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Keine Siegerpose wie bei Oliver Kahn, keine Jubelarie wie bei Jens Lehmann: Als der Schweizer Schiedsrichter Massimo Busacca mit einem lauten Pfiff das Spiel im Luschniki-Stadion von Moskau beendet hatte, wirkte Rene Adler zwischen den Pfosten des deutschen Tores wie versteinert.

"Ich habe gar nicht mitbekommen, dass Schluss ist und gedacht, es gäbe Freistoß gegen uns. Da habe ich mich noch einmal total konzentriert. Erst viel später habe ich realisiert, dass wir in Südafrika dabei sind", sagte der Schlussmann nach seiner Weltklasse-Leistung beim 1:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft in Russland.

"Er war einfach überragend"

"Er hat uns beim Stand von 0:0 mit einer sensationellen Parade im Spiel gehalten", lobte Kapitän Michael Ballack den Torhüter von Bayer Leverkusen, der bereits bei seinem Debüt in der Nationalelf vor einem Jahr im Hinspiel gegen die "Sbornaja" (2:1) in Dortmund einen glänzenden Auftritt hingelegt hatte.

"Er war einfach überragend", urteilte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, der Adler mit Blick auf den Konkurrenzkampf um die Nummer eins "weitere Pluspunkte" bescheinigte. Von einer Vorentscheidung im Torwart-Vierkampf zwischen Adler, dem von seiner Viruserkrankung zurückgeworfenen Robert Enke, Manuel Neuer und Tim Wiese wollte Köpke aber noch nichts wissen: "Das werden wir in Ruhe entscheiden."

"Einfach nur den Moment genießen"

Auch Adler wollte dieses Thema nach seinem siebten Länderspiel nicht hochkochen. "Ich will einfach nur den Moment genießen, denn das war das emotionalste Spiel meiner Karriere. Dass es für mich persönlich so gut lief, macht mich glücklich. Ich habe mir nicht den Kopf über die Rangfolge im Tor zerbrochen, ich wollte nur meinen Teil zum Sieg beitragen", sagte der 24-Jährige.

Und das hatte er mit seinen Paraden gegen Wladimir Bystrow vor der Pause und zwei Mal gegen Russlands starken Kapitän Andrej Arschawin nach dem Seitenwechsel vorzüglich gemacht.

Lob vom Chef

"Man muss ihm ein Kompliment aussprechen. Er hat in zwei, drei Szenen glänzend reagiert und die nötige Sicherheit ausgestrahlt, Rene macht einen stabilen Eindruck", lobte auch Bundestrainer Joachim Löw den Torwart, der bei der EURO 2008 überraschend als Nummer drei mitgefahren war.

In Moskau spielte der gebürtige Leipziger aber nur, weil Enke das Match unfreiwillig auf der Couch verfolgen musste. "Das tut mir leid für Robert, aber ich denke, dass er sich über meine Leistung gefreut hat", sagte Adler, der sich stetig verbessern will.

"Um auf diesem Niveau weitere Fortschritte zu machen, muss man auch neue Wege gehen. Deshalb suche ich oft das Gespräch mit unserem Mentaltrainer Hans-Dieter Hermann. Ebenso lese ich viele Bücher, die sich mit Psychologie beschäftigen. Das hilft mir, in den entscheidenden Situationen noch ruhiger zu werden", berichtete Adler. In Moskau bedurfte es dafür keiner weiteren Beweise.