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Olympique Lyon hat es endlich geschafft. Im zehnten Anlauf hintereinander haben die Franzosen zum ersten Mal das Halbfinale in der Champions League erreicht.

Dass es in diesem Jahr endlich zum Einzug in die Vorschlussrunde gereicht hat, dafür hat der Ex-Leverkusener Cris eine einfache Erklärung. "Wir hatten in den vergangenen Jahren schon bessere Kader, aber heute sind wir mental stärker, weil wir uns alle näher, alle Freunde sind", erklärt Lyons Abwehrchef und Kapitän.

Doch ist wirklich nur der Teamgeist für den Erfolg der Franzosen verantwortlich? Sicherlich nicht, denn die Mannschaft ist gespickt mit Einzelkönnern. Vor dem Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern München (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) stellt bundesliga.de mit Willy Sagnol die Schlüsselspieler und den Trainer genauer vor.

Hugo Lloris

Casillas, Buffon, Cesar oder Cech - wenn die Frage nach den besten Torhütern gestellt wird, tauchen oft diese Namen auf. Doch der Name Hugo Lloris muss zwingend mit auf die Liste. Findet auch Willy Sagnol: "Er gehört zu den drei besten Torhütern in Europa. Wenn er eine Schwäche hat, dann höchsten mit dem Fuß. Da gehen viele Bälle auf die Tribüne", meint der Ex-Bayern-Star. Lloris kam 2008 aus Nizza nach Lyon und seine Entwicklung dort ist beeindruckend. Dank seiner teilweise unnachahmlichen Reflexe bekam er schnell den Spitznamen "Spiderman". Er ist sowohl bei OL als auch in der französischen Nationalmannschaft die unumstrittene Nummer 1. Ein echter Rückhalt. Nicht umsonst rät Sagnol: "Das wäre auch einer für die Bayern!"

Cris

Cristiano Marques Gomes ist in Deutschland kein Unbekannter. Cris, wie er mit Künstlernamen heißt, wagte 2002 den Sprung von Brasilien nach Europa zu Bayer Leverkusen. Ohne Erfolg. Nach einer Saison war Schluss, Rückkehr in die Heimat. Doch nur ein Jahr später der zweite Versuch: Er unterschrieb bei Olympique Lyon, diesmal ein guter Schritt. "Von 2004 bis 2006 war er sicherlich der beste Abwehrspieler in Frankreich", so Sagnol. Ein Kreuzbandriss setzte Lyons Kapitän dann aber sechs Monate außer Gefecht. "Seitdem hat er nicht an die Leistungen von damals anknüpfen können, obwohl er natürlich immer noch sehr zweikampf- und kopfballstark ist", meint Sagnol. Aufräumen kann der "Polizist", so sein Spitzname in Lyon, also immer noch ganz gut.

Miralem Pjanic

Mit seinem Treffer zum 1:1 bei Real Madrid im Achtelfinal-Rückspiel hievte Pjanic Olympique Lyon ins Viertelfinale. Ein Tor, das für die Franzosen Gold wert war. Mit welcher Eleganz er sich den Abpraller von Lopez in den Lauf legte und dann per Dropkick vollendete, zeigte deutlich: Pjanic ist ein exzellenter Techniker. Nicht umsonst gilt er in Frankreich als "kleiner Mozart" des Fußballs. Sagnols Urteil über den Bosnier ist auch eindeutig: "Er ist ein sehr kreativer Spieler. Ihm gehört die Zukunft." Doch nicht nur am Ball hat Pjanic Vorzüge. Er überzeugt trotz seiner schmächtigen Statur auch durch eine ausgeprägte Physis, ist läuferisch stark und nur schwer vom Ball zu trennen.

Lisandro Lopez

Wenn von Lisandro Lopez die Rede ist, kommt Willy Sagnol gar nicht aus dem Schwärmen heraus. "Er ist ein Top-Torjäger und natürlich der Stürmer Nummer 1 bei Lyon. Dabei kann er nicht nur Tore schießen, sondern ist auch ein guter Vorlagengeber. Er ist immer gefährlich, arbeitet aber auch viel nach hinten mit. Er grätscht, er rennt, er köpft. Dann versteckt er sich wieder und fällt kaum auf, um im richtigen Moment hellwach zu sein und das Tor zu machen. Uli Hoeneß würde sagen: 'Er ist ein kleiner Schlawiner.'" Mit 22 Pflichtspieltoren ist er in dieser Saison der beste Torschütze bei Olympique. Ein Vollblutstürmer, der dem Duo Demichelis/van Buyten sicherlich alles abverlangen wird.

Claude Puel

Wenn es um den Einzelvergleich der Trainer geht, dann fällt Willy Sagnol schnell ein Urteil: "Louis van Gaal hat viel mehr Erfahrung." Doch Sagnol kennt Claude Puel sehr gut. 1999/2000 wurde er unter seiner Leitung mit dem AS Monaco französischer Meister. Sagnol warnt vor "Trainerfuchs" Puel: "Als Fußballer war er technisch sehr schlecht, dafür war er an Einsatzwillen kaum zu übertreffen. Dennoch galt er vor jeder Saison als Kandidat für die Ersatzbank. Aber er hat sich immer wieder durchgesetzt, weil er diese absolute Siegermentalität besitzt. Und die verlangt er auch von seinen Spielern." Puel kam 2008 aus Lille nach Lyon.