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München - "Elf Freunde sollt ihr sein" ist eine der bekanntesten Floskeln, die es im Fußball gibt. Sie zeichnet ein Bild von elf Spielern, die - gleich wie der Gegner heißt - Woche für Woche gemeinsam auf dem Platz stehen und alles geben. Doch was ist eigentlich dran an diesem Spruch?

Ist es tatsächlich so, dass eine eingespielte Mannschaft der Schlüssel zum Erfolg ist? Oder ist es sinnvoller, auch mal etwas an seiner Startformation zu verändern? bundesliga.de hat genau hingeschaut und erklärt, was erfolgreicher ist: Stammelf oder Rotation?

Vor- und Nachteile

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich darüber im Klaren sein, worin die jeweiligen Vorteile dieser beiden Prinzipien bestehen. Entscheidet sich ein Trainer für die Rotation, so kann er seinen Spielern wichtige Ruhepausen geben, den Konkurrenzkampf innerhalb des Kaders anheizen und die "zweite Reihe" durch häufige Einsätze bei Laune halten. Außerdem ermöglicht das Rotationsprinzip, auf die taktische Grundausrichtung des Gegners entsprechend zu reagieren.

Das ist beim Vertrauen auf eine Stammelf nicht so ohne weiteres machbar. Wenn möglich stehen dieselben elf Mann auf dem Platz wie am Spieltag zuvor. Diese können dann aber in dem Wissen antreten, die Laufwege ihrer Kameraden und deren Spielweise genau zu kennen. Da die Mechanismen bekannt sind, ist der Spielfluss hoch und eine Mannschaft kann sich in einen regelrechten Rausch spielen.

Dortmunder "Stammtisch"

Bestes Beispiel dafür ist Borussia Dortmund. Mit Barrios, Großkreutz, Hummels, Kagawa, Sahin, Schmelzer, Subotic und Weidenfeller standen acht Spieler immer in der Startelf. Der Tabellenführer ändert im Schnitt seine Startformation auf weniger als einer Position (0,83) im Vergleich zur vorherigen Partie und ist damit überaus erfolgreich.

Seine erste und einzige Niederlage kassierte er direkt am 1. Spieltag, fuhr dann aber Sieg um Sieg ein und beherrscht die Liga. Ein weiteres Beispiel ist Eintracht Frankfurt. Michael Skibbe verändert im Schnitt nur eine Position pro Spiel und hat die Europa-Cup-Plätze in Sicht. Also ein klares "Ja" zur Stammelf? Nein!

Mainz ist Meister der Rotation

Denn auch der 1. FSV Mainz 05, mit durchschnittlich drei Veränderungen in der Anfangself der "Rotationskönig", spielt eine beeindruckende Saison und liegt in der Tabelle auf Rang 2. Wöchentlich reagiert Trainer Thomas Tuchel auf die taktische Ausrichtung des Gegners und verändert seine eigene Startelf dementsprechend.

Zuletzt gegen Mönchengladbach tauschte er gleich auf sechs Positionen - mit Erfolg! Trotz zweimaligen Rückstands siegte Mainz mit 3:2 und beendete so seine drei Spiele währende Niederlagen-Serie. Eine Rotation kann also ebenso erfolgreich sein, wie eine eingespielte Truppe.

Dennoch ist ein gewisses Eingespielt-sein wichtig, um ein funktionierendes Gerüst zu haben. Gladbach (Platz 18), Schalke (15), Bremen (12) und der 1. FC Nürnberg (10) konnten nie zwei Mal in Folge auf dieselbe Startformation setzen und stehen allesamt in der unteren Tabellenhälfte.

Zum Umbau gezwungen

Ausschlaggebend scheint also vielmehr der Grund, aus dem rotiert wird. Die Mannschaften, die nach Mainz am häufigsten rotierten, heißen Bremen (2,83 Veränderungen), Schalke (2,58) und Hamburg (2,42). Diese drei Clubs waren, bzw. sind von Verletzungen geplagt und daher gezwungen, ihre erste Elf häufig umzustellen.

Auch die durchwachsenen Leistungen der Bayern sind mit Verletzungen zu begründen. Chef-Trainer Louis van Gaal hat seine Mannschaft im Schnitt zwar nur auf 1,2 Positionen umgebaut, musste aber auf Arjen Robben komplett verzichten und auch Franck Ribery stand bislang lediglich in sieben von 13 Begegnungen zur Verfügung.

Ertragreicher Kompromiss

Das einzige Team, das von Spiel zu Spiel durchschnittlich auf mehr als zwei Positionen (2,17) verändert wurde und im oberen Tabellendrittel steht, ist Bayer Leverkusen auf Rang 3. Die "Werkself" hat gleichzeitig aber auch neun Mann im Kader, die mindestens elf der 13 Saisonspiele absolviert haben und so für die nötige Kontinuität in der Veränderung sorgen.