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Sinsheim - Am Freitag steht die TSG Hoffenheim vor einem wegweisenden Spiel in Mainz. Um dort zu bestehen, muss die Gisdol-Elf besser verteidigen als beim 3:3 gegen Freiburg.

Als alles vorbei war, lagen sich die Hoffenheimer Spieler in den Armen, während die Freiburger ermattet zu Boden sanken. Das 3:3 mit dem Last-Minute-Tor von Jannick Vestergaard fühlte sich aus Hoffenheimer Sicht wie ein Sieg an - schließlich hatten die Kraichgauer einen 0:2-Rückstand gedreht und im zweiten Durchgang eine Leistung gezeigt, die an die guten bis hervorragenden Auftritte im bisherigen Saisonverlauf zumindest herankam.

Blick geht nach vorne

Und dennoch hatte man den Eindruck, dass der Blick der Verantwortlichen schon unmittelbar nach dem zweiten 3:3 gegen den SC binnen eines Jahres - am 24. Augst 2013 trennte man sich mit dem gleichen Ergebnis - nach vorne ging. Schon am Freitag muss die TSG schließlich zum schweren Spiel zu einer Mainzer Mannschaft, die sich seit Wochen im Aufwind befindet. Es spricht für die Einstellung der Spieler, dass sie sich nach dem verdienten, aber glücklichen zustande gekommenen Remis nicht selbst feierten, sondern klar ansprachen, was im Hinblick auf das Mainz-Spiel zu verbessern ist.

„Die Gegentore hätten wir heute verhindern können, sie sind allesamt durch individuelle Fehler entstanden“, ärgerte sich der "Mann des Tages“ Vestergaard, der auf der für ihn ungewohnten Sechser-Position randurfte und dort neben guten Szenen auch die ein oder andere Unsicherheit zeigte.

Während Niklas Süle den "Spielaufbau im ersten Durchgang“ monierte, hieb Kevin Volland in die gleiche Kerbe wie Vestergaard: "Alle Gegentore sind durch individuelle Fehlerentstanden. Wir hatten zu viele schlampige Situationen.“ Dabei nahm sich Volland von der Kritik nicht aus, ganz im Gegenteil. Dass er den ersten Treffer von Mike Frantz mit einem Fehlpass eingeleitet hatte, wurmte den Angreifer noch weit nach Schlusspfiff: "Das erste Gegentor entstand durch einen dummen Fehler von mir, das darf mir nicht passieren.“

Überwunden geglaubte Defensivschwächen

Die Selbstkritik der Akteure war allerdings auch angebracht, schließlich stellte das Resultat mit drei Gegentreffern vor heimischem Publikum einen Rückfall in vergangen geglaubte Zeiten dar: In Hoffenheim hören sie die Wendung vom "Spektakel“-Fußball ja nicht mehr so gerne. Verständlicherweise, schließlich haben die Blau-Weißen in den ersten vier Saisonspielen nur zwei Gegentreffer kassiert und damit nachgewiesen, dass sie die Balance aus Defensive und Offensive weit besser hinbekommen als noch in der vergangenen Saison. In Mainz will die Mannschaft von Markus Gisdol nun nachweisen, dass die positive Entwicklung im Defensivverhalten nachhaltig ist.

Das dürfte umso wichtiger sein, als die 05er in ihrem letzten Heimspiel gegen Dortmund gezeigt haben, dass sie nicht viele Chancen brauchen, um einen deutlichen Sieg zu landen. Zudem kommt es am Freitag zu einem wegweisenden Spiel zwischen zwei Mannschaften, die sich in vielerlei Hinsicht ähneln. In der Tabelle liegen beide Mannschaften exakt gleichauf, beide haben nach fünf Spielen neun Punkte auf dem Konto und haben dabei neun Treffer erzielt und fünf Gegentreffer hinnehmen müssen. Beide gelten als spielstarke, offensivfreudige Mannschaften, die taktisch variabel auftreten.

Christoph Ruf