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Mönchengladbach - Nach dem starken Saisonstart mit zwölf Pflichtspielen ohne Niederlage können die Profis von Borussia Mönchengladbach in diesen Tagen ein bisschen durchschnaufen und den Akku wieder aufladen. Die Fohlen stehen auf Platz 3 der Tabelle, hätten aber noch besser platziert sein können, wenn sie gegen Mainz nicht leichtfertig große Chancen vergeben hätte (Gladbach im Startcheck).

Im Interview mit bundesliga.de spricht Gladbachs Innenverteidiger Tony Jantschke über den bisherigen Saisonverlauf, die Stärken der Borussia und das Programm in der Länderspielpause.

bundesliga.de: Tony Jantschke, in der letzten Partie vor der Länderspielpause hat Borussia 1:1 gegen Mainz gespielt. Haben Sie nach dem Spiel eher gelacht oder geweint?

Tony Jantschke: Nach dem Spielverlauf musste ich eher weinen. Wir waren die klar besser Mannschaft, Mainz hatte fast keine Torchance, obwohl die Mannschaft eigentlich mit Spielern wie Okazaki brandgefährlich ist. Wir hatten klare Chancen, gerade gegen Ende der Partie. Thorgan hatte ein Riesenbrett, Raffael hatte eine Riesenchance. Deswegen ist es ärgerlich.

bundesliga.de: Was fehlte in diesem Spiel und auch schon vor im Europa-League-Spiel in Zürich? Die Entschlossenheit im Abschluss?

Jantschke: Nein. Es gibt so Phasen. Im Moment gehen die Dinger nicht rein, manchmal geht jeder Schuss ins Tor. Das gehört zum Fußball. Auch in den Spielen gegen Hamburg, Paderborn oder Zürich hatten wir Chancen en masse und hätten viel mehr Tore machen müssen. Zum Glück schaffen wir es als Mannschaft gut gegen den Ball zu arbeiten und vorne recht schnell zu pressen. Dadurch können wir hinten die gefährlichen Situationen vermeiden. Aber es ist ärgerlich. Gegen Mainz hätten wir 3:1 gewinnen müssen, gegen Hamburg 3:0 und auch in Paderborn hatten wir die Chancen zum 3:0 oder 4:0. Dann sieht es lockerer aus. Trotzdem gibt es auch Schlimmeres als einen Punkt zuhause gegen Mainz.

bundesliga.de: Ist das auch ein Zeichen dafür, dass es in dieser Saison hinter den Bayern brutal ausgeglichen zugeht.

Jantschke: Auf alle Fälle. Das haben wir auch schon in den letzten Jahren gesehen. Die Bundesliga ist sehr ausgeglichen. In diesem Jahr haben Teams wie Dortmund oder Schalke Probleme und mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Nur die Bayern können Ausfälle kompensieren. Aber auch bei denen gehen viele Spiele wegen des engen Terminkalenders am Stock. Es ist schön für die Liga, dass es so ausgeglichen ist.

bundesliga.de: Borussia hat zwölf Pflichtspiele absolviert und noch keins verloren. Das spricht für eine hohe Stabilität. Was macht die Mannschaft so stark?

Jantschke: Die wahre Stärke einer Mannschaft wird man erst sehen, wenn es mal nicht so läuft. Im Moment läuft es, die Spieler, die auf die Bank müssen, akzeptieren das. Wir haben eine sehr gute Kaderstruktur. Wir können Spieler von der Bank bringen, die über 100 Bundesliga-Spiele auf den Buckel haben. Das ist schon Wahnsinn. Gegen Mainz war ein Alvaro Dominguez auf der Bank, der sensationell in Form ist. Das ist unsere Stärke.

bundesliga.de: Auch ein Patrick Herrmann hat über 100 Spiele gemacht und muckt nicht auf, wenn er als letztjähriger Stammspieler öfter auf die Bank muss, was sicher nicht einfach für ihn ist?

Jantschke: Ja, klar. Man muss aber auch fairerweise sagen, dass es für einen offensiven Spieler etwas einfacher ist, weil er weiß, dass er fast immer noch eingewechselt wird. Für einen Verteidiger wie Alvaro ist es schwieriger, da Abwehrspieler seltener eingewechselt werden. Aber auch ein Martin Stranzl oder ich werden Pausen bekommen. Wir haben viele Spiele. Wir können jetzt in der Länderspielpause zwei Wochen Ruhe reinkriegen. Nur unsere Nationalspieler nicht, die haben Pech gehabt. (lacht) Wir können die Akkus wieder aufladen. In zwei Wochen geht es dann nach Hannover.

bundesliga.de: Kann man denn in der Pause die Akkus richtig aufladen? Max Kruse meinte, dass bei Borussia fast härter trainiert wird als in der Nationalmannschaft?

Jantschke: Wenn wir trainieren, trainieren wir hart. Wir müssen ja auch im Rhythmus bleiben und haben auch noch ein Testspiel. Nichtsdestotrotz werden wir ein paar Tage mehr frei haben. Es ist schon etwas anderes, ob man hier ist oder bei der Nationalmannschaft. Das kenne ich aus eigener Erfahrung als U21-Nationalspieler.

bundesliga.de: Nach der Pause tritt die Borussia, wie Sie ja bereits erwähnt haben, in Hannover an. Dort ist die Bilanz eher noch ausbaufähig...

Jantschke: Das stimmt. Aber unseren wichtigsten Sieg in den letzten Jahren haben wir in Hannover gefeiert, als wir dort gewonnen und danach noch die Relegation geschafft haben. Damals haben wir zehn Punkte aus den letzten vier Spielen geholt. Statistiken hin oder her. Die sind relativ egal. Wir werden auch in Hannover wieder probieren zu gewinnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski