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Die ersten Bundesligaspiele sind etwas ganz Besonderes im Leben eines Jungprofis. Tage, die lange in Erinnerung bleiben.

Herthas Nachwuchstorhüter Sascha Burchert wird bestenfalls mit gemischten Gefühlen an seine ersten beiden Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse zurückdenken.

Chance für den Torwart-Nachwuchs

Bei seinem Debüt gegen Freiburg am 6. Spieltag musste er vier Mal hinter sich greifen, bei seinem zweiten Auftritt am 8. Spieltag gegen den HSV riskierte er zwei Mal mit spektakulären Flugkopfbällen Kopf und Kragen und wurde durch zwei Weitschuss-Gegentreffer bestraft.

Der 19-Jährige, eigentlich nur Nummer 3 im Kader der Berliner, kam zum Zug, weil Stammtorhüter Jaroslav Drobny und dessen Ersatz Timo Ochs verletzt ausfielen. Hamburgs Keeper Frank Rost und Burcherts Teamkollege Drobny nahmen den Youngster anschließend in Schutz.

"Gute Leute stecken so ein Spiel und die Kritik weg", sagt Toni Schumacher bei bundesliga.de. Der Europameister von 1980 war nach seiner aktiven Zeit viele Jahre als Torwarttrainer beim FC Bayern und Borussia Dortmund tätig.

Burchert ist einer von ungewöhnlich vielen Ersatzkeepern, die sich in dieser Saison bereits in der Bundesliga beweisen durften. Ursache ist das Verletzungspech der Etablierten.

Vielzahl verletzter Stammkeeper

Beim SC Freiburg hütete in den ersten drei Saisonspielen der 24-jährige Manuel Salz statt des verletzten Simon Pouplin das Gehäuse. In Bochum vertritt der 22-jährige Andreas Luthe derzeit den verletzten Philipp Heerwagen.

Bei Hannover steht der 23-jährige Florian Fromlowitz, der allerdings schon Bundesliga-Erfahrung hatte, seit dem 5. Spieltag für den erkrankten Nationalkeeper Robert Enke zwischen den Pfosten.

In Gladbach stand der 28-jährige Christofer Heimeroth statt der verletzten, etatmäßigen Nummer 1, Logan Bailly - mit 23 Jahren der Jüngere der beiden - bis zum fünften Spieltag im Tor. Und bei Mainz 05 waren mit Dimo Wache, Heinz Müller und Christian Wetklo zeitweise sogar alle drei Torhüter angeschlagen.

"Wenn 60.000 im Stadion sitzen und schreien..."

Eine Vielzahl an Bundesligatrainern war also gezwungen, auf die "zweite Garde" oder gar "dritte Garde" zu vertrauen. Geht es nach Schumacher, dann liegt die Problematik in so einer Situation meist nicht in der Qualität der Ersatzmänner.

"Sie sind alle gut ausgebildet", sagt Schumacher. "Aber was man nicht trainieren kann", erklärt der ehemalige Nationalkeeper, "ist die Situation, wenn 60.000 Zuschauer im Stadion sitzen und schreien. Da geht es um Erfahrung. Das ist es, was die jungen Torhüter lernen müssen oder versuchen müssen, auszuschalten."

"Einfach halten wie im Training"

Doch was kann man als erfahrener Torwarttrainer einem Nachwuchskeeper in so einer Situation mit auf den Weg geben?

"Im Vorhinein sagt man dem Spieler, dass er nichts Besonderes machen soll, einfach halten wie im Training", sagt Schumacher. Schließlich sei die Situation ohnehin von vorneherein entschieden. "Wenn man einem jungen Torwart nicht vertrauen würde", betont der 55-Jährige, "dann dürfte er schon gar nicht Ersatzkeeper sein."

Andreas Messmer