ANZEIGE

Hamburg - Beim Hamburger SV sollte nach dem in letzter Sekunde verhinderten Abstieg alles besser werden. Doch der Auftakt misslang gründlich und der erste Trainer ist auch schon wieder weg. Immerhin: Der Club scheint sich nun ganz langsam zu stabilisieren. Im Startcheck wirft bundesliga.de einen genauen Blick auf die bisherigen Auftritte des Bundesliga-Dinos.

Anspruch und Wirklichkeit

Das war geplant:

Ex-Coach Mirko Slomka wollte nach der schwachen Vorsaison die vielen Baustellen angehen und alles auf den Kopf stellen: "Wir brauchen ein neues Gesicht, eine andere Einstellung, müssen robuster sein", forderte er.

So ist es gelaufen:

Nach nur einem Punkt und null Toren aus den ersten drei Spielen zogen die Verantwortlichen die Reißleine und beurlaubten Mirko Slomka. Denn offensichtlich konnte der 41-Jährige auch mit verändertem Personal im Vergleich zur Vorsaison nicht die gewünschten Veränderung herbeiführen. Mit dem neuen Coach Josef Zinnbauer, der zuvor die Reserve trainierte, war dagegen sofort zu erkennen, dass die Mannschaft Tugenden wie Kampfgeist, Zusammenhalt und Einsatzwillen längst nicht verlernt hat. Ein 0:0 gegen die Bayern und zuletzt der 1:0-Coup in Dortmund lassen für die Zukunft hoffen.

Die besten Saisonstarter:

Tops&Flops

Das war gut:

  • Kein Team ließ weniger Gegentore nach ruhenden Bällen zu als Hamburg (eins).

  • Hamburg schlug die meisten Flanken (89).

Das war schlecht:

  • Hamburg ist die Mannschaft mit den wenigsten Toren, nur zwei Mal traf man ins Tor. Hamburg hat die schwächste Trefferquote der Liga: Durchschnittlich landete nur jeder 43. Torschuss im Tor.

  • Gegen Hamburg kamen die Gegner am häufigsten nach Konterangriffen zum Torschuss (15 Mal).

Wie haben die Transfers eingeschlagen?

Es wird immer besser:

Dietmar Beiersdorfer und Co. haben ganze Arbeit geleistet. Mit Valon Behrami aus Neapel haben die Rothosen wieder einen richtigen Chef im Mittelfeld geholt. Der Schweizer lebt den neuen HSV förmlich vor. Flügelflitzer Nicolai Müller zeigt von Spiel zu Spiel immer mehr, dass er zu Mainzer Zeiten nicht umsonst zweimal in der Nationalmannschaft zum Einsatz kam. Der aus Augsburg gekommene Matthias Ostrzolek sorgt dafür, dass Routinier Marcell Jansen nach überstandener Verletzung endlich offensiv im Mittelfeld eingesetzt werden kann - wo Fürth-Neuzugang Zoltan Stieber als Ersatz parat steht. Und England-Rückkehrer Lewis Holtby dürfte als Spielmacher nur schwer vom wiedergenesenen Rafael van der Vaart zu verdrängen sein. Bayern-Leihgabe Julian Green muss mit der Jokerrolle vorliebnehmen, Innenverteidiger Cleber Reis sich erst noch an die Geschwindigkeit der Bundesliga gewöhnen.

Die beste Saisonleistung

Heiko Westermann


Am 4. Spieltag gegen den FC Bayern München läuft der Routinier zur Bestform auf. Unter Mirko Slomka noch auf die Reservebank verbannt, rückte Westermann wieder in die Innenverteidigung der Hamburger. Mit einer überragenden Quote von 89 Prozent gewonnener Duelle war er nicht nur zweikampfstärkster Spieler auf dem Platz, sondern auch hauptverantwortlich, dass sein Team gegen die Bayern einen Punkt erkämpfen konnten.

Der jüngste Stammspieler

Pierre-Michel Lasogga, 15. Dezember 1991

Auf Pierre-Michel Lasogga lastete vom 1. Spieltag an ein großer Druck. Denn mit 13 Toren in lediglich 20 Partien und dem entscheidenden Auswärtstreffer im Relegations-Rückspiel in Fürth hatte er fast im Alleingang für den Klassenerhalt der Hamburger gesorgt. Kein Wunder also, dass 2014/15 sofort ähnliche Glanzleistungen von ihm erwartet wurden.

Dabei wurde oft vergessen, dass Lasogga mit seinen gerade einmal 22 Jahren noch ziemlich am Anfang seiner Profi-Karriere steht. Umso bemerkenswerter war das Auftreten des Stürmers, der trotz einer langen Torflaute nie den Glauben an sich und die Mannschaft verlor.

Dieses Lied singt die Stadt

„Here we go again“ (Jenix)

Der HSV war am Boden. Mit 507 torlosen Minuten stellten die Hamburger einen neuen Start-Negativrekord in der Bundesliga und auch eine neue vereinsinterne Minusmarke insgesamt auf. Doch die Rothosen gaben sich nicht auf und schafften als echte Einheit den Weg zurück auf die Erfolgsspur. Der Bundesliga-Dino ist zwar noch „nur“ Vorletzter, doch er ist wieder am Leben und setzt zum Überholen an.

Michael Reis