München - Mit donnerndem Applaus wurde Thiago bei seiner Auswechslung gefeiert. Ähnlich fiel die Reaktion der Fans des FC Bayern München aus, als Thomas Müller nach einer Behandlungspause in der Schlussphase noch mal auf den Rasen zurückkehrte. Für die Anhänger des Rekordmeisters waren beide beim 6:0-Kantersieg gegen den FC Augsburg Helden. Wenn es um die Aufstellung ging, war es in dieser Saison zumeist eine Entweder-Oder-Diskussion zwischen Thiago und Müller. Die jüngsten Auftritte zeigen: Mit beiden gemeinsam sind die Bayern noch stärker.

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Bei der Besetzung der Zehnerposition kam Bayern-Trainer Carlo Ancelotti in dieser Saison regelmäßig ins Grübeln - so auch am Freitag vor der Partie gegen den FC Augsburg. "Es ist eine gute Option für uns, dass wir zwei Spieler für diese Position haben", sagte der Italiener. "Mit Thiago auf dieser Position können wir ein besseres Positionsspiel machen, mit Müller können wir offensiver sein."

Mehr Punkte, mehr Tore

Umso besser, wenn Ancelotti in seinem 4-2-3-1-System Platz für beide findet. In 17 von 26 Bundesligaspielen liefen beide gemeinsam auf. Holten die Bayern ohne das Duo im Schnitt 2,3 Punkte pro Spiel, waren es mit Thiago und Müller in der Anfangsformation 2,6 Zähler pro Partie. Auch bei der Trefferquote gibt es Unterschiede: Mit den beiden in der Startelf trafen die Bayern 2,9 Mal pro Spiel, ohne "nur" zwei Mal.

Video: Magier Thiago

Seit der 8:0-Gala gegen den Hamburger SV am 22. Spieltag standen Thiago und Müller in der Bundesliga immer zusammen von Beginn an auf dem Feld - Thiago auf der Sechs, Müller als hängende Spitze auf der Zehn. Die Position, auf der zuvor Thiago im Laufe der Hinrunde seine offensiven Fähigkeiten neu entfaltete. Gegen Augsburg zeigte er sie auch trotz seiner Rückversetzung auf die defensivere Sechserposition: Der Spanier erzielte bereits sein viertes Saisontor und lieferte seine fünfte Torvorlage. In allen Wettbewerben kommt Thiago damit auf 15 Torbeteiligungen - eine mehr als in den beiden vorangegangenen Spielzeiten zusammen.

Neues Traumduo?

Auch Müller profitierte zuletzt von ihm: Beim 1:0-Sieg in Mönchengladbach erzielte er auf Vorlage Thiagos sein erstes Bundesligator in diesem Jahr. Umgekehrt war Müller allerdings an keinem Tor Thiagos direkt beteiligt. Auch im direkten Zusammenspiel traten beide vor dem gegnerischen Tor eher selten in Erscheinung - jeweils nur drei Torschussvorlagen lieferten sich Müller und Thiago gegenseitig.

Dennoch sind beide als zentrale Achse ein Gewinn für die Bayern. Die vergangenen fünf Spiele haben die Münchner in dieser Besetzung allesamt zu null gewonnen. Während Müller in diesen Partien zunächst als Vorlagengeber glänzte, entdeckte der Nationalspieler in den vergangenen beiden Spielen auch seine Abschlussstärke wieder. "Ich habe es schon häufig gesagt: Müller war ein wichtiger Spieler, auch wenn er nicht getroffen hat", sagte Ancelotti nach Müllers Doppelpack gegen den FCA. "Viel wichtiger sind aber die Bewegungen, die er machen kann und seine Qualitäten am Ball."

Thomas Müller nähert sich wieder seiner Bestform

Müller für heißen April gerüstet

Ein Stürmer lebt aber eben auch von Toren. Erstmals seit Februar 2016 traf Müller in zwei aufeinanderfolgenden Ligaspielen, dazwischen tankte er mit seinem Tor für die Nationalmannschaft beim 4:1-Sieg in Aserbaidschan weiteres Selbstvertrauen. "Zu treffen macht Spaß", freute sich Müller über seine kleine Serie. Nachdem der 27-Jährige in der Hinrunde mit nur einem Tor oftmals mit dem fehlenden Glück vor dem Tor haderte, findet er nun immer mehr zurück zu alter Stärke.

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Bei aller Freude über sein wiederentdecktes Abschlussglück und der durchweg überzeugenden Darbietung der Mannschaft, warnte Müller jedoch auch. "Jetzt warten wir mal die wichtigen Spiele ab, dann bin ich gespannt wie die Analysen sind. Wir müssen schon ein bisschen auf die Bremse drücken", sagte Müller und blickte neben den entscheidenden Spielen in der Bundesliga auch auf die K.o.-Spiele in der Champions League gegen Real Madrid und im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund: "Der April ist ein heißer Monat und wir schauen mal wie wir da durchs Feuer kommen." Mit dem Duo Thiago und Müller sind die Bayern dafür aber bestens gewappnet.

Aus München berichtet Maximilian Lotz