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Von den Motivationskünsten Felix Magaths gibt es keine frei zugänglichen Ton-, Video- oder sonstige Beweise. Doch der Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer des VFL Wolfsburg versteht es offenbar wie kein Zweiter, seiner Mannschaft den "Marsch zu blasen".

In der Partie gegen den VfB Stuttgart am 14. Spieltag lagen die "Wölfe" zum fünften Mal im Jahr 2008 mit 0:1 zur Pause zurück. Martin Lanig hatte den VfB nach 17 Minuten etwas glücklich in Führung gebracht.

Zwei "Doppelpacks"

Und wie die vier Male zuvor standen auch gegen Stuttgart am Ende drei Punkte auf der Habenseite der Niedersachsen. Gegen den VfB drehte der VfL dank der Tore seiner beiden Stürmer Grafite (51./76.) und Edin Dzeko (79./85.) die Partie, feierte mit dem 4:1 über die Schwaben den fünften Erfolg in der heimischen Volkswagen Arena in Serie und "verantwortete" damit am Ende wohl auch ungewollt die Entlassung von VfB-Coach Armin Veh.

Offenbar war der Wolfsburger Trainer nach dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer noch etwas übermotiviert, fand er im Kabinengang doch Worte für den Unparteiischen, die diesen veranlassten, Magath für die zweite Halbzeit auf die Tribüne zu verbannen.

"Weder Wortwahl noch Tonstärke waren dazu angetan, dass ich ihn noch weiter auf der Bank sitzen lassen wollte", fand Dr. Fleischer blumige Worte für Magaths Ausfall.

Magath in Durchgang zwei auf der Pressetribüne

Dabei war der VfL auch in der ersten Halbzeit die überlegene Mannschaft. "Ich denke, dass wir schon in der ersten Hälfte besser waren. Stuttgart hatte eine Chance und daraus das Tor gemacht. Wir haben unsere Gelegenheiten dagegen vor der Pause nicht genutzt", sagte VfL-Spielmacher Zvjezdan Misimovic.

Grafite, der inzwischen elf Tore bei elf Einsätzen verbuchen kann, räumte allerdings ein: " Wir haben Stuttgart in den ersten 45 Minuten zu viel Platz gelassen."

Es folgte die Halbzeitansprache Magaths, der die zweite Hälfte auf der Pressetribüne verfolgte. "Ich habe mir die Partie von da oben angesehen, hatte aus dieser Perspektive einen sehr guten Überblick und habe mich am Spiel meiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit erfreut", kommentierte Magath seinen besonderen Beobachterplatz süffisant.

Überragender Misimovic

Den Aktionen seiner Mannschaft auf dem Spielfeld tat seine Abwesenheit jedoch offensichtlich keinen Abbruch. Angetrieben vom überragenden Misimovic, der neben zwei Torvorlagen auch die meisten Ballkontakte (77) und die meisten Torschussvorlagen (4) verantwortlich zeichnete, brannten die "Wölfe" in Durchgang zwei ein Feuerwerk ab und gewannen zuhause wie schon gegen Hamburg, Bielefeld, Gladbach und Cottbus mit drei Toren Differenz.

Getrübt wird die Wolfsburger Freude lediglich beim Blick auf die magere Auswärtsbilanz. Erst drei Zähler fuhren die "Wölfe" auf fremden Plätzen ein, was eine bessere Platzierung als den derzeitigen 8. Tang verhindert. Schon am Donnerstag bietet sich allerdings die Chance, im UEFA-Pokal-Auswärtsspiel beim SC Braga, die Bilanz auf fremden Plätzen aufzubessern.

Stuttgart mit Babbel gegen Genua

Auch der VfB Stuttgart ist am Donnerstag bei Sampdoria Genua im UEFA-Cup im Einsatz. Doch momentan richtet sich die Konzentration beim Meister von 2007 auf ganz andere - wesentlichere - Dinge. "Wir haben im Moment eine schwierige Phase, aber das Potenzial ist vorhanden. Es liegt nun an mir und dem Trainerteam, das Ruder herumzureißen", erklärte Vehs Nachfolger Markus Babbel am Sonntagmittag auf der Pressekonferenz.

"Es gilt, den Ballast und die Blockade der Spieler beiseite zu schaffen. Wir müssen die Köpfe frei bekommen, denn es geht wieder bei Null los. Ich kenne die Mannschaft gut und weiß, dass sie charakterlich in Ordnung ist. Ich werde in den nächsten Tagen sicher viel mit den Spielern reden, um zu sehen, wo ihre Probleme liegen. Entscheidend ist, dass wir wieder über die mannschaftliche Geschlossenheit zurück zum Erfolg kommen. Der Glaube und Wille, Spiele zu gewinnen, muss zurückkehren. Und ich bin davon überzeugt, dass uns das auch gelingen wird", so Babbel.

Hitzlsperger: "So schnell wie möglich unten rauskommen"

Auch VfB-Kapitän stieß ins gleiche Horn. "Wir müssen jetzt nach vorne schauen und so schnell wie möglich Punkte sammeln, um da unten herauszukommen", sagte Thomas Hitzlsperger. Angesichts der nächsten drei Bundesliga-Gegner FC Schalke 04, Energie Cottbus und FC Bayern München ein nicht gerade leichtes Unterfangen...

Denis Huber