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Bayer Leverkusen tritt etwas auf der Stelle. Nach der vergleichsweise mageren Vorstellung beim 1:1-Remis gegen Borussia Dortmund droht den "Werkskickern" nun der Verlust der Tabellenführung.

Nach 80 Minuten hatte Trainer Jupp Heynckes genug gesehen. Mit Thomas Zdebel und Stefan Reinartz wechselte der erfahrene Bayer-Coach zwei Defensivspieler ein, um zumindest den einen Punkt gegen Borussia Dortmund zu sichern. Der 64-Jährige scheute das Risiko, gegen die kompakt verteidigenden "Schwarz-Gelben" alles oder nichts zu spielen.

"Mit dem 1:1 nicht unzufrieden"

Heynckes war klar geworden, dass es für seine stark ersatzgeschwächte Truppe gegen diesen Gegner kein Durchkommen mehr gab und das Fehlen von Stammspielern wie Kapitän Simon Rolfes, Renato Augusto, Michal Kadlec oder Patrick Helmes nicht zu kompensieren war.

"Ich hatte schon vor dem Spiel kein gutes Gefühl und bin mit dem 1:1 nicht unzufrieden, weil Dortmund eine couragierte Leistung gezeigt hat", sagte Heynckes nach dem Spiel: "Wir haben uns kaum klare Torchancen herausgespielt. Das Defensivverhalten hat mir überhaupt nicht gefallen."

Ergebnisfußball ohne Glanz

Abgesehen vom 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg hat Bayer Leverkusen in den letzten Wochen ein bisschen die Leichtigkeit des Seins eingebüßt. Gegen Bremen (0:0), in Köln (1:0) und Hamburg (0:0) und nun gegen die Bourssen taten sich die Rheinländer schwer. Bayer stagniert etwas, wenn auch auf ausgesprochen hohem Niveau. Denn immerhin blieb die "Werkself" auch im 10. Saisonspiel ungeschlagen.

Ergebnisfußball nennt man das. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen. "Das Spiel wirft uns nicht um", meinte Bayers Sportchef Rudi Völler: "Wir müssen mit dem 1:1 leben, mehr war nicht drin, dafür war unsere Fehlpassquote zu hoch. Und das Kurzpassspiel ist ja eigentlich unsere Stärke."

Friedrich rettet das Remis

So musste ein Standard für Bayers Ausgleich herhalten, bei dem einmal mehr Manuel Friedrich seine außergewöhnliche Kopfballstärke unter Beweis stellte. Der Innenverteidiger spielt seit Wochen an der Seite von Sami Hyppiä in bärenstarker Form und gehört zu den Garanten für Bayers neue Stabilität in der Defensive.

Schon mehren sich die Stimmen, die ein Comeback Friedrichs in der Nationalmannschaft fordern. Doch mit dem Kapitel hat der 30-Jährige vorerst abgeschlossen. "Für mich ist das Thema durch", sagt Friedrich. "Ich habe nach meinem letzten Länderspiel (im Februar 2008 in Österreich, die Red.) damit abgeschlossen. Da habe ich glatte 8 von möglichen 6 Punkten auf der Negativ-Richterskala geholt. Fakt ist, dass wir in Deutschland genug Innenverteidiger haben, auf die Jogi Löw baut."

Stellvertreter für Rolfes

Friedrich bezeichnet sich als Ex-Nationalspieler, auch wenn er nicht zurückgetreten ist. "Es ist egal, ob ich 25 Tore mache oder nicht", fügt er hinzu, um dann lachend einzuschränken: "Okay, bei 25 Toren würde er sich das vielleicht nochmal überlegen. Aber davon bin ich weit weg."

Aus der Bayer-Elf ist Friedrich, der gegen Dortmund den verletzten Simon Rolfes als Kapitän vertrat, nicht mehr wegzudenken. Gerade bei Spielen wie dem gegen die Borussen, in denen es über die spielerische Schiene nicht funktionierte, ist Friedrich gefragt. "Es gibt in der Bundesliga kaum einen Widersacher, der so einen Offensiv-Kopfball hat wie Manuel Friedrich. Das ist seine ganz große Stärke", lobt Rudi Völler.

Jetzt hat Leverkusen eine Woche Zeit, um sich auf das Topspiel bei Verfolger Schalke 04 vorzubereiten. Dort verlor Bayer nur eines der letzten elf Spiele. Es ist das Stadion, in dem Renè Adler vor drei Jahren in der Bundesliga überragend debütierte. Trainer Heynckes verbindet weniger gute Erinnerungen mit Schalke. Er wurde einst bei "Königsblau" entlassen. Wie auch immer. Die ganze Bayer-Truppe wird hochmotiviert sein.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski