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Bremen - Am Mittwoch wurden die Trainings-Kiebitze von Werder Bremen Zeuge eines ganz seltenen Ereignisses - Thomas Schaaf verließ seine Beobachterrolle und mischte beim Trainingsspielchen munter mit. Ach was, er glänzte. Als Torjäger! Noch so eine Seltenheit. Schließlich war der Spieler Schaaf in der Bundesliga als beinharter Verteidiger gefürchtet und nicht als Torjäger. "Das mache ich nur ganz selten", sagte ein sichtlich gut gelaunter Schaaf.

Trotz der jüngsten Niederlage gegen Hannover 96 (2:3) wirkt der Werder-Trainer tiefenentspannt, schließlich hat er einen hervorragenden Saisonstart hingelegt. Acht Spiele, fünf Siege, ein Unentschieden bei zwei Niederlagen, das macht 16 Punkte. Weil auch die Konkurrenz patzte, bleibt Werder der Bayern-Jäger Nummer eins.

Mertesacker-Abgang hat Bremen nicht geschwächt

"Wenn wir das so offiziell sein sollen, dann habe ich nichts dagegen. Von uns wird das aber nicht kommen. Wir werden versuchen, so viele Punkte zu sammeln wie es nur geht", sagte Schaaf, "wenn man dann auch was jagen kann, ist das eine schöne Sache. Dann hat man Dinge, die man erreichen kann."

Dass es bei Werder trotz des Abgangs von Per Mertesacker zum FC Arsenal London und der schwachen Vorsaison, als noch im Frühjahr das Abstiegsgespenst sein Unwesen an der Weser trieb, nun wieder rund läuft, halten Schaaf und Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs für völlig normal. "Das war eine besondere Situation im letzten Jahr, mit vielen verletzten Spielern. Außerdem hatten wir innerhalb der Mannschaft gewisse Probleme", sagte Allofs, "es war nicht der SV Werder, den wir aus den Jahren davor gekannt haben." Und Schaaf meinte: "Im letzten Jahr sind wir von vielen Dingen überrascht worden. Das hat unseren Rhythmus gestört."

"Wir versuchen es"

Bis auf das Spiel in Hannover hat Werder in dieser Saison wieder seinen Rhythmus gefunden, begeistert die Fans mit dem bekannten Offensivspektakel (schon 16 Tore). Ob das schon für den Angriff auf die Spitze reicht? "Die Bayern machen ihre Sache außergewöhnlich gut, aber da kommen sicherlich auch noch andere Zeiten", sagte Allofs, "ob dann Werder Bremen da ist oder ein anderer Club - das kann ich jetzt noch nicht sagen. Wir versuchen es auf jeden Fall."

Wenn Werder den Bayern noch einmal so richtig auf die Pelle rücken will, sollten die Hanseaten in der kommenden Woche gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund tunlichst nicht verlieren. "Für uns gibt es nicht diese Situation, eher einen Punkt zu holen. Wir haben immer den Anspruch, dass wir uns durchsetzen wollen", sagte Schaaf, "und das ist auch gegen Dortmund so."

Keine Geldstrafe für den rotgesperrten Arnautovic

Allerdings muss Schaaf dann auf seinen zuletzt gut aufgelegten Stürmer Marko Arnautovic verzichten. Der Österreicher wurde nach seinem üblen Tritt gegen Sergio Pinto mit anschließendem Platzverweis vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für drei Spiele gesperrt. Eine Geldstrafe vom Verein muss der Angreifer aber nicht befürchten. "Ich bin nicht so sehr für Strafen, weil ich glaube, es ist ganz gut, wenn man Dinge einsieht und für sich verarbeitet. Und dann besser macht beim nächsten Mal", sagte Schaaf.

Der Werder-Trainer ist derzeit nicht aus der Ruhe zu bringen. Daran ändert auch die knappe Niederlage im Trainingsspielchen, die Schaaf trotz seiner Torjäger-Qualitäten einstecken musste, nichts.