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Werder Bremen hat nach dem frühzeitigen Champions-League-Aus die angemessene Reaktion gezeigt. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt schossen sich die "Grün-Weißen" den Frust von der Seele, fegten die Hessen mit 5:0 aus dem Weser-Stadion.

Balsam für die zuletzt viel gescholtene Werder-Seele, doch statt überzogener Euphorie wird in Bremen wieder einmal der Ruf nach Konstanz laut: "Die Ausschläge sind leider in beide Richtungen da. Wir dürfen in den Ergebnissen aber nicht so hin und her springen. Das müssen wir erreichen", betont Cheftrainer Thomas Schaaf.

Werder auf Berg- und Talfahrt

Das Auf und Ab der Werder-Ergebnisse mutet in der Tat merkwürdig an. Siegen in München (5:2), gegen Berlin (5:1) oder wie zuletzt gegen Frankfurt stehen Niederlagen wie das 2:3 in Gladbach oder auch ein 1:4 in Stuttgart gegenüber.

"Das Spiel gegen Frankfurt war wunderbar, aber es stellt sich natürlich die Frage, wie dauerhaft wir das abrufen können. An der Konstanz müssen wir unbedingt arbeiten", fordert Sportdirektor Klaus Allofs.

Claudio Pizarro suchte ebenfalls nach Erklärungen: "Diese Schwankungen sind schwer zu begründen. Das ist bei Werder ja schon fast ganz normal. Wir haben viele Spiele hoch gewonnen und dann aber auch wieder Spiele blöd verloren. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass das nicht wieder passiert. Ich bin optimistisch, dass es klappt."

Pizarro als Garant des Erfolgs

Optimismus darf der Stürmer nicht zuletzt aus seinen eigenen Leistungen schöpfen. Gegen Frankfurt erzielte Pizarro drei Tore, brachte Werder mit seinem ersten Treffer auf die Siegerstraße.

"Wir wissen, dass er überragende Fähigkeiten hat. Er hat mal wieder eindrucksvoll bewiesen, was für ein großartiger Fußballer er ist", lobt Schaaf seinen Schützling. "Eine frühe Führung gibt Sicherheit, dann fallen viele Dinge leichter. Wir konnten dann viel befreiter aufspielen", macht auch Allofs den Angreifer indirekt als Garant des Erfolgs aus.

Werder auf Wiedergutmachungstour?

Werder agierte im Spiel gegen Frankfurt tatsächlich überraschend selbstsicher, spielfreudig und zielstrebig und überzeugte mit einem hohen Maß an Effektivität. Das war nach den durchwachsenen Leistungen der vergangenen Wochen so nicht unbedingt zu erwarten.

Doch Bremen drehte mächtig auf und auch die Zuschauer hielt es im Weser-Stadion nicht mehr auf den Sitzen. Das 3:0 feierten die Anhänger der "Grün-Weißen" mit einer Laola-Welle. Werders Wiedergutmachungstour ist geglückt könnte man meinen, doch Schaaf tritt auf die Euphoriebremse: "Ich denke nicht, dass die Lage nach dem Sieg gegen Frankfurt entspannter ist. Wir brauchen mehrere Siege dieser Art, erst dann wird sich das Umfeld beruhigen."

"Schlimm ist nur, dass bald Winterpause ist"

Zwei Bundesligaspiele bleiben den Norddeutschen noch vor der Winterpause, um dieses Vorhaben umzusetzen. Am 16. Spieltag reisen die Bremer nach Karlsruhe, wo sie die geforderte Konstanz freilich mit drei Punkten belegen wollen.

"Ich habe keine Bedenken, dass der Sieg gegen Frankfurt ein Strohfeuer war. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft jetzt körperlich besser drauf ist. Schlimm ist nur, dass bald Winterpause ist", sagt Allofs und vermittelt so den Eindruck, nur noch der Spielplan könne Werders Stabilitätspläne vereiteln. Vorerst hat der KSC aber noch ein Wörtchen mitzureden. "Karlsruhe steckt unten drin. Sie werden alles geben, denn sie brauchen die Punkte unbedingt", erwartet Naldo eine schwere Aufgabe.

Doch der brasilianische Innenverteidiger hofft, dass Werder den Schwung aus der Partie gegen die Eintracht aufrechterhalten kann: "Wenn wir so spielen wie gegen Frankfurt, werden wir auch in Karlsruhe gewinnen." Mit einem Sieg beim KSC könnten die Bremer der selbst auferlegten Forderung nach Konstanz zumindest vorübergehend gerecht werden.

Aus Bremen berichtet Timo Strömer