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Vor dem letzten Hinrundenspiel hätte Bayer Leverkusen theoretisch noch Herbstmeister werden können. Nach dem 1:1 gegen Energie Cottbus rutschte der Werksclub allerdings auf Platz 5 der Tabelle ab.

Entsprechend groß war die Enttäuschung in Leverkusen. Im Gespräch mit bundesliga.de nennt Bayer-Kapitän Simon Rolfes die Gründe für das Remis. Außerdem zieht der Mittelfeldspieler ein Fazit der Vorrunde und blickt auf den bevorstehenden Umzug in die LTU-Arena in Düsseldorf.

bundesliga.de: Bayer hat beim 1:1 gegen Cottbus in der Nachspielzeit noch den Sieg abgegeben und zwei wichtige Punkte verloren. Woran hat es gelegen?

Simon Rolfes: Wir hätten gegen Cottbus gewinnen müssen, wir waren klar besser. Gegen Cottbus ist klar, dass es eine Geduldsfrage wird, wenn man kein schnelles Tor macht. Das Tor haben wir ein bisschen erzwungen, indem wir nachgesetzt und immer wieder Nachschüsse abgegeben haben. Dann fiel mir der Ball vor die Nase, und ich habe ihn reingemacht. Dann musst du das Spiel einfach nach Hause fahren. Das erste Tor ist das Schwierigste. In den letzten Minuten haben wir einfach zu viele Bälle weggeschlagen, waren nicht konsequent und haben keine Ruhe ins Spiel bekommen. In anderen Situationen müssen wir die Stürmer besser anspielen.

bundesliga.de: Unabhängig von der Enttäuschung dieses Spiels. Wie bewerten Sie die Hinrunde insgesamt?

Rolfes: Wir haben nach der Vorrunde immer noch alle Möglichkeiten offen. Das war in den letzten Jahren nicht so. Wir haben eine gute Vorrunde gespielt, aber einige Punkte liegen gelassen.

bundesliga.de: An welche Spiele denken Sie dabei?

Rolfes: Gegen Cottbus (1:1), in Karlsruhe (3:3), in Bielefeld (1:2), gegen Hertha (0:1). In den vier Spielen waren die Punktverluste völlig unnötig. Dagegen steht eigentlich nur das Bochum-Spiel (3:2), in dem wir ein bisschen Glück hatten. Aber es nützt ja nichts.

bundesliga.de: Fehlt der Bayer-Truppe die Erfahrung und Cleverness?

Rolfes: Klar fehlt uns die Cleverness. Wir dürfen nach einer Führung nicht aufhören, Fußball zu spielen. Wir müsen uns weiter bewegen und trotzdem ruhig spielen. Das eine schließt das andere nicht aus. Wir müssen ruhig spielen und trotzdem aktiv bleiben, uns bewegen und den Ball in den eigenen Reihen halten. Das fehlt uns manchmal. Dann schalten wir zu sehr runter, spielen ruhig, aber bewegen uns nicht mehr. So kommen wir häufig in Bedrängnis und müssen den Ball wegschlagen.

bundesliga.de: Es gibt immer wieder Wechselgerüchte, beispielsweise um Stürmer Theofanis Gekas. Reicht das Personal für die Rückrunde?

Rolfes: Uns war schon zu Saisonbeginn klar, dass wir in diesem Jahr einen engeren Kader haben. Aber wir können das auch verkraften, weil wir keine internationale Belastung haben. Wir dürfen nicht allzu viele Verletzte bekommen. Aber unser Kader ist in der Lage, die Rückrunde komplett auf einem hohen Niveau durchzuspielen. Das ist kein Vergleich zum letzten Jahr.

bundesliga.de: Was muss in der Vorbereitung auf die Rückrunde vor allem beachtet werden?

Rolfes: Wir haben genügend gute Ansätze gehabt. Daran ändert auch das Cottbus-Spiel nichts. Auch da haben wir, auch wenn die Zuschauer unruhig wurden, auf das Tempo gedrückt und versucht, unbedingt das Tor zu schießen. Das ist ein guter Ansatz. Aber es gab auch Spiele, wie das in Karlsruhe, in denen wir Potenzial nach oben haben.

bundesliga.de: In der Rückrunde steht der Umzug nach Düsseldorf an. Was erwarten Sie von den Spielen in der LTU-Arena?

Rolfes: Ich habe schon mit der Nationalmannschaft in Düsseldorf trainiert und ein paar Spiele im Liga-Pokal gespielt. Das ist ein schönes Stadion, sehr groß, schön eng. Da kommt es darauf an, wie wir das mit Leben füllen. Es kann auch eine wunderbare Abwechslung sein.

bundesliga.de: Ist das Stadion für die Bayer-Verhältnisse mit seiner Kapazität von 50.000 Plätzen zu groß?

Rolfes: Ich habe das ja schon erlebt, als ich mit Aachen in Köln UEFA-Cup gespielt habe. Da haben 30.000 Zuschauer in dem großen Stadion trotzdem für eine bombastische Stimmung gesorgt. Es kommt darauf an, wie wir es angehen. Ich weiß aus der Erfahrung mit Aachen, als wir gegen Topmannschaften wie den französischen Tabellen-Zweiten Lille gewonnen haben, dass wir als Team und die Fans die "Auswärtsfahrten" nach Köln am Ende geil fanden. Der Umzug muss also kein Nachteil sein.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski