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Köln - Nach dem Abgang von John Anthony Brooks zum VfL Wolfsburg gilt es bei Europa-League-Teilnehmer Hertha BSC, in der Innenverteidigung eine große Lücke zu schließen. Wer kann den US-Amerikaner beerben?

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Mit Karim Rekik, Niklas Stark, Jordan Torunarigha und Fabian Lustenberger kommen gleich vier Spieler in Frage. Jeder von ihnen hat seine eigenen Stärken und liefert Argumente, um Brooks-Nachfolger zu werden. Eine Analyse.

Der Neuzugang: Karim Rekik

Neuzugang Karim Rekik ist die große Unbekannte im Kader von Hertha BSC. Der Neuzugang von Olympique Marseille ist von den Verantwortlichen um Trainer Pal Dardai und Sportdirektor Michael Preetz wohl als legitimer Nachfolger von Brooks für die Innenverteidigung geholt worden - ob er den großen Fußstapfen seines Vorgängers gerecht werden kann, muss er aber erst noch unter Beweis stellen.

Dass er das nötige Talent dazu besitzt, steht außer Frage. Ähnlich wie Niklas Stark verfügt Rekik mit seinen 22 Jahren schon über einen enormen Erfahrungsschatz: 54 Spiele in der Eredivise bei PSV Eindhoven und 34 Spiele in der Ligue 1 für Marseille stehen in seiner Vita zu Buche. Hinzu kommen 15 Einsätze in der Europa League, genug internationale Erfahrung also, um der Hertha hier in der kommenden Saison zu helfen. 2011 wechselte Rekik als U17-Europameister von seinem Heimatverein Feyenoord Rotterdam nach England zu Manchester City, wo er nur wenige Wochen nach seinem 18. Geburtstag sein Premier-League-Debüt gab - als jüngster ausländischer Spieler der Citizens jemals. Es sollte allerdings sein letztes Spiel in der höchsten englischen Spielklasse bleiben, richtig durchsetzen konnte sich der Niederländer nie. Es folgten Leihgeschäfte mit den Blackburn Rovers, mit Portsmouth und eben Eindhoven, wo er 2015 niederländischer Meister wurde.

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Karim Rekik ist ein guter, wenn auch häufig sehr harter Zweikämpfer, ebenso verfügt er über die nötige Klasse in der Luft und besitzt die heutzutage für einen Abwehrmann so wichtigen Qualitäten in der Spieleröffnung. Alles Voraussetzungen, die ihn für die vakante Stelle in der Abwehr qualifizieren. Einzig an seiner Schnelligkeit muss er wohl noch arbeiten. Und dann bleibt da die Frage, ob sich Rekik wirklich schnell genug durchsetzen kann. In der vergangenen Saison kam er in Marseille nur zu zehn Einsätzen. Zeit, daran in der Bundesliga etwas zu ändern.

Der Hochveranlagte: Niklas Stark

72 Bundesliga-Spiele, 30 Einsätze in der 2. Bundesliga: Trotz seiner erst 22 Jahre weist Herthas Newcomer der vergangenen beiden Spielzeiten schon einen großen Erfahrungsschatz auf. Beim 1. FC Nürnberg wurde er ausgebildet, machte dort mit gerade mal 18 Jahren auch sein erstes Bundesliga-Spiel. Seitdem hat Stark eine rasendschnelle Entwicklung genommen, gehörte schnell im Frankenland und auch bei der Berliner Hertha sofort zum Stammpersonal. Der Defensivspezialist gilt als eines der größten deutschen Talente.

Besonders im defensiven Mittelfeld konnte er bislang seine Stärken ausspielen. Trotz seiner Größe von 1,90 Meter ist er mit und ohne Ball extrem agil, verfügt über großes Spielverständnis und verteilt die Bälle vor der Abwehr klug - ohne dabei viele Fehlpässe zu spielen. Einzig in seinem Offensivspiel offenbart er dann und wann noch Schwächen. In die andere Richtung bringt er dafür das Komplettpaket mit. Bei der Hertha gehört er durch seine starken, zumeist fairen Tacklings zu den besten Zweikämpfern, ebenso überzeugt er in der Luft durch sein Kopfballspiel. Fähigkeiten, die ihn auch als Innenverteidiger qualifizieren. Das hat er sowohl in Nürnberg als auch bei Hertha BSC in den letzten Jahren schon unter Beweis gestellt, wo er immer wieder auf dieser Position eigesetzt wurde.

