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Bremen/Hamburg - Lässt man das Ergebnis mal außen vor, hat sich der FC St. Pauli am 14. Spieltag beim SV Werder Bremen wieder einmal in einer starken Verfassung präsentiert. Spielerisch hatten die "Kiezkicker" mehr zu bieten, als die "grün-weißen" Rivalen. Auch in den relevanten Statistiken waren die Hamburger klar die bessere Mannschaft. Der Blick auf die Anzeigetafel zeigte dann aber die nüchterne Realität - das 0:3 war die fünfte Niederlage in den vergangenen sechs Spiel.

"Natürlich, es ist großes Frustpotenzial da. Wir haben extrem schlechte Tore bekommen und aus einer Vielzahl an Möglichkeiten zu wenig gemacht. Wenn man nur die Statistik sieht mit Torschüssen und Ballbesitz, dann musst du sagen: Das Spiel kannst du eigentlich nicht verlieren. Aber es ist halt nur Statistik", sagte Trainer Holger Stanislawski in der "Hamburger Morgenpost".

Klare Worte

Die sportlichen Gründe für die Talfahrt deckte Bastian Oczipka gegenüber bundesliga.de auf. "Unsere Spielanlage ist gut. Aber die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen und auch dem eigenen Tor fehlt einfach. Vorne treffen wir nicht, und in der Defensive schalten wir schlecht um", übte der Verteidiger Selbstkritik.

Auch Routinier Gerald Asamoah analysierte das Fehlverhalten der Mannschaft mit deutlichen Worten: "Wir waren heute zu dumm. Vorne ist uns nicht genug gelungen und hinten haben wir Tore kassiert, die nicht hätten fallen dürfen. Jetzt am Ende sind wir schlauer", so Asamoah.

Drei Punkte gegen Lautern müssen her

Was folgte war am Montagmorgen eine 30-minütige Standpauke des Trainers, in der er seinen Spielern schonungslos die Fehler aufzeigte. "Wir agieren ohne Konsequenz vor dem gegnerischen Tor, erkennen Situationen nicht richtig, legen immer noch mal quer. Wenn ich mir andere Erstligisten so ansehe, da wird aus sämtlichen Lagen geschossen, und dann wird halt auch mal einer abgefälscht und geht rein. Das müssen wir in den Kopf kriegen", so Stanislawski.

Doch mit einem Blick auf das Restprogramm dürfte den Fans des FC St. Pauli etwas mulmig werden. Bayern München und der 1. FSV Mainz 05 heißen die beiden letzten Gegner in der Hinrunde, am Freitag stehen die Chancen gegen den 1. FC Kaiserslautern da vermeintlich besser. "Ein 'Dreier' ist ohne Frage Pflicht", fordert Oczipka.

Für das Spiel gegen die "Roten Teufel" übte Stanislawski auf seine Stammspieler schon einmal Druck aus. "Bis Freitag überdenken wir jede Position! Wer im Moment sagt:  Das, was ich spiele, reicht , ist falsch hier."

Asamoah zuversichtlich

Für den rot-gesperrten Markus Thorandt steht eine Rückkehr von Kapitän Fabio Morena wohl schon fest. In der Offensive könnte Rouwen Hennings wieder für mehr Wirbel sorgen, Richard Sukuta-Pasu ist von seiner Verletzung genesen und steht als Joker bereit.

Trotz der prekären Lage hat zumindest Asamoah seinen Optimismus nicht verloren. "Bei uns mag es im Moment zwar nicht gut laufen, aber irgendwann kommt das Glück zurück - und dann machen wir die Dinger auch rein."

Michael Reis