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Bremen - "Man kann auch aus einer Niederlage etwas Positives mitnehmen und darauf aufbauen. Aber dabei kommt es auf die Art und Weise an, wie die Niederlage zustandegekommen ist", hatte Hamburgs U23-Coach Rodolfo Esteban Cardoso in einem Interview mit bundesliga.de nach der Verpflichtung von Bruno Labbadia gesagt.

Das 0:1 im 102. Nord-Derby beim SV Werder Bremen war für den Hamburger SV so eine Niederlage. Mit vielen Einzelgesprächen hatte Labbadia versucht, im Kurz-Trainingslager von Rotenburg/Wümme die nach vier Niederlagen und dem Absturz auf Rang 18 völlig verunsicherte Mannschaft wieder aufzubauen. Mit Erfolg!

Labbadia stärkt die Defensive

Mit einem flexiblen 4-4-1-1-System unterband Labbadia die Bremer Angriffe über weite Strecken. Der HSV ließ keine Chancen zu. "Der HSV hat uns mit seiner Defensivtaktik das Leben schwer gemacht. Gegen die doppelte Viererkette konnte wir kaum Chancen herausspielen", lobte sogar Werder-Trainer Viktor Skripnik.

Es dauerte 62 Minute bis René Adler erstmals sein Können unter Beweis stellen konnte. Bei einem Distanzschuss von Franco Di Santo war der HSV-Keeper ebenso auf dem Posten wie bei den Schüssen von Davie Selke aus spitzem Winkel (73.) und Uwe-Seeler-Enkel Levin Öztunali (80.) aus 17 Metern.

Mehr Chancen ließen die Gäste, die durch Zoltan Stieber ihrerseits die größte Chance des Spiels hatten, nicht zu. In der 28. Minute verfehlte der Ungar das Tor nur knapp. "Das war eine hundertprozentige Chance", ärgerte sich Ivica Olic über die ausgelassene Chance.

"80 Minuten das Spiel im Griff"

Ansonsten war der Ex-Wolfsburger zufrieden mit dem Auftreten der Mannschaft. "Wir hatten 80 Minuten das Spiel im Griff und müssen zumindest einen Punkt mitnehmen. Selbst Werder war doch mit dem Punkt zufrieden."  Doch ein Foul von Valon Behrami an Zlatko Junuzovic in der 83. Minute brachte die Hamburger um den verdienten Lohn. Di Santo verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt und versetzte dem Tabellen-Letzten den K.o.

So blickte man nach dem Spiel zwar wieder in traurige HSV-Gesichter, aber keiner ließ den Kopf hängen. "Wir haben gut gespielt. Das macht Hoffnung", so der Unglücksrabe Behrami, der nach seinem Foul von Schiedsrichter Wolfgang Stark die Rote Karte gezeigt bekam und zumindest am kommenden Samstag zuschauen muss. "Jetzt haben wir noch fünf Spiele, aber die Leistung, die wir bis zum Elfmeter gezeigt haben, macht mir Mut und Hoffnung, dass wir es schaffen werden. Darauf können wir aufbauen. Ich glaube daran, dass wir am Ende die Klasse halten werden." 

"Wir sind als Team aufgetreten und haben gezeigt, dass wir was reißen können", war auch Adler zufrieden. "Jetzt brauchen wir aber auch einmal ein bisschen Glück." Auch den HSV-Fans, die die Spieler nach dem 0:2 gegen Wolfsburg noch heftig kritisiert hatten, ist der Fortschritt nicht entgangen. Mit Applaus verabschiedeten sie die Spieler in die Kabine. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", brachte HSV-Ikone Uwe Seeler die Stimmung nach dem Spiel in Bremen auf den Punkt.

"Große Enttäuschung"

"Das Ergebnis ist eine große Enttäuschung  - vor allem, wie diese Niederlage zustande gekommen ist", so Labbadia. "In der ersten Halbzeit sind wir phasenweise so aufgetreten, wie wir es uns vorgenommen haben", war der Coach zufrieden und blickte sofort nach vorn. "Wir dürfen uns mit diesem Spiel jetzt nicht lange aufhalten.Wir haben keine Zeit, um zu hadern. Jetzt muss ich die Mannschaft wieder aufbauen."

Viel Zeit hat der 49-Jährige nicht. Noch fünf Spiele bleiben den Hamburgern, um den ersten Abstieg ihrer Bundesliga-Geschichte zu vermeiden. Dass das allein mit starken Defensiv-Leistungen nicht zu schaffen ist, ist Labbadia klar. "Es hat gefehlt, dass wir offensiv die richtigen Entscheidungen treffen. Auch daran müssen wir arbeiten", so der ehemalige Stürmer.

Seit 586 Minuten hat der HSV kein Tor mehr erzielt. Eine Serie, die nicht nur laut Westermann schleunigst beendet werden sollte. "Jetzt sind es noch fünf Spiele, das nächste gegen Augsburg, da müssen wir dreifach punkten", fordert der 32-Jährige.
"Dafür werde ich mir etwas einfallen lassen", verspricht Labbadia, der neben Behrami auch Lewis Holtby erstzen muss. Der 24-Jährige sah in Bremen seine fünfte Gelbe Karte und muss ein Spiel aussetzen.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs