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Leverkusen - Ein Fünftel der Saison ist gespielt. Bayer 04 Leverkusen liegt derzeit auf Platz 4 und damit auf Kurs. Die Spiele der Werkself sind höchst unterhaltsam. Doch der Trend der letzten Wochen ist etwas ernüchternd. Von den letzten fünf Bundesliga-Spielen hat Bayer 04 nur eins gewonnen, viele Punkte hat die Elf des neuen Trainers Roger Schmidt unnötig liegen lassen. Im Startcheck wirft bundesliga.de einen genauen Blick auf den bisherigen Saisonverlauf des Clubs.

Anspruch und Wirklichkeit

Das war geplant:

"Es geht mir darum, Dominanz auszustrahlen", sagte Roger Schmidt im Vorfeld der Saison. "Wir wollen dem Gegner ein Spiel aufzwingen, das er nicht möchte." Bedeutet: Pressing bis zum Umfallen.

So ist es gelaufen:

Roger Schmidt hat seinen Plan in die Tat umgesetzt. Die Mannschaft attackiert ihre Gegner viel früher und verleitet sie dadurch zu vielen Fehlern. Die riskante Spielweise sieht zum Teil sehr wild aus, wenn sich viele Spieler auf engstem Raum um den Ball streiten. Auf diese Weise überrumpelte Leverkusen gleich im ersten Spiel Borussia Dortmund beim 2:0-Auswärtssieg. Fünf Pflichtspielsiege am Stück gelangen zum Auftakt. Inzwischen haben sich die Gegner aber besser auf das Leverkusener Überfallkommando eingestellt und mit schnellen Spielverlagerungen in freie Zonen ein Gegenmittel gefunden. Elf Gegentore in sieben Bundesliga-Partien sind deutlich zu viel.

Die besten Saisonstarter:

Tops&Flops

Das war gut:

  • Die Mittelfeldspieler von Leverkusen erzielten die meisten Tore ligaweit (acht).

  • Leverkusen traf sieben Mal in den letzten 30 Minuten der Spiele - Ligaspitze.

Das war schlecht:

  • Nur Mönchengladbach ließ mehr Großchancen ungenutzt (neun) als Leverkusen (sieben).

  • Leverkusen unterliefen die meisten schweren Fehler vor Gegentoren (vier).

Wie haben die Transfers eingeschlagen?

Richtig gut:

Bei den Transfers hatte die Vereinsführung um Sportchef Rudi Völler ein glückliches Händchen. Das von AS Rom ausgeliehene Talent Tin Jedvaj verpasste noch kein Punktspiel und erkämpfte sich einen Stammplatz in der Abwehrkette. Hakan Calhanoglu schlug grandios ein und belebte das Kreativspiel und die Standardsituationen enorm. Als Volltreffer entpuppt sich auch die Entscheidung Schmidts, Karim Bellarabi, der im letzten Jahr an Eintracht Braunschweig ausgeliehen war, zu behalten. Der Angreifer steht nun sogar vor dem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Gute Ansätze zeigt auch Abwehrmann Wendell. Dagegen konnte Josip Drmic die Erwartungen noch nicht erfüllen.

Die beste Saisonleistung

Karim Bellarabi


Am 2. Spieltag gegen Hertha BSC ragte der Angreifer heraus. Bellarabi bereitete das wichtige 3:2 vor und traf selbst zum 4:2. Acht abgegebene Torschüsse waren zu diesem Zeitpunkt der Saison ligaweiter Rekord und für Bellarabi eine persönliche Bestmarke. Zudem absolvierte er die meisten Sprints aller Spieler auf dem Platz (37).

Der jüngste Stammspieler

Tin Jedvaj, 28. November 1995

Als Ergänzungsspieler wurde er geholt, als Transfer-Volltreffer entpuppte er sich. Verteidiger Tin Jedvaj hat bei Bayer 04 Leverkusen alle Erwartungen bei weitem übertroffen und sich im Starensemble des Champions-League-Teilnehmers auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft. Obendrein sicherte sich der 18-Jährige den Eintrag in die Geschichtsbücher der Werkself. Beim 3:3-Unentschieden gegen Werder Bremen schoss er das 2.000 Tor der Rheinländer in der Bundesliga.

Dieses Lied singt die Stadt

"Born to be wild" (Steppenwolf)

Attacke ist Trumpf in dieser Saison in Leverkusen. Die Gegner werden permanent unter Druck gesetzt, der Kampf um den Ball mutet bisweilen wie eine wilde Treibjagd an. Das ist spektakulär und sportliches Entertainment vom Feinsten. Und wenn die Werkself dann ihren Hochgeschwindigkeitsfußball aufs gegnerische Tor rollen lässt, mag sich mancher Abwehrspieler vorkommen, als würde eine Motorradgang dröhnend auf ihn zurasen.

Tobias Gonscherowski