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Wolfsburg - Nach dem DFB-Pokal hat der VfL Wolfsburg nun auch den Supercup gewonnen und sich damit endgültig zum schärfsten Konkurrenten des FC Bayern München heraus kristallisiert. Auch wenn der Erfolg etwas glücklich und erst im Elfmeterschießen zustande kam, setzten die Wölfe erneut ein fettes Ausrufezeichen in Richtung München.

In dieser Saison ist vielleicht für die Wölfe sogar mehr drin als nur die Vizemeisterschaft? Kampfansagen gab es vom VfL jedoch noch nicht zu hören. Für den Sieg über den FC Bayern waren am Samstagabend übrigens nicht die üblichen Verdächtigen verantwortlich, sondern ein Aushilfstorwart und ein Stürmer auf Abwegen.

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Siegermentalität bei den Wölfen

Als der Wolfsburger Stürmer Nicklas Bendtner zusammen mit Neuzugang Max Kruse eingewechselt wurde, schimpfte Wolfsburgs Superstar Kevin de Bruyne wild gestikulierend an der Seitenlinie. Nicht weil er mit den Einwechslungen von Trainer Dieter Hecking nicht einverstanden war, sondern weil der Belgier zwanzig Minuten vor Schluss mit einem Einwurf in Tornähe das Spiel schnell machen wollte.

Diese Szene war exemplarisch für das neu gewonnene Selbstvertrauen des Vizemeisters und Pokalsiegers. Selbst in Rückstand liegend gegen die übermächtigen Bayern glauben die Wölfe noch an den Erfolg. Zu recht.

Trotz einer schwachen zweiten Halbzeit hielten die Wölfe das Spiel vor 30000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen-Arena offen. Eine Minute vor Schluss wurde sie dann belohnt. Joshua Guilavogui erkämpfte sich im Mittelfeld den Ball und spielte einen perfekten Pass auf die rechte Seite. Dort sprintete der schon völlig erschöpfte Kevin de Bruyne nochmal los. Der Belgier gewann das Laufduell gegen den schlecht postierten Münchener David Alaba und flankte mit letzter Kraft aber haargenau in die Mitte kurz vor dem Fünfmeterraum.

Matchwinner Bendtner hält den Ball flach

Dort war der eingewechselte Däne Nicklas Bendtner schneller am Ball als der deutsche Nationalspieler Jerome Boateng. Mit seinem Schuss aus kurzer Distanz ließ Bendtner Manuel Neuer im Tor der Bayern keine Abwehrchance. Ausgerechnet Bendtner. Der Däne, der bei den Wolfsburgern schon fast auf dem Abstellgleis stand, markierte den viel umjubelten Wolfsburger Treffer und rettete den VfL ins anschließende Elfmeterschießen. "Ich freue mich für Nicklas, denn er hat ein paar schwere Wochen hinter sich", so Teamkollege Ricardo Rodriguez.

Der Matchwinner stellte die tolle Moral seiner Mannschaft in den Vordergrund und war ehrlich: "Eigentlich hätten die Bayern aufgrund der Chancen zur Halbzeit schon in Führung liegen müssen. Wir hatten zwei gute Chancen durch de Bruyne in Halbzeit eins und durch Bas Dost in Halbzeit zwei. Trotzdem haben wir bis zum Ende an unsere Chance geglaubt, das war das Entscheidende."

Auch im Elfmeterschießen übernahm Bendtner Verantwortung und traf zum alles entscheidenden 6:5 gegen Manuel Neuer. Vor seiner Einwechslung hatte ihn sein Trainer lediglich mit auf den Weg gegeben "ein Tor zu schießen und vorne den Ball zu halten", das habe er dann gemacht, grinste Bendtner.

Casteels mit Kickbox-Training zum Erfolg

Dass der Däne mit seinem verwandelten Elfmeter den Schlusspunkt setzen durfte, hatte er aber vor allem seinem Torwart Koen Casteels zu verdanken. Der belgische Keeper in Reihen der Wölfe parierte den Elfmeter von Bayerns Xabi Alonso mit einer spektakulären Fußabwehr, die auch einem Kickboxer zu Ehren gereicht hätte. „Wir haben mal vor ein paar Jahren in Hoffenheim mit allen Torhütern Kickbox-Unterricht gehabt. Da habe ich etwas mitgenommen in Sachen Aggressivität und Reaktionsschnelligkeit“, so Casteels, der den verletzten Diego Benaglio vertrat.

Erst am Samstagmorgen hatte er vom Trainer erfahren, dass er spielen wird. Trotz seiner guten Leistung stellt er die Torwart-Hierarchie beim VfL noch nicht in Frage: "Diego hat schon einen Bonus. Er hat in den letzten Saison sehr gut gehalten und schon viel mit dem VfL gewonnen. Ich kann nur versuchen gut zu trainieren und mich anzubieten. Mal sehen, wir haben in dieser Saison ja viele Spiele." Ein Jobsharing à la FC Barcelona, wo der Deutsche Marc-Andre ter Stegen sich die Einsätze mit seinem Kontrahenten Claudio Bravo teilte, findet Casteels übrigens nicht nachahmenswert.

Da sein, wenn die Bayern patzen

Trotz des erneuten Sieges gegen die Bayern bleiben die Wölfe allerdings auf dem Teppich und verkniffen sich Kampfansagen. "Es ist schwer sich mit den Bayern zu vergleichen. Fast keine Mannschaft in der Welt kann das. Sie haben so viele Titel gewonnen und so eine klasse Mannschaft. Sie sind auch in diesem Jahr wieder der Topfavorit", so Matchwinner Bendtner, der jedoch  unterstrich, dass der VfL ein ernstzunehmender Konkurrent für die Bayern ist. "Wir müssen von Spiel zu Spiel denken, aber wenn die Bayern patzen, wollen wir versuchen da zu sein. Es ist schön zu wissen, dass man schon zu Beginn der Saison mit den Bayern mithalten kann." Etwas offensiver formulierte es Rechtsverteidiger Rodriguez: "Wir haben jetzt schon einen Titel in dieser Saison gewonnen. Es soll wahrlich nicht der letzte sein."

Am kommenden Wochenende steht für den neuen Supercup-Sieger erst einmal die erste Runde des DFB-Pokals auf dem Programm. Der amtierende Pokalsieger beginnt die Mission Titelverteidigung beim Drittligisten Stuttgarter Kickers.

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage