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Kaiserslautern - Adam Nemec machte eher einen traurigen Eindruck Sonntagabend in den Katakomben des Fritz-Walter-Stadions. Dabei hatte der Slowake gerade sein erstes Saisontor geschossen für den 1. FC Kaiserslautern, Olcay Sahan hatte ihm den Ball auf den linken Fuß gelegt und der 1,90 Meter große Angreifer drosch die Kugel mit Vehemenz zum 1:1 ins Tor (63.).

Doch es blieb auch nach dem Schlusspfiff zwischen den Lauterern und Hannover 96 - trotz vieler guter Möglichkeiten für die Pfälzer, die Begegnung doch noch zu gewinnen.

"Würde mein Tor gerne gegen drei Punkte tauschen"

Nemec sagte geknickt: "Ich würde mein Tor gerne gegen drei Punkte tauschen." Beide Mannschaften blieben nun schon zum siebten Mal hintereinander ohne Sieg. Der FCK verharrt deshalb nach Abschluss der Vorrunde auf Relegationsplatz 16, mit einem Sieg hätten sie die Nürnberger auf Rang 15 verdrängt.

"Das Spiel war ein Spiegelbild der Saison", analysierte FCK-Trainer Marco Kurz: "Wir betreiben einen Wahnsinnsaufwand, aber am Ende haben wir zu wenig Ertrag." Die Lauterer drückten die Hannoveraner in der zweiten Halbzeit in die Defensive. Nach der ganz schlechten ersten Hälfte änderte Kurz das System, er wechselte nach der Pause in Itay Shechter und Adam Nemec zwei neue Angreifer ein und spielte fortan mit zwei statt einer Spitze. Doch nach Nemec' Ausgleich vergaben Fortounis (70.) Sahan (82.) und Shechter (83.) drei große Chancen zum Ausgleich.

Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler hielt den Schuss von Fortounis aus nur acht Metern überragend. Negativer Höhepunkt war der Platzverweis von Shechter, der nach einem verlorenen Duell gegen Schmiedebach diesen frustriert von hinten umtrat. "Die Rote Karte geht in Ordnung", gab auch FCK-Trainer Kurz zu. Shechter wurde nun für zwei Spiele gesperrt, beim DFB-Pokal-Achtelfinale bei Hertha BSC am Mittwoch darf der Israeli aber spielen.

Nemec spielt, als sei er nie vom Kirschbaum gefallen

Für Adam Nemec hingegen bedeutete das Spiel gegen Hannover trotz der Enttäuschung über den verpassten Sieg, einen gelungenen Neuanfang. Am zweiten Trainingstag in dieser Sommervorbereitung hatte sich der Angreifer ja eine kuriose Verletzung zugezogen.

Bei einem Spaziergang wollte er seinem Vater ein paar Kirschen vom Baum pflücken und fiel dabei so unglücklich von einem Ast, dass er sich das Schlüsselbein brach, einen Nackenwirbel anbrach und eine Gehirnerschütterung zuzog. Drei Monate fiel der ehrgeizige Hüne aus, kämpfte sich über Spiele in der zweiten Mannschaft wieder an die Bundesligamannschaft heran. Gegen Hannover spielte er aber, als sei er nie vom Kirschbaum gefallen.

Doch nicht nur bei Nemec überwog der Frust, auch FCK-Kapitän Christian Tiffert haderte: "Immer nur ein Punkt ist zu wenig für den Aufwand, den wir betreiben." Nun muss sich die Mannschaft noch einmal zusammenreißen, am Mittwoch geht es in Berlin bei der Hertha um den Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale. Auch finanziell wäre ein Weiterkommen für die Lauterer wichtig, der FCK will seine Mannschaft in der Winterpause noch einmal verstärken.

Tobias Schächter