ANZEIGE

Hamburg - Manuel Neuer, Jerome Boateng, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thiago, Mario Götze, Arjen Robben, Xerdan Shaqiri vom FC Bayern München, Diego Benaglio, Kevin De Bruyne, Luiz Gustavo vom VfL Wolfsburg sowie Yann Sommer, Fabian Johnson, Christoph Kramer, Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach - mit den Spielern, die wegen des WM-Urlaubs beim Telekom Cup am Wochenende fehlten, ließe sich eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen, die in der Bundesliga wohl sicher um den Titel mitspielen würde.

Auch wenn die Fans ihre Weltmeister natürlich gern gefeiert und alle Mannschaften in Top-Besetzung erlebt hätten, zogen am Ende alle Beteiligten an diesem Turnier zur Einstimmung auf die  neue Saison eine positive Bilanz.

"Das war gut für die jungen Spieler. Die haben es ansonsten doch sehr schwer, einmal unter Wettkampfbedingungen zu zeigen, was sie können", sagte Wolfsburgs Kapitän Naldo. Eine Aussage, die der 21-jährige Patrick Drewes, der beim 5:4-Erfolg nach Elfmeterschießen im Halbfinale das VfL-Tor hütete, gegenüber bundesliga.de ebenso unterstrich wie Gladbachs Marvin Schulz (19).

"Es war eine Chance, sich auszuzeichnen", meinte der Benaglio-Ersatz, und Schulz hat sich "sehr gefreut, dass ich dabei sein durfte". Freude, die sich in Spielfreude umsetzte. So rieben sich die Fans verwundert die Augen über Auftritte wie den des erst 17 Jahre alten Gianluca Gaudino, der in beiden Partien der Bayern in der Startformation des Rekordmeisters stand (Hintergrund: Bayerns neue Generation).

Badstuber spielt "als wäre er nie weggewesen"

Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino hat seine Fußball-Gene offensichtlich ebenso weitergegeben wie Mehmet Scholl an Filius Lucas (18), der wie Gaudino normalerweise für Bayerns U19 aufläuft, und Wolfgang Seguin. Der Sohn des mit 380 Einsätzen Rekordspielers der DDR-Oberliga und 21-maligen Nationalspielers, kam beim 0:3 im Finale gegen die Münchner (Spielbericht) für Wolfsburg zum Einsatz. Mit seinen Teamkollegen Moritz Sprenger (19) und Kevin Scheidhauer (22) stellten zwei weitere VfL-Talente unter Beweis, dass einem um den Nachwuchs im Lande des aktuellen Weltmeisters nicht bange sein muss.

Neben den Stars von morgen nutzten auch Langzeitverletzte und Neuzugänge die Chance, sich für die Stammformation aufzudrängen. "Er hat gespielt, als wäre er nie weggewesen", lobte David Alaba seinen Kollegen Holger Badstuber. Dabei hat der Innenverteidiger sein letztes Bundesliga-Spiel vor über eineinhalb Jahren am 1. Dezember 2012 beim 1:1 gegen Borussia Dortmund bestritten.

Und Sebastian Rode "ist nach seiner fünfmonatigen Verletzungszeit toll zurückgekommen", lobte Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer den Neuzugang von Eintracht Frankfurt. Nicht der einzige neue Mann beim Titelverteidiger, der sofort einschlug.

Extralob für Lewandowski

Der 21-jährige Juan Bernat ließ erkennen, warum Pep Guardiola ihn unbedingt aus Valencia an die Isar holen wollte und erwies sich links hinten als vollwertige Alternative zu Alaba, den der Coach als möglichen Ersatz für den abgewanderten Weltmeister Toni Kroos im Mittelfeld sieht.

Ein Extralob des Erfolgstrainers gab es für einen weiteren Neuzugang.  "Ein Top-Spieler. Er hat einfach alles", schwärmte der 43-Jährige von Robert Lewandowski. Und der Ex-Dortmunder tat, wofür er geholt wurde. Mit drei Treffern war der Pole Top-Torschütze des Turniers.

Während Guardiola und sein Wolfsburger Kollege Dieter Hecking in beiden Spielen der Jugend eine Chance gaben und ihre Neuzugänge in festen Formationen testeten, hatte sich Gladbachs Trainer Lucien Favre für zwei grundverschiedene Aufstellungen entschieden. Von den elf Spielern, die am Samstag das Halbfinale im Elfmeterschießen gegen den FCB verloren (Spielbericht), standen am Sonntag nur noch Julian Korb und Raffael in der Startformation.

Slomka sieht "gute Ansätze"

Am Ende unterlagen die Fohlen im Spiel um Platz 3 dem Gastgeber Hamburger SV mit 1:3 (Spielbericht). Dessen Coach Mirko Slomka sah von Experimenten ab. Der 46-Jährige, dessen Mannschaft so früh wie keine andere wieder ins Training eingestiegen war, ist schon ganz auf die kommende Spielzeit fokussiert.

"So eine Saison wie die vergangene wollen wir nicht noch einmal erleben", erinnerte Johan Djourou an den Beinahe-Abstieg des Bundesliga-Dinos im Mai. "Wir hatten gute Szenen", war der Innenverteidiger sich einig mit seinem Teamkollegen Marcell Jansen, der von einem "guten Test" sprach.

"Ich habe gute Ansätze gesehen", war auch Slomka mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden und brachte damit auf den Punkt, was auch seine Kollegen mit in die kommenden vier Trainingswochen vor dem Saisonauftakt nahmen: Auch wenn viele Stars fehlten, der Telekom Cup hat viele neue Erkenntnisse und auch Vorfreude auf die Weltmeister-Saison gebracht.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs