Köln - Nach der 2:3-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach zittert der 1. FC Köln wieder um die Teilnahme am internationalen Geschäft in der kommenden Saison. Der Vorsprung auf die Fohlen ist von neun Punkten zu Beginn der Rückrunde auf nur noch einen zusammengeschmolzen. Im Endspurt sind nun starke Nerven gefragt.

>>>Alles zum Derby #KOEBMG im Matchcenter

Das mit großer Vorfreude erwartete rheinische Derby hielt, was es versprach. Vor stimmungsvoller Kulisse boten beide Mannschaften ein tolles Fußballspiel, in dem die Gäste die bessere Mannschaft waren, der FC aber mit beeindruckender Effizienz bestach. Aus ihren 26 Prozent Ballbesitz machten die Kölner eine Menge. Vor allem der erneut überragende Anthony Modeste glänzte als Vorbereiter des ersten und Vollstrecker des zweiten Treffers der Domstädter.

Modeste glänzt weiter

Unterm Strich war es aber zu wenig, weil sich die sonst so sattelfeste Kölner Defensive mehr Unaufmerksamkeiten erlaubte als gewohnt. Überhaupt strauchelt die Abwehr in den vergangenen Wochen, was 15 Gegentore in den letzten sieben Partien belegen. "Wir haben durch drei unglückliche Tore verloren. Die waren jetzt nicht überragend herausgespielt", haderte FC-Verteidiger Dominique Heintz. "Das war bitter, nachdem wir zweimal zurückgekommen sind. Gladbach hatte mehr Ballbesitz, wir haben gekämpft und versucht, das Beste daraus zu machen."

Das Beste war aber gegen eine bärenstarke Gladbacher Mannschaft in diesem 86. Rheinischen Derby der Bundesliga-Geschichte nicht gut genug. Nur in der Phase nach dem zweiten Kölner Ausgleichstreffer in der 58. Minute konnte die Elf von Peter Stöger für knapp 20 Minuten so etwas wie Druck auf das Tor der Borussia ausüben. "Wir waren drauf und dran, das Spiel zu drehen. Genau in diese Phase kriegen wir das 2:3 in der 80. Minute", ärgerte sich Timo Horn nach dem Abpfiff. "Es ist sehr bitter, dass wir nicht wenigsten den Punkt hierbehalten. Das wäre sicherlich möglich gewesen."

Horn: "Der FC hat sich extrem bemüht"

So endete der Arbeitstag des Keepers, der so schön begonnen hatte, mit einer Enttäuschung. Denn Horn hat beim 1. FC Köln einen neuen Vertrag bis zum Jahr 2022 unterschrieben. Die frohe Botschaft wurde den Fans vor dem Anpfiff mitgeteilt. "Der FC hat mir in sehr jungen Jahren nach dem Umbruch das Vertrauen geschenkt. Ich habe die Entwicklung begleiten und immer spielen dürfen. Ich sehe die Entwicklung auch noch lange nicht abgeschlossen. Auch jetzt sind wir auf einem sehr guten Weg, unsere Platzierung der letzten Saison zu toppen", begründete der 23-Jährige seine Entscheidung. "Der FC hat sich auch extrem bemüht. Deswegen auch ein großer Dank an Jörg Schmadtke für dieses langfristige Vertrauen. Ich werde es zurückzahlen."

Am besten schon in dieser Saison mit der Qualifikation für die Europe League, die nach wie vor möglich ist, auch wenn die Kölner ihren 5. Platz in der Tabelle an den SC Freiburg verloren. Nach elf Rückrundenspielen stehen nun bereits fünf Niederlagen auf dem Konto, in der gesamten Hinrunde waren es nur drei. Während der Kölner Motor stottert, startet die Borussia mit dem siebten Sieg im elften Rückrunden-Spiel durch und ist vor allem auswärts nicht mehr zu halten. "Von der Spielidee und von der Passsicherheit her war Gladbach schon sehr stark", meinte Peter Stöger nach dem Abpfiff anerkennend.

Gegen Augsburg zurück in die Erfolgsspur

"Die bessere Mannschaft hat heute verdient gewonnen. Wir hatten gegen einen sehr guten, ballsicheren und laufstarken Gegner Schwierigkeiten, Zugriff zu bekommen", analysierte der FC-Coach das Nachbarschaftsduell. "Unsere Mannschaft hat aber eine gute Moral gezeigt. Wir hätten gegen eine Mannschaft mit Champions-League-Niveau heute dreimal zurückkommen müssen. Da hätten wir über uns hinauswachsen müssen. Das ist nicht passiert."

Video: 21 Modeste-Tore im Zusammenschnitt

Für die Kölner geht es nun beim nächsten Auswärtsspiel beim FC Augsburg darum, zurück in die Erfolgsspur zu finden, damit der große Traum von Europa und die erstmalige Teilnahme am internationalen Geschäft seit 25 Jahren Wirklichkeit wird. Noch ist lange nichts verloren.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski