ANZEIGE

Mit sieben Punkten aus den letzten drei Bundesliga-Spielen hat der Hamburger SV wieder den Anschluss an die Tabellenspitze geschafft und den Vorsprung auf Platz 6 auf vier Punkte ausgebaut.

Beim 1. FC Köln gelang dem HSV ein unter dem Strich verdienter 2:1-Auswärtssieg.

Ausradeln statt auslaufen

Es dauert in dieser Saison etwas länger, wenn man nach Spielende mit Akteuren des HSV sprechen will. Denn Trainer Martin Jol hat sich zur aktiven Regeneration seiner Truppe etwas Neues einfallen lassen. Der Mann kommt aus Holland, hat das Auslaufen ab- und dafür eine Menge Heimtrainer angeschafft.

So müssen seine Jungs nach dem Abpfiff nicht mehr joggend über den Platz schlurfen, sondern eine Viertelstunde aufs Rad. Und während die Spieler dann endlich in der Mixed-Zone ihre Statements abgeben, tragen eifrige Helfer die sperrigen Sportgeräte zum Mannschaftsbus.

Die Strampelei lohnt sich. Der HSV überwintert in allen drei Wettbewerben durchaus aussichtsreich. In der Liga kann der bislang sehr heimstarke Bundesliga-Dino die Spitze angreifen und in der Rückrunde noch das Spitzenduo aus Hoffenheim und München in der heimischen HSH Nordbank Arena begrüßen.

Petric zieht zufriedene Zwischenbilanz

"Wir haben uns eine gute Ausgangslage geschaffen. Mit einem Sieg gegen Frankfurt können wir vielleicht sogar den Abstand zur Spitze verkleinern. Wir überwintern im UEFA-Pokal und im DFB-Pokal und wären in der Bundesliga oben dabei. Dann könnten wir zufrieden in die Winterpause gehen", zog HSV-Stürmer Mladen Petric zufrieden eine vorläufige Hinrundenbilanz: "Und in der Rückrunde ist dann alles möglich, wenn unsere Langzeitverletzten wieder dabei sind, die uns in dem ein oder anderen Spiel doch gefehlt haben."

Mladen Petric war der Matchwinner in Köln. Sein Doppelpack war die Grundlage für einen Sieg, der wegen Hamburger Nachlässigkeiten bei der Chancenverwertung noch einmal in Gefahr geriet. Letztlich spiegelte aber das 2:1 die Kräfteverhältnisse im ausverkauften RheinEnergieStadion korrekt wieder.

"Ivica und ich harmonieren sehr gut"

Die Verpflichtung Petrics erweist sich mehr und mehr als Volltreffer. Sieben Tore gehen in der Bundeliga auf sein Konto, insgesamt traf er in 21 Pflichtspielen 13 Mal. Zusammen mit seinem Landsmann Ivica Olic (bislang sechs Saisontore) bildet er ein gefährliches Tandem.

Die Wechselgerüchte um Olic, der mit Topteams im In- und Ausland in Verbindung gebracht wird, trüben die gute Stimmung beim HSV ein wenig. "Ivica Olic und ich harmonieren sehr gut. Wir legen uns gegenseitig die Bälle auf und verstehen uns super", sagt Petric. "Das ist unsere Stärke, dass wir nicht nur einen Spieler haben, der Tore schießt, sondern auch andere Spieler in die Bresche springen. Es wäre für uns alle schade, wenn Olic uns im Sommer verlassen würde." Olic selbst hält sich bedeckt.

"Mit zwei Siegen in die Weihnachtsferien"

Eine andere Personalie in Hamburg ist Piotr Trochowski. Den hatte Jol in den letzten beiden Spielen auf die Bank gesetzt. "Das war für mich enttäuschend und hat weh getan. Ich finde, ich habe verdient zu spielen", schmollte der Nationalspieler, der in Köln wieder erste Wahl war.

Doch der Erfolg gibt Martin Jol recht. Die Hanseaten scheinen ihr zwischenzeitliches Tief, das bei den drei 0:3-Niederlagen in Hoffenheim, Wolfsburg und Hannover offenbar wurde, überwunden zu haben. "Mit den Siegen in Prag und Köln hat sich die Mannschaft bewiesen, dass sie auch auswärts erfolgreich spielen kann", freute sich HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

"Jetzt haben wir zum Abschluss noch zwei Heimspiele gegen Frankfurt und Aston Villa. Da wollen wir uns von unseren Fans mit zwei Siegen in die Weihnachtsferien verabschieden", meinte HSV-Kapitän David Jarolim. Ob er in den Ferien auch wieder auf den Heimtrainer klettert, verriet er nicht...

Tobias Gonscherowski