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Momentan befindet sich Stark mit der U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Polen. Auch dort wird er aller Voraussicht nach als Innenverteidiger auflaufen, da sich mit Jonathan Tah einer der beiden Stammspieler auf dieser Position verletzt abgemeldet hat. Auch wenn es sicherlich nicht seine Lieblingsposition ist: Niklas Stark ist einer der ersten Kandidaten, wenn man über einen Nachfolger von Brooks nachdenkt.

Der Youngster: Jordan Torunarigha

Schnell, zweikampfstark und dank seiner 1,89 Meter Körpergröße extrem gut in der Luft. Neben diesen Fähigkeiten ist er aber vor allem eins: Frech und unbeschwert. Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer hat Jordan Torunarigha einmal als "gierig, giftig, aggressiv" beschrieben. Alles Eigenschaften, die ihn zum perfekten Innenverteidiger machen. Einzig an der Erfahrung hapert es beim gerade mal 19-jährigen Spieler aus der eigenen Talentschmiede noch ein bisschen. Acht Mal kam er in der vergangenen Saison als Backup in der Verteidigung zum Einsatz, fünf Mal davon über die komplette Distanz. In diesen Spielen zeigte Torunarigha, was er drauf hat. Gleichzeitig besteht beim ihm aber auch noch großes Entwicklungspotenzial.

"Ich muss körperlich zulegen. Ich muss noch eine Menge lernen", sagte er in einem Interview im Frühjahr. Erst seit Dezember 2016 ist er fester Bestandteil des Kaders der Herthaner. Im Februar folgte beim 1:0 gegen Ingolstadt mit einem Kurzeinsatz sein Bundesliga-Debüt, in den letzten vier Saisonspielen war er dann aufgrund einiger Verletzungssorgen hinten gesetzt. Als Linksfuß und dank seiner Schnelligkeit kommt Torunarigha ebenso für die Position als Linksverteidiger in Frage, Cheftrainer Pal Dardai sah ihn zuletzt aber eher im Abwehrzentrum.

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Von seinen Anlagen her bringt Jordan Torunarigha sicherlich alles mit, was man für eine große Karriere als Innenverteidiger braucht. Lediglich an Erfahrung und Wettkampfhärte fehlt es dem Youngster noch. Die kann er nur sammeln, wenn sein Coach auf ihn setzt. Zuletzt tat Pal Dardai das, ob er es angesichts der großen Konkurrenz auch in der kommenden Saison auch weiterhin tut, wird sich zeigen. Aber ein weiteres Jahr als Backup würde dem jungen Torunarigha in seiner Entwicklung sicherlich auch nicht schaden.

Der Routinier: Fabian Lustenberger

Fabian Lustenberger ist all das, was einen echten Routinier ausmacht. Vor mittlerweile zehn Jahren kam er zur Hertha, hat für Berlin inzwischen 168 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, begleitete den Club auch in 51 Spielen durch die 2. Bundesliga. Der 29-Jährige gehört zum Berliner Inventar: Wenn er zum Einsatz kommt, dann bringt er beständig seine Leistung, und das auf relativ hohem Niveau. Die Ausreißer nach oben, aber genau so wie die nach unten, sind dabei sehr selten. "Er ist absolut verlässlich", beschrieb Michael Preetz seinen Schützling einmal.

Lustenberger ist auf dem Feld ein Arbeiter. Er ist laufstark, passsicher, zweikampfstark. Ein großer Leader ist er nicht, diese Rolle überlässt er anderen im Team. Lustenberger hält sich im Hintergrund, versucht sein Team auf dem Feld durch Fleiß mitzuziehen und anzutreiben, nicht durch die ganz großen Worte. Lustenbergers Anspruch ist es, ein Leistungsträger der Berliner zu sein. Immer gerecht werden kann er dem nicht, trotzdem hat er sich unter jedem der zehn Cheftrainer, die ihn in Berlin bisher trainierten, immer irgendwie und irgendwann als Stammkraft durchsetzen können.

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Ähnlich wie Niklas Stark kann Lustenberger beides: Innenverteidigung und defensives Mittelfeld. In seinen zehn Jahren in der Hauptstadt hat Lustenberger bewiesen, dass er beide Positionen solide ausfüllen kann. So oder so wird Pal Dardai wissen, was er an seinem Routinier hat.

Dennis-Julian Gottschlich

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