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Mönchengladbach - Der Traum vom großen Finale ist geplatzt. Borussia Mönchengladbach ist nach 120 dramatischen torlosen Pokalminuten unglücklich mit 2:4 im Elfmeterschießen gegen Bayern München ausgeschieden. Die tragischen Helden heißen Dante, der über das Tor schoss, und Harvard Nordtveit, der an Manuel Neuer scheiterte. Jetzt gilt es, in den verbleibenden acht Bundesliga-Spielen den 3. Platz zu verteidigen.

Erstaunlich schnell hatte Borussia-Trainer Lucien Favre den Pokal-K.o. verarbeitet. "Wir sind nicht am Boden zerstört. Es ist schon verdaut, ich akzeptiere das", sagte der Erfolgscoach. "Damit kann ich leben, das ist Fußball. Meine Gedanken sind bereits am Samstag beim Spiel gegen Hoffenheim. Wir müssen positive Gedanken haben und nach vorne schauen."

"Aus ist schwer zu verdauen"



Ein sehr gutes Spiel mit viel Tempo hatte Favre gegen die Bayern gesehen, mit Chancen auf beiden Seiten. Doch anders als bei den beiden Siegen in der Bundesliga nutzten die "Fohlen" diesmal ihre Möglichkeiten nicht, allen voran Marco Reus, der zwei "Hundertprozentige" gegen Manuel Neuer vergab.

"Natürlich wird es nicht leicht, weil die Enttäuschung bei den Spielern sehr groß ist", sagte Fave. "Das Aus im Elfmeterschießen ist schwer zu verdauen und zu akzeptieren. Aber wir können es nicht mehr ändern und wollen jetzt in der Meisterschaft weiter punkten."

Pechvogel Dante



Der Schweizer Trainer wird in den kommenden beiden Tagen viel Aufbauarbeit leisten müssen. Denn am Ausscheiden hatten die Spieler arg zu knabbern. Allen voran Dante. Der hatte eine starke Partie abgeliefert und dann in der Elfmeterlotterie den ersten Fehlschuss begangen.

"Ich war ganz ruhig und überzeugt, dass ich den Elfmeter verwandele", meinte Dante nach dem Abpfiff. "Ich habe Manuel Neuer auch verladen, aber zu hoch geschossen. Ich bin enttäuscht. Die Mannschaft hat mich aber getröstet, das freut mich."

Erinnerungen werden wach



Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte sich über die Nominierung Dantes als Elfmeterschützen gewundert und gesagt, dass er den Brasilianer nach dem Wirbel der letzten Wochen um angebliche Wechselabsichten Dantes ausgerechnet zu den Bayern nicht auserkoren hätte. "Wir hatten beim Elfmeterschießen nicht viele Möglichkeiten, Dante musste schießen", konterte Lucien Favre gelassen.

So kam es wie 1984, als die "Elf vom Niederrhein" im Pokalfinale auch im Elfmeterschießen gegen die Bayern den Kürzeren zogen. Als Lothar Matthäus, dessen Transfer an die Isar bereits feststand, den ersten Gladbacher Elfmeter in den Himmel jagte und Norbert Ringels später den entscheidenden Elfer vergab. Die Parallelen sind unverkennbar, die Geschichte wiederholt sich.

"Saison weiter veredeln"



Jetzt muss die Borussia ihre Wunden lecken und gegen Hoffenheim nach drei Remis in den letzten drei Heimspielen wieder einmal einen "Dreier" anpeilen. "Wir müssen die Enttäuschung schnell aus den Beinen schütteln, weil wir am Samstag schon wieder ein schweres Spiel gegen Hoffenheim haben", fordert Borussias Sportdirektor Max Eberl.

"Wir haben jetzt noch acht Spiele vor der Brust, um eine bis jetzt intakte Saison weiter zu veredeln. Dafür werden wir alles tun", verspricht Eberl. Leicht wird es gegen die Kraichgauer sicher nicht. Denn von bislang sieben Bundesliga-Spielen konnte die Borussia bei zwei Unentschieden und vier Niederlagen nur eins gewinnen.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski