Köln - Zum ersten Mal haben die deutschen Schiedsrichter den Video-Assistenten unter simulierten Wettkampfbedingungen genutzt. Mit Blick auf die Umsetzung bei allen Bundesliga-Spielen ab der kommenden Saison 2017/18 wurden bei einer dreitägigen Schulung in Köln neue und wertvolle Erkenntnisse gesammelt.

Insgesamt konnten die Schiedsrichter den Videobeweis bei zwölf eigens organisierten Testspielen von Junioren-Mannschaften anwenden. Der jeweilige Schiedsrichter stand während der Partie in Funkkontakt mit einem Video-Assistenten im Cologne Broadcasting Center (CBC). Im dortigen Replay-Center konnte der Video-Assistent bei strittigen Spielszenen sämtliche Kamerabilder nutzen und ggf. eine Empfehlung für den Schiedsrichter aussprechen. Von den beteiligten Teams wurde während der Testspiele verlangt, solche strittigen Situationen in spielentscheidenden Momenten bewusst zu erzwingen.

Der sogenannte "Pre-Live-Test" stellte den nächsten Schritt auf dem Weg zum Einsatz des Video-Assistenten im Rahmen der insgesamt zweijährigen Testphase dar. Weitere dieser Testläufe, die vom für das weltweite Regelwerk zuständigen International Football Association Board (IFAB) vorgegeben werden, sind im März und im April geplant. DFL Deutsche Fußball Liga und Deutscher Fußball-Bund (DFB) treiben dieses Großprojekt gemeinsam voran und zeigten sich mit den gewonnenen Erkenntnissen sehr zufrieden.

DFL und DFB ziehen positives Fazit

"Nach den Pre-Live-Tests der vergangenen drei Tage können wir ein positives Zwischenfazit ziehen, die Unterstützung des Schiedsrichters durch den Video-Assistenten hat in der Praxis funktioniert", sagt Ansgar Schwenken, DFL- und DFB-Präsidiumsmitglied. "Mit den gewonnenen Erkenntnissen können wir die Tests nun noch konkreter fortführen. In Richtung des Einsatzes von Video-Assistenten zur kommenden Bundesliga-Saison liegen wir absolut im Zeitplan."

Mittels des Video-Assistenten soll die Zahl der offensichtlichen Fehlentscheidungen bei Torerzielung, Strafstoß, Platzverweis und Spielerverwechslung deutlich reduziert und somit für mehr Gerechtigkeit gesorgt werden. Bei den umfangreichen Tests in der laufenden Bundesliga-Saison wären bis einschließlich des 21. Spieltags von 59 solcher Fehler 45 durch den Video-Assistenten vermieden worden.

"Wir haben gesehen, dass die Bundesliga-Schiedsrichter bereits auf sehr hohem Niveau mit dem Video-Assistenten zusammenarbeiten", sagt Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident für Schiedsrichter und Qualifizierung. "Der Testlauf war für alle Beteiligten sehr sinnvoll, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und das System in den nächsten Wochen weiter zu optimieren. Ich bin sehr optimistisch, dass wir die Zahl der klaren Fehlentscheidungen deutlich reduzieren werden."