blieb in den letzten beiden Spielzeiten Zählbares zumeist Mangelware. In dieser Saison kam Klose in 20 Bundesliga-Einsätzen auf 872 Minuten Spielzeit und markierte dabei nur einen Treffer. Nur alle 145 Minuten fand ein Schuss den Weg direkt aufs Tor. Zum Vergleich: FCB-Stürmer Gomez schoss alle 51 Minuten aufs Tor und wurde mit 28 Treffern Torschützenkönig der Saison.

Auch wenn der neue Trainer Jupp Heynckes schon vor Wochen deutlich machte, dass er Klose als Spieler und Führungspersönlichkeit sehr schätzt, und auch der FC Bayern den auslaufenden Vertrag gerne verlängert hätte, in der kommenden Saison wird Heynckes nicht an Gomez vorbeikommen, wenn es darum geht, die Startelf zusammenzustellen.

Gomez mit der besten Chancenverwertung

Aber wer hat sich in den letzten Monaten außerdem für die erste Elf der Münchner empfohlen? bundesliga.de wirft einen Blick in die Datenbank und zeigt die Qualitäten der anderen FCB-Offensivkräfte auf.

Die Torjägerqualitäten von Gomez kamen in den letzten Monaten sehr deutlich zum Vorschein. Nach einem durchwachsenen ersten Jahr beim Rekordmeister und einem schwierigen Saisonauftakt, platzte am 8. Spieltag im Spiel gegen Hannover 96 beim Stürmer der Knoten. Insgesamt 95 Torschüsse von denen 48 direkt aufs Tor gingen und 28 dann auch im Netz landeten macht eine Chancenverwertung von 35 Prozent. Kein anderer Bayern-Stürmer wies diese Saison einen besseren Wert auf.

Robben kommt schnell in Fahrt

Alle 82 Minuten war Gomez an einem Tor direkt beteiligt, doch ein Spieler bot sogar einen noch besseren Wert auf - Arjen Robben. Der Niederländer fehlte die gesamte Hinrunde aufgrund einer Verletzung, die er sich im Vorfeld der WM 2010 zugezogen hatte. Doch nach der Winterpause startete der Flügelflitzer durch.

In 14 Spielen der Rückrunde war Robben alle 57 Minuten an einem Tor beteiligt, insgesamt kam er auf zwölf Treffer und acht Vorlagen. Alle 38 Minuten verbuchte er einen direkten Torschuss, ein Viertel dieser Schüsse landete in den Maschen.

Ribery und Müller zeigen ihre Scorerqualitäten

Eine ähnliche Scorerausbeute wie Robben hatten auch Franck Ribery und Thomas Müller. Die beiden brauchten dafür aber deutlich mehr Spielminuten. Ribery verbuchte sieben Tore und elf Assists, brauchte dafür aber 109 Minuten, WM-Torschützenkönig Müller erzielte zwölf Tore bei ebenfalls elf Assists. Er brauchte 122 Minuten für eine direkte Torbeteiligung.

Bei der Chancenverwertung hängte Müller den Franzosen allerdings ab. Während Ribery eine Chancenverwertung von nur 14 Prozent vorweisen kann, landeten 26 Prozent von Müllers Torschüssen auch im Tor.

Ein Langzeitverletzter kommt zurück

Trotz des Weggangs von Klose ist der FC Bayern in der Offensive demnach gut gerüstet, auch wenn zwei Qualitäten des Stürmers fehlen werden. Seine Kopfballstärke und sein gutes Zweikampfverhalten. Denn für einen Angreifer hatte Klose mit rund 50 Prozent gewonnener Zweikämpfe auch in dieser Saison einen sehr guten Wert vorzuweisen.

Zudem hat der Rekordmeister zwei "echte" Stürmer noch in der Hinterhand. Neben Ivica Olic, der sich nach langer Verletzungspause gerade wieder zurückkämpft, kommt mit Nils Petersen der Torschützenkönig der 2. Bundesliga von Energie Cottbus zu den Bayern.

Vielversprechender Neuzugang

25 Tore erzielte Petersen, hinzu kamen noch drei Assists. Mit 104 Minuten pro direkter Torbeteiligung liegt er sogar vor Ribery und Müller, wobei man natürlich die Unterschiede zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga abwägen muss. Doch mit einer Chancenverwertung von 25 Prozent weist er einen sehr guten Wert auf.

Wie Petersen sich ins Bayern-Team einbringt, wird aber abzuwarten sein. Doch Heynckes wird ihm sicher Chancen einräumen, sich zu beweisen. Auch Toni Kroos stieg unter dem Coach während seiner Ausleihe zu Bayer Leverkusen zum WM-Fahrer auf.

Viele Spielereien wird es aber wohl nicht geben, auch mögliche weitere Zugänge oder Nachwuchsspieler müssen sich vor allem im Training zeigen, denn die Offensive des FC Bayern wird im kommenden Jahr wieder an Toren gemessen - diesmal aber ohne Klose.

Jessica Pulter