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Frankfurt - Armin Veh stand dann mit dem Rücken zur Wand. Mehr als ein Dutzend Journalisten umringten den Trainer der Frankfurter Eintracht, so ist das immer nach Heimspielen und der offiziellen Pressekonferenz. Veh war Dienstagnacht natürlich "enttäuscht", so wie alle, die mit der Eintracht fühlen. Das 0:1 (0:0) gegen Borussia Dortmund durch ein spätes Tor  von Pierre-Emerick Aubameyang beendete die Pokal-Hoffnungen der Hessen. Die Frankfurter hatten dem Favoriten aus Westfalen einen starken Kampf geboten, die Leistungssteigerung im Spiel der Eintracht nach der Winterpause setzte sich auch in diesem "sehr intensiven" (Veh) Pokalspiel fort.

Und dennoch: Der Traum vom Endspiel in Berlin und einer vielleicht möglichen Europapokalteilnahme über den nationalen Pokal ist in Frankfurt ausgeträumt, die Borussia zog ins Halbfinale ein.

Vehs ungehörte Warnung

Für die Frankfurter endet so der Tanz auf drei Hochzeiten, wie die Fußballer die gleichzeitige Teilnahme an drei Wettbewerben immer wieder beschreiben. Für die Eintracht war diese hohe, ungewohnte Belastung in der Vorrunde noch ein Fluch, in der Liga hechelten sie erschöpft von DFB-Pokal- und Europa-League-Spielen ihrer Form und der Konkurrenz hinterher. Doch nach zwei Siegen aus drei Ligapartien und der starken Leistung gegen Dortmund stellte Veh fest: "Wenn wir frisch sind, geht immer was bei uns. Wir sind ja eine gute Mannschaft."

Auch weil die Eintracht langsam ihre alte Form aus der Vorsaison wiederfindet, weil sie wieder ihr Heil in der Offensive sucht und auch Gegner wie Dortmund in Bedrängnis bringen kann, tut das Aus im Pokal nun weh. Veh ärgerte besonders das Zustandekommen des Gegentores nach einem Eckball für den Gegner: Mkhitaryan flankte, Kehl verlängerte per Kopf am ersten Pfosten und Aubameyang köpfte am zweiten Pfosten zum Siegtreffer für die Westfalen ein. Er habe noch in der Halbzeitpause vor genau dieser Variante des BVB gewarnt, erzählte Veh. Und dennoch konnte auch der Coach seiner Mannschaft grundsätzlich keinen Vorwurf machen, sie verlangte den Dortmundern alles ab.

Setzen Rode und Zambrano in Dortmund wieder aus?

So sah das auch Eintracht-Torwart Kevin Trapp, er analysierte:  "Das Spiel war ein offener Schlagabtausch. Das Gegentor ist natürlich ärgerlich, aber der Auftritt heute war dennoch eine gute Leistung von uns. Daher können wir erhobenen Hauptes in die Zukunft blicken." Schon am kommenden Wochenende treffen die Frankfurter ja schon wieder auf den BVB, diesmal in der Liga und in Dortmund. Wie schon im Pokal wird Veh dann vermutlich auf seinen Kapitän und Taktgeber Pirmin Schwegler verzichten müssen, den nicht nur eine starke Rippenprellung quält, sondern auch "Probleme am Knorpel im Brustbereich", wie Veh mitteilte. Am Dienstag wurde bestätigt, dass Schwegler mit einer Knorpelfraktur auf unbestimmte Zeit fehlen wird. 

Im Pokal ersetzte der etatmäßige Innenverteidiger Marco Russ Schwegler im Mittelfeld, Winterzugang Alexander Madlung verteidigte zentral in der Viererkette. Auch der angeschlagen ins Spiel gegangene Johannes Flum humpelte am Dienstag bei seiner Auswechslung vom Platz. Und da wären noch die bei der nächsten Gelben Karte von einer Sperre bedrohten Sebastian Rode und Carlos Zambrano.

Auf die zwei Leistungsträger hatte Veh schon beim Spiel in München freiwillig verzichtet, damit sie gegen Gegner, gegen die die Aussicht auf einen Erfolg größer ist, nicht fehlen. Möglich, dass Veh die beiden wieder schont, um sie im nächsten Heimspiel gegen den SV Werder Bremen wieder zu Verfügung zu haben. Noch stecken die Frankfurter ja im Abstiegskampf, und die nächsten beiden Heimspiele gegen Bremen und Stuttgart sind von richtungsweisender Bedeutung. Veh ließ die Personalien Rode und Zambrano, der sich mit BVB-Stürmer Robert Lewandowski am Dienstag harte Zweikämpfe geliefert hatte (die besten Bilder des Viertelfinals), für das Spiel in Dortmund offen. Der Trainer sagte: "Ich muss nachhaltig denken. Und ich bin berechenbar." Das klingt eher danach, als würden beide in Dortmund zuschauen.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter