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Hannover - Als Schiedsrichter Felix Brych die Partie in Hannover abpfiff, stand fest, dass die Gastgeber zum zehnten Mal in Folge ohne Sieg dastanden. Trotzdem gab es nach dem 2:3 gegen Borussia Dortmund keine Pfiffe, sondern Applaus von den Hannoveraner Anhängern unter den 49.000 Zuschauern in der HDI Arena.

Selbst mit nur zehn Mann waren die Roten nahe dran, einen Zwei-Tore-Rückstand wettzumachen. Einen Rückstand, in den sie während einer sechsminütigen Schockphase nach der Gelb-Roten Karte gegen Leonardo Bittencourt (55. Minute) geraten waren.

Das ausgegebene Ziel verfehlt

Shinji Kagawa und Pierre-Emerick Aubameyang brachten die Gäste 3:1 in Front. Zu mehr als dem Anschlusstreffer durch Lars Stindl, der in Durchgang eins schon die Dortmunder Führung egalisiert hatte, reichte es für die Niedersachsen nicht.

Hannover 96 ist mit nur drei Punkten Letzter der Rückrunden-Tabelle und nur noch zwei Punkte vom Hamburger SV auf Relegationsrang 16 entfernt. Drei Punkte hatte sich Martin Kind aus den Partien gegen den FC Bayern München, in Mönchengladbach und gegen Dortmund gewünscht - am Ende sind es null.

Doch allein an der Ausbeute wollte der 96-Präsident die Arbeit  von Tayfun Korkut nicht festmachen. Wichtig sei, dass die Moral stimme, der Trainer die Mannschaft noch erreiche. Das sei nach Ansicht von Dirk Dufner der Fall gewesen.

"Die Moral stimmt"

"Gegen Bayern haben wir ein gutes Spiel gemacht, unglücklich verloren. In Gladbach kann man gerade mit der ersten Halbzeit nicht zufrieden sein, aber gegen Dortmund hat die Mannschaft wieder gezeigt, dass sie eine Einheit ist", analysierte der Sportdirektor die drei Partien.

"Die Moral stimmt. Man hat gesehen, wie die Mannschaft auftritt", betonte auch Ron-Robert Zieler. Der Weltmeister war einer der wenigen Hannoverander, die sich nach der Partie den Fragen der Presse stellten. "Der Platzverweis war der Knackpunkt, aber mit ein bisschen Glück gehen wir mit einem 3:3 vom Platz", so der Torwart. "Es ist gut, dass wir in der Länderspielpause in Ruhe arbeiten können."

Korkut spürt das Vertrauen

Ob diese Arbeit mit Korkut stattfinden würde, war am Samstag noch offen. "Insgesamt hat die Mannschaft eine große Moral gezeigt. Die Mentalität der Mannschaft ist sehr gut. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben es bis zur letzten Sekunde versucht. Man hat gesehen, die Mannschaft wollte unbedingt die Wende schaffen", lobte Korkut nach der Partie.

Seiner Verantwortung ist sich der Trainer bewusst. "Wir sind mitten im Abstiegskampf" ist dem 40-Jährigen klar , "und ich habe die größte Verantwortung. Es geht um Hannover 96 und nicht um Tayfun Korkut."

Für seine Arbeit spüre er "Vertrauen". Vertrauen, dass ihm neben den Spielern auch Dufner aussprach. Er verstehe aber die Diskussion um den Trainer, das sei "nach den Ergbnissen völlig normal", so der 47-Jährige. "Abstiegskampf ist eine eigene Sportart. Da zählen nur Ergebnisse. Da ist es klar, dass alles auf den Prüfstand muss."

Rückendeckung nach Krisensitzung 

Martin Kind war nach dem Spiel für die Medien nicht zu sprechen. Das Reden hob sich der Präsident für den Sonntag auf. Da traf Kind sich mit dem Trainer und dem Sportdirektor zu einem "ausführlichen Gespräch, in dem die aktuelle sportliche Situation analysiert" wurde.

Mit einem positiven Ergebnis für den Übungsleiter. "Als Ergebnis des Gespräches hat Tayfun Korkut das Vertrauen der Verantwortlichen. Alle Beteiligten wissen um die Bedeutung der kommenden Bundesligaspiele. Ziel ist es, gemeinsam den Klassenerhalt zu sichern", meldete die Pressestelle des Vereins um 16:25 Uhr.

"Wir wollen nur noch auf die letzten Spiele vor uns schauen", hakt Dufner die Misserfolge der vergangenern Monate ab. "Die Mannschaft ist in der Lage, gute Spiele zu machen und sie muss jetzt auch in der Lage sein, sich dafür zu belohnen." Am besten schon mit dem ersten Dreier des Jahres am kommenden Spieltag bei der Frankfurter Eintracht.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs