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Brunnen - Die Bundesliga trauert um Timo Konietzka, den Schützen des ersten Tores in fast 50 Jahren Bundesliga. Friedhelm "Timo" Konietzka ist am Montag im Alter von 73 Jahren gestorben. Dies berichtet der "Tagesanzeiger Zürich" und beruft sich auf ein Radio-Interview von Konietzkas Ehefrau Claudia. Konietzka spielte in den 60er Jahren für Borussia Dortmund und war 1984 für knapp vier Monate auch Trainer des BVB.

Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball zum Tod Konietzkas: "Die Bundesliga trauert um Timo Konietzka. Mit dem ersten Tor in der Liga-Geschichte wird er den Fans in Deutschland für immer unvergesslich bleiben, obwohl dieser Treffer von keiner Fernseh-Kamera gefilmt wurde. Sein besonderer Humor, seine Listigkeit auf dem Platz und seine Gradlinigkeit im Leben machten ihn zu einem liebenswerten Mitglied der Fußball-Familie. Obwohl er seinen Lebensmittelpunkt zuletzt in der Schweiz hatte, hat er immer Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen und Vereinen in Deutschland gehalten und war dort stets willkommen."

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, verstarb Konietzka in seiner Wahlheimat in der Schweiz nach langer Krankheit an Krebs. Zuletzt betrieb er mit seiner Ehefrau das Gasthaus "Ochsen" in Brunnen am Vierwaldstättersee. Der neunmalige Nationalspieler erzielte bis 1967 für Borussia Dortmund und den TSV 1860 München in 100 Bundesligaspielen 72 Tore.

Historisches Tor

Als am 24. August 1963 der Anpfiff zur ersten Bundesliga-Saison ertönte und sich im Weserstadion der SV Werder Bremen und der Deutsche Meister Borussia Dortmund gegenüber standen, waren vermutlich nicht einmal alle 32.000 Fans auf ihrem Platz, als der einstige Stürmerstar zuschlug: 58 Sekunden, so heißt es, waren gespielt, als Konietzka zum 1:0 für den BVB traf. Zu schnell für das Fernsehen und zu schnell für die Fotografen, die sich alle hinter dem Dortmunder Tor platziert hatten.

"Anstoß. Franz Brungs wurde zuerst angespielt, von ihm kommt ein Pass auf die linke Außenseite zu Emma (Lothar Emmerich/Anm. d. Red.), der gab flach rein. Ich wurde zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt angespielt und habe den Ball flach mit rechts rein geschossen." So schilderte Konietzka diesen Treffer aus seinen Erinnerungen. Jahrzehnte lang habe er vergeblich nach TV-Aufnahmen oder Bildern von diesem historischen Moment gesucht, berichtete er später: "Ich habe alles versucht, es gibt keine TV-Bilder. Nur ich und die Zuschauer im Stadion können sich daran erinnern", sagte er anlässlich seines 70. Geburtstages.

Bemerkenswerte Titelsammlung

Konietzka gab zu, dass ihm dieser Treffer "am meisten genutzt" habe. Doch seine Erfolge und Zahlen als Aktiver sind ebenso bemerkenswert. Deutscher Meister 1963 mit Borussia Dortmund und 1966 mit 1860 München, 72 Tore in 100 Bundesliga-Spielen und zwischen 1962 und 1965 in der Torjägerliste dreimal in Folge Zweiter hinter Rudi Brunnenmeier, Uwe Seeler und Lothar Emmerich. In neun Länderspielen erzielte er drei Tore.

Schon als Spieler siedelte er in die Schweiz über, wo er in Brunnen am Vierwaldstättersee zusammen mit seiner Frau Claudia lebte. Beim FC Zürich begann Konietzka, der auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, seine Trainerkarriere. Als Coach kehrte er in die Bundesliga zu Bayer Uerdingen und Mitte der 80er Jahre zum BVB zurück.