ANZEIGE

Dortmund - Seine Sprüche waren so spektakulär wie seine Tore. Er sei "giftiger als die giftigste Schlange", behauptete Jürgen Wegmann einst in einem Interview. Von der "Kobra" stammt auch der nicht minder legendäre Spruch "Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu". Doch in Erinnerung blieben ebenso seine Tore, die Wegmann unter anderem für Bayern München und Borussia Dortmund erzielte. Am Montag feiert der gebürtige Essener mit alten Freunden seinen 50. Geburtstag.

Zwei Kumpels überraschten ihn bereits mit einem besonderen Geschenk, einem Goldenen Schuh, als später Trost und Wiedergutmachung. Denn bis heute ärgert Wegmann, dass nicht er nach seinem artistischen Fallrückzieher zum 1:0-Siegtor gegen den 1. FC Nürnberg (16. November 1988), sondern Gerd Müller 2003 die Zuschauerwahl von Bayern München zum "Bayern-Tor des Jahrhunderts" gewann. Die Kopie des Goldenen Schuhs hatte übrigens die Firma von Reinold Wosab, Europapokalsieger 1966 mit dem BVB, eigens angefertigt.

Wegmann: "Mein Vorbild war Bruce Lee"

"Ich lag waagerecht in der Luft und habe den Ball optimal getroffen. Ich habe das jahrelang geübt. Mein Vorbild war Kung-Fu-Kämpfer Bruce Lee", verriet Wegmann in einem Interview. Zumindest bei der ARD-Sportschau wurde jener Treffer zum "Tor des Jahres" gewählt.

69 Tore in 203 Bundesligaspielen, außerdem 34 Treffer in 77 Zweitliga-Begegnungen stehen für Wegmann in der Statistik. Seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieb er 1981 bei Rot-Weiss Essen, seine Karriere endete nach den Stationen Schalke 04, Bayern München, Borussia Dortmund und MSV Duisburg mit einer schweren Knieverletzung 1995 beim FSV Mainz 05.

Der Stürmer für die entscheidenden Treffer

Vergleichsweise bescheiden fällt Wegmanns Titelsammlung aus. Mit Bayern München (1987 bis 1989) gewann er den DFB-Supercup und 1989 die deutsche Meisterschaft, ein Einsatz im Nationalteam blieb ihm versagt. Folglich blieb es bei vier Spielen in der U-21-Auswahl.

Wegmann war der Stürmer für die entscheidenden Treffer. Besonders gern erinnert er sich an sein "Millionen-Tor" für den BVB zum 3:1 in der letzten Minute des zweiten Relegationsspiels 1986 gegen Fortuna Köln. Nach einem 0:2 war der BVB fast abgestiegen, Wegmann erzwang ein drittes Spiel, das die Borussia 8:0 gewann.

Stein brennen die Sicherungen durch

Erinnerungen sind Wegmann viele geblieben. So zum Beispiel auch der Faustschlag von Hamburgs Torhüter Uli Stein im Spiel um den DFB-Supercup. Die "Kobra" hatte damals zum zweiten Mal zugebissen und das 2:1 markiert, als Stein die Sicherung durchbrannte. "Uli hat sich sofort entschuldigt", berichtete Wegmann.

Wenig geblieben ist Wegmann von seinem einstigen Salär. Ungern redet er deshalb über die Zeit danach. Privates Pech kostete ihn viel Geld - zu viel. Beim BVB arbeitete er im Merchandising-Bereich, anschließend im Fan-Shop von Bayern München im Centro in Oberhausen. Aber auch das ist inzwischen Vergangenheit. Geblieben sind ihm Hartz IV und die Berufsunfähigkeitsrente. Den Goldenen Schuh möchte er dennoch für einen guten Zweck vermarkten.

Kein Wunder, dass Wegmann gern aus glücklicheren Torjäger-Zeiten berichtet. Doch die Vergangenheit weist noch einen weiteren Makel auf: Denn nie wurde Jürgen Wegmann ins Aktuelle Sportstudio des ZDF eingeladen. Und das sei "einer der größten Skandale überhaupt".