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Leverkusen - Es war kein fußballerischer Leckerbissen, den Bayer 04 Leverkusen seinen Fans in seinem ersten Champions-League-Heimspiel seit über sechs Jahren servierte. Aber der 2:0-Erfolg gegen den belgischen Meister KRC Genk war nach den zuvor erlittenen drei Pleiten in Serie Balsam für das angeknackste Selbstvertrauen der Rheinländer.

Eine zähe Partie hatten die Bayer-Fans gesehen, eine, die ihnen zeitweise gar nicht gefallen wollte. Mit einem lautstarken Pfeifkonzert quittierte die erfolgsverwöhnte Kundschaft rund eine Viertelstunde vor dem Abpfiff die Darbietungen der sichtbar verunsicherten Mannschaft auf dem Rasen.

Ballack sorgt für Ruhe

Für Robin Dutt war der Zeitpunkt gekommen, zu handeln. Der Bayer-Coach brachte seinen erfahrensten Mann. Michael Ballack, der mit seinen nun 89 Champions-League-Einsätzen mehr Erfahrung mitbringt als der restliche Kader zusammen, sorgte dann auch für Ruhe. Ausgerechnet dem 35-Jährigen gelang das entscheidende 2:0 und damit das dringend benötigte Erfolgserlebnis, das auch die Anhänger wieder versöhnlich stimmte.

"Ich verstehe die Unzufriedenheit der Fans. Die Fans erwarten von einer Heimmannschaft einen Offensivfußball", sagte Dutt nach dem Schlusspfiff. "Aber ich verstehe auch die Mannschaft, die nach zuletzt drei Niederlagen ein Ergebnis haben wollte. Deswegen sind die Jungs auf dem Feld nicht das letzte Risiko gegangen. Das hat den Fans nicht gefallen. Ich habe für beide Seiten Verständnis."

Gegen Wolfsburg nachlegen

Die Mannschaft hat ihr Ergebnis bekommen und liegt in der Champions League wieder auf Kurs. "Wir sind im Soll", freute sich der Trainer. "In der Bundesliga war das Köln-Spiel so nicht einkalkuliert. Da hinken wir etwas hinterher. Hätten wir gegen Köln gewonnen, wären wir jetzt Vierter. Dann wäre alles in Ordnung."

So aber steht die Mannschaft schon am kommenden Samstag wieder unter Druck. Soll der Anschluss an die Tabellenspitze der Bundesliga nicht auf längere Sicht verloren gehen, sind drei Punkte gegen die "Wölfe" Pflicht. Die Voraussetzungen sind allerdings nicht schlecht, ist doch der VfL Wolfsburg so etwas wie der Lieblingsgegner der "Werkself".

In den bislang 14 Heimspielen gegen die Niedersachsen blieb Bayer daheim bei elf Erfolgen und drei Unentschieden unbesiegt. "Der Sieg gegen Genk gibt uns wieder einen Schuss Selbstvertrauen", freute sich Lars Bender, der gegen Genk nicht nur die wichtige 1:0-Führung herausschoss, sondern auch insgesamt Leverkusens bester Spieler war.

"Sieg war wichtig für den Kopf"

"Mit dem Sieg im Rücken wollen wir uns gegen Wolfsburg auch in der Bundesliga zurückmelden", sagte der Jungnationalspieler weiter. "Wir haben in den beiden Spielen zuvor alles vermissen lassen. Wir müssen das Selbstvertrauen mit ins Wolfsburg-Spiel nehmen, mit Risiko ins Spiel gehen und dürfen uns nicht verstecken. Denn der Bernd Leno kann uns nicht jedes Spiel retten."

Der erst 19 Jahre alte angesprochene Torhüter glänzt seit Wochen mit konstant guten Leistungen und sicherte mit einigen Paraden auch die knappe Führung gegen Genk. "Der Sieg war sehr wichtig für den Kopf. Wir waren unter Druck, weil wir das Spiel unbedingt gewinnen mussten. Darauf können wir aufbauen", hofft der aus Stuttgart ausgeliehene Keeper.

Vielleicht war der Erfolg gegen die Belgier die erhoffte Trendwende. Ob Michael Ballack gegen die "Wölfe" mehr Einsatzzeit bekommt, bleibt abzuwarten. Sein Mitwirken nach einem überstandenen grippalen Infekt tat der Bayer-Truppe auf alle Fälle gut. Der Star selbst zog es, wie fast immer in dieser Saison, vor, zu schweigen und die Taten für sich sprechen zu lassen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski