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Stuttgart/Hannover - Für den VfB Stuttgart geht es um wichtige Punkte im Abstiegskampf, Trainer Jens Keller steht unter Druck. Die krisengeplagten Schwaben brauchen am Freitag beim Überraschungsteam Hannover 96 (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) dringend einen "Dreier".

Viel hat sich an der Tabellensituation ja nicht geändert bei den ambitionierten Schwaben, seit Keller am 13. Oktober das Traineramt von Christian Gross übernommen hat. Platz 18 belegte der Club nach der Ablösung des Schweizers, Platz 16 ist es jetzt. Die letzten fünf Spiele blieben sieglos. Die Abstiegsgefahr ist nach wie vor groß, die internationalen Ränge meilenweit entfernt.

Trotz einiger Ausfälle "unbedingt gewinnen"

"Es gehört dazu, dass bei unserer derzeitigen Tabellensituation Unruhe aufkommt, aber das kann ich nicht beeinflussen, deshalb beschäftige ich mich auch nicht damit. Für mich zählt nur das Spiel am Freitag, darauf bin ich voll konzentriert. Ich will das Spiel unbedingt gewinnen, und darauf stelle ich die Mannschaft ein. Wir werden das Glück erzwingen", so Keller.

Verzichten muss er dabei auf Serdar Tasci (muskuläre Probleme), Khalid Boulahrouz (Aufbautraining nach Muskelfaserriss), Daniel Didavi (Aufbautraining nach Muskelfaserriss), Ciprian Marica (rotgesperrt) und Stefano Celozzi (Aufbautraining nach Muskelfaserriss). Arthur Boka konnte dahingegen am Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainieren und soll zum Kader gegen die Niedersachen gehören. Auch Johan Audel trainierte nach seiner Sprunggelenks-Operation in dieser Woche erstmals wieder komplett mit den Kollegen.

"Die Mannschaft lebt"

Für den Gegner hat Keller viel Lob übrig: "Die 96er spielen eine überragende Saison bisher, das hätte vorher keiner erwartet. Sie spielen guten Fußball, stehen kompakt und leben von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit." Im VfB-Training wurden zuletzt härtere Bandagen angelegt: Die Spieler schenkten sich keinen Zentimeter, jeder Zweikampf wurde angenommen - Diskussionen inklusive.

"Wenn ich sehe, wie die Mannschaft zurzeit trainiert, dann bin ich überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen und die drei Punkte mit nach Stuttgart nehmen werden. Die Spieler sind aggressiv, entschlossen und voll dabei, da fliegen auch mal die Fetzen. Aber das zeigt mir, dass die Mannschaft lebt", sagt Keller.

Leise Träume ín Hannover

Dies muss Hannovers Trainer Mirko Slomka nicht extra betonen. Sein Team kann mit einem weiteren "Dreier" den bisherigen Clubrekord von fünf Siegen in Serie aus der Saison 2004/05 einstellen und bis Samstag sogar auf Platz 2 klettern. Selbst Träume vom internationalen Geschäft sind inzwischen bei den Niedersachsen erlaubt.

"Ich habe kein Problem damit - wenn die Spieler die Leistungen bringen, die sie nach Europa führen", meinte Slomka. Und Torwart Florian Fromlowitz ergänzte: "Es gibt viele Spieler, die leise anfangen, daran zu denken. Wir haben uns eine tolle Position erarbeitet. Aber wir wollen realistisch bleiben."

Die Schwaben-Schwäche ausnutzen

Slomka kann die "kuriose Situation" beim VfB momentan nur sehr "schwer einschätzen", denn: Stuttgart hat die viertbeste Offensive der Liga und steht dennoch auf einem Abstiegsplatz. Der 96-Trainer weiß um die "große Offensivstärke" der Schwaben: "Mit Cacau und Martin Harnik hat der VfB sehr gute Stürmer. Hinzu kommen die torgefährlichen Mittelfeldspieler Zdravko Kuzmanovic, Christian Träsch und Timo Gebhart." Dennoch kennt der 96-Coach auch die Schwachstelle des nächsten Gegners: "In der Defensive hat Stuttgart offensichtlich seine Probleme. Der VfB hat eigentlich eine große Stärke in der Mannschaft, aber es passt nicht immer alles zusammen. Hoffentlich bleibt das auch am Freitag so."

Mit Mohammed Abdellaoue und Carlitos sind diese Woche wieder zwei bekannte Gesichter ins Training eingestiegen, beide absolvieren ein Aufbautraining. Personelle Sorgen bei den "Roten" resultieren aus Muskelproblemen einiger Spieler. So klagte Sergio Pinto über leichte Schmerzen im Oberschenkel, auch Konstantin Rausch kämpft damit und trainierte deswegen kurzfristig nicht mit der Mannschaft. DaMarcus Beasley klagt zudem über eine Muskelverhärtung. "Sein Einsatz gegen Stuttgart ist stark gefährdet", bestätigte Slomka. Karim Haggui pausiert wegen seiner Rotsperre ohnehin weiterhin